Power2Drive 2026: Warum Ladeinfrastruktur mehr können muss als hohe Ladeleistungen

Power2Drive 2026: Warum Ladeinfrastruktur mehr können muss als hohe Ladeleistungen
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Daniel Krenzer

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  —  Lesedauer 4 min

Von Daniel Krenzer

Lange Zeit galt bei Ladeinfrastruktur vor allem eine Kennzahl als entscheidend: die maximale Ladeleistung. Wer mehr Kilowatt bieten konnte, galt als technologisch führend. Auf der Power2Drive Europe 2026 in München wurde diese Woche jedoch deutlich, dass die Branche inzwischen einen Schritt weiter ist. Nicht (ausschließlich) einzelne Rekordwerte stehen im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich Ladeinfrastruktur für Elektroautos und E-Nutzfahrzeuge wirtschaftlich skalieren, intelligent steuern und sinnvoll in bestehende Energie- und Betriebsprozesse integrieren lässt.

Ob Flottenstandort, Logistikzentrum, Ladepark oder Innenstadt: Gefragt sind heute Lösungen, die hohe Leistungen bereitstellen, diese aber auch effizient nutzen. Genau dieser Wandel zog sich wie ein roter Faden durch die Messe.

Sechs Megawatt für den Ladepark der Zukunft

Für Aufsehen sorgte unter anderem eine neue DC-gekoppelte Ladeinfrastruktur mit einer Gesamtleistung von bis zu sechs Megawatt von Schneider Electric – also doch wieder ein Rekordwert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen einzelnen Ladepunkt, sondern um ein Gesamtsystem, das Batteriespeicher, Photovoltaik, Energiemanagement sowie Schnell- und Megawatt-Ladestationen direkt auf der Gleichstromseite miteinander verbindet. Dadurch lassen sich Umwandlungsverluste reduzieren und selbst große Ladeparks trotz begrenzter Netzanschlüsse wirtschaftlich betreiben.

Der Trend zeigt deutlich: Künftig entscheidet weniger die maximale Ladeleistung eines einzelnen Ladepunkts als vielmehr die intelligente Einbindung in das gesamte Energiesystem.

Die Ladesäule verschwindet aus dem Stadtbild

Mindestens ebenso spannend wie die großen Ladeparks waren zahlreiche vorgestellte Lösungen für Städte und Kommunen. Mehrere Hersteller präsentierten Ladeinfrastruktur, die sich nahezu unsichtbar in den öffentlichen Raum integriert.

Auffällig waren unter anderem neue Bordstein-Ladelösungen, bei denen die Ladebuchse direkt in den Bordstein integriert wird. Neue, besonders robuste Varianten sowie überfahrbare Ausführungen für Logistikstandorte erweitern die Einsatzmöglichkeiten zusätzlich. Der Vorteil liegt auf der Hand: Gehwege bleiben frei, Stolperfallen werden entschärft und das Stadtbild wird deutlich weniger beeinträchtigt. Dennoch sorgt dieses Konzept immer wieder für kontroverse Diskussionen, Stichworte Hunde, Wetter und Rücken.

Ladelösungen, die sich gut ins Stadtbild integrieren lassen / Foto: Daniel Krenzer

Daneben zeigten Aussteller elegante Ladepoller, besonders schlanke AC-Ladestationen sowie Lösungen, die sich in bestehende Straßenlaternen oder andere Stadtmöbel integrieren lassen. Gerade für dicht bebaute Innenstädte dürfte dieser Ansatz künftig deutlich wichtiger werden als immer größere Schnellladeparks.

Asymmetrisches Laden setzt sich durch

Ein weiteres Thema zog sich durch zahlreiche Messestände: intelligentes Lastmanagement. Immer mehr Hersteller setzen dabei auf asymmetrisches Laden. Statt die verfügbare Leistung gleichmäßig auf alle angeschlossenen Fahrzeuge zu verteilen, wird sie dynamisch dort bereitgestellt, wo sie aktuell den größten Nutzen bringt.

