Xpeng-CEO: Europa so wichtig wie jeder andere Markt

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Sebastian Henßler
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Die chinesische Autoindustrie kämpft im eigenen Land mit einem harten Verdrängungswettbewerb, während ihre Hersteller gleichzeitig so aggressiv wie nie auf den europäischen Markt drängen. Kaum eine Marke verkörpert dieses Tempo derzeit so deutlich wie Xpeng. Das erst 2014 gegründete Unternehmen aus Guangzhou hat sich mit Modellen wie dem G6 und dem G9 sowie mit ungewöhnlich kurzen Ladezeiten zu fairen Preisen in Europa einen Namen gemacht.

Inzwischen baut Xpeng sein Angebot sowohl nach oben als auch nach unten aus, mit neuen Modellen wie dem P7+, dem L03 und dem Luxusvan X9. Für viele Beobachter überraschend, ist das Unternehmen dabei längst nicht mehr nur auf den Fahrzeugbau fokussiert. He Xiaopeng, Mitbegründer und Firmen-CEO von Xpeng, sprach mit Press-Inform über die Strategie seines Unternehmens für den europäischen Markt, die Rolle künstlicher Intelligenz und die Grenzen des autonomen Fliegens.

Der Blick nach Europa als Absicherung

Zur Frage einer möglichen Konsolidierung des chinesischen Automarkts wollte sich He Xiaopeng nicht für die gesamte Branche äußern, sondern sprach ausschließlich für Xpeng. Der Heimatmarkt sei „aktuell herausfordernder denn je“, eine Entspannung erwartet er nach eigener Einschätzung frühestens in fünf bis zehn Jahren. Diese Einschätzung liefert zugleich die Erklärung für das Tempo, mit dem Xpeng derzeit international expandiert.

Der Export nach Europa sei deshalb kein kurzfristiges Ausweichmanöver, sondern Teil einer breiteren Aufstellung des Unternehmens. Europa sei dabei „ebenso wichtig wie andere Märkte“, so der Xpeng-Chef. Damit ordnet er den europäischen Markt bewusst nicht als Nebenschauplatz ein, sondern als gleichwertigen Baustein der globalen Strategie.

Wie weit diese Strategie gehen soll, wurde bei der Frage nach eigenen Produktionsanlagen in Europa deutlich, mit denen sich mögliche Strafzölle umgehen ließen. He Xiaopeng blieb hier konkret in der Zielsetzung, wenn auch offen in der Umsetzung: Bis zum Jahr 2030 will Xpeng mehr als eine Million Autos außerhalb Chinas absetzen. Gespräche über eine Übernahme von Produktionsanlagen in Europa oder entsprechende Kooperationen liefen bereits, ohne dass er sich auf einen konkreten Standort festlegte.

Aktuell fertigt Xpeng vor allem in den Werken Zhaoqing und Guangzhou in der Provinz Guangdong. Parallel dazu wächst die Produktion aber bereits über China hinaus: Jüngst eröffnete das Unternehmen eine Fertigung in Indonesien, der Produktionsstart in Malaysia soll folgen. Beide Standorte deuten darauf hin, dass Xpeng seine Fertigungsbasis strategisch über mehrere asiatische Länder verteilt, bevor es einen möglichen Schritt nach Europa geht.

Wenn das Auto zum Tech-Produkt wird

Mit dem X9 und dem P7+ hat Xpeng zuletzt neue Modelle vorgestellt, beim L03 rückt das Unternehmen künstliche Intelligenz explizit in den Vordergrund und bewirbt das Auto als „Next-Gen AI SUV Coupé“. Diese Ausrichtung ist nach den Worten von He Xiaopeng kein Zufall, sondern Ausdruck eines grundsätzlichen Selbstverständnisses.

Xpeng verstehe sich nicht in erster Linie als Autohersteller, sondern als Tech-Konzern, der auch Autos produziere und Software entwickle, erklärte He Xiaopeng. Nach dem Antriebswechsel vom Verbrenner zur Elektromobilität zwischen 2015 und 2020 sehe er nun die „Symbiose von Roboter und Auto“ als nächste große technologische Verschiebung, die die Branche in den kommenden Jahren prägen werde.

Vor der künstlichen Intelligenz müsse dabei niemand Angst haben, betonte He Xiaopeng, da die Technologie den Menschen unterstützen und nicht ersetzen solle. Xpeng arbeite an den entsprechenden Werkzeugen, um diese Entwicklung umzusetzen. Entscheidend sei für ihn dabei nicht kurzfristiger Erfolg, sondern eine langfristige Perspektive.

Handelsnetz soll bis Jahresende deutlich wachsen

Auch nach dem erfolgten Markteintritt bleibt der europäische Markt für Xpeng anspruchsvoll, wie He Xiaopeng im Gespräch einräumte. In Deutschland verfügt das Unternehmen aktuell über rund 70 Händler, bis Ende des Jahres soll das Netz auf 110 Standorte wachsen, um eine ausreichende Flächendeckung zu erreichen. Viele dieser Vertriebspartner führen zugleich deutsche Premiummarken, mit denen sich Xpeng nach eigenem Anspruch messen will.

Der Anspruch des Unternehmens gehe dabei über reinen Absatz hinaus, so He Xiaopeng weiter. Man wolle die Welt mit den eigenen Produkten „ein kleines Stück besser machen“, auch in Europa, etwa durch autonomes Fahren, von dem nach seiner Einschätzung jeder profitieren könne. Diese Aussage verbindet den kommerziellen Expansionskurs mit einem erklärten technologischen Nutzenversprechen.

Auf die Frage, ob Xpeng als Tech-Konzern mit seiner Arbeit an Flugtaxis auch den urbanen Personenverkehr in die Luft verlagern will, dämpfte He Xiaopeng die Erwartungen deutlich. Der Lärm der Fluggeräte würde viele Menschen stören, weshalb er ihren Einsatz in den kommenden Jahrzehnten eher bei Lieferdiensten und der Personenbeförderung in ländlichen oder schwer erreichbaren Regionen sieht, wo Flugtaxis den Zugang spürbar erleichtern könnten. Für dicht besiedelte Städte erteilte er der vielzitierten Vision vom fliegenden Stadtverkehr damit eine klare Absage.

Vom eigenen Rückschlag zur neuen Firma

Zur Frage, wofür Xpeng heute stehen soll, holte He Xiaopeng etwas weiter aus. Vor der Gründung von Xpeng im Jahr 2014 hatte er bereits ein eigenes Unternehmen aufgebaut, das schließlich von Alibaba übernommen wurde. Diesen Einschnitt verglich er im Gespräch mit der Übergabe der eigenen Tochter in fremde Hände, ein Bild, das die persönliche Bedeutung dieser Erfahrung für ihn unterstreicht.

Aus dieser Erfahrung heraus entstand offenbar auch der Anspruch, mit Xpeng etwas grundsätzlich Eigenständiges aufzubauen. In Asien stehe die Marke heute in erster Linie für autonomes Fahren, auch wenn perspektivisch die Stufen vier und fünf der Autonomie hinzukommen sollen. In Europa sieht He Xiaopeng die Marke dagegen breiter positioniert, vor allem als Anbieter smarter High-End-Technologie, ein Selbstverständnis, das die unterschiedliche Wahrnehmung der Marke in beiden Weltregionen erklärt.

Quelle: press:inform – Interview mit Xpeng-CEO He Xiaopeng

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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