Gerade für Flotten, Logistikstandorte oder Unternehmen mit vielen gleichzeitig angeschlossenen Fahrzeugen ermöglicht dieser Ansatz eine deutlich bessere Auslastung bestehender Netzanschlüsse. Damit wird nicht nur die vorhandene Infrastruktur effizienter genutzt, sondern häufig auch ein kostspieliger Netzausbau vermieden.

Megawattladen wird marktreif

Während Megawatt Charging Systems (MCS) vor wenigen Jahren noch vor allem Demonstratoren waren, präsentierten zahlreiche Unternehmen inzwischen serienreife Lösungen für den Schwerlastverkehr. Hersteller zeigten Ladeleistungen bis in den Megawattbereich, neue MCS-Stecker und zunehmend kompakte Systemarchitekturen für Logistikdepots und Fernverkehrsstandorte.

Deutlich wurde dabei auch, dass der Schwerlastverkehr zunehmend als eigenständiger Markt betrachtet wird. Die Anforderungen von Lkw-Flotten unterscheiden sich erheblich von denen klassischer Pkw-Ladeparks, weshalb speziell darauf zugeschnittene Lösungen an Bedeutung gewinnen. Kein Wunder, wer angesichts Mautbefreiung und Dieselpreisen eine Elektrifizierung seines Fuhrparks einmal sachlich durchrechnet, wird in sehr vielen Fällen trotz der hohen Startinvestitionen bemerken, dass sich E-Nutzfahrzeuge samt entsprechendem Energiesystem monetär stark lohnen können.

Laden wird Teil des Energiesystems

Fast alle größeren Innovationen folgten letztlich derselben Grundidee: Ladeinfrastruktur entwickelt sich zunehmend zu einem Bestandteil intelligenter Energiesysteme. Batteriespeicher, Photovoltaik, Energiemanagement, Smart Charging und bidirektionales Laden verschmelzen immer stärker miteinander. Wie im Vorjahr wurde dem von nahezu allen Akteuren der Branche mit scharrenden Hufen erwartete Bidi-Laden eine eigene Ausstellungszone gewidmet.

Die eigentliche Innovation besteht also weniger in immer höheren Ladeleistungen, sondern darin, Fahrzeuge künftig netzdienlich und wirtschaftlich in das Stromsystem einzubinden. Gerade Batteriespeicher waren auf zahlreichen Messeständen innerhalb der The Smarter E, in welche die Power2Drive eingebettet ist, präsent und wurden vielfach als Schlüssel zur kostengünstigen Elektrifizierung von Flotten und Ladeparks vorgestellt.

Fleet Transformation Days rücken Flotten in den Mittelpunkt

Passend zu diesem Trend standen auch die erstmals veranstalteten Fleet Transformation Days ganz im Zeichen integrierter Lösungen. Im Mittelpunkt standen Fragen rund um die wirtschaftliche Elektrifizierung von Unternehmens- und Nutzfahrzeugflotten, den Einsatz von Batteriespeichern, intelligentes Lastmanagement sowie bidirektionales Laden.

Fleet Transformation Days mit dem Bundesverband Neue Mobilität e.V. / Foto: Daniel Krenzer

Der Bundesverband Neue Mobilität e.V. (BNM) beteiligte sich dabei mit mehreren Fachsessions, Diskussionsrunden und Netzwerkformaten. Ziel war es, Flottenbetreiber, Energiebranche, Ladeinfrastruktur-Anbieter und Industrie enger zusammenzubringen und den Wissenstransfer rund um die Elektrifizierung großer Fahrzeugflotten zu fördern.

Die Power2Drive 2026 hat gezeigt, dass die Ladebranche erwachsen wird. Der Fokus verschiebt sich von einzelnen Leistungsrekorden hin zu intelligenten Gesamtlösungen. Ob urbane Ladeinfrastruktur, Megawattladen, Batteriespeicher oder intelligentes Lastmanagement: Entscheidend ist zunehmend nicht mehr, wie viel Leistung bereitsteht, sondern wie effizient und wirtschaftlich sie genutzt werden kann.

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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