Ein elektrischer Lastwagen, der in der Mittagspause mehrere hundert Kilowatt Strom lädt. Firmenparkplätze, auf denen Mitarbeiter ihre Autos während der Arbeitszeit anschließen. Produktionsbetriebe, die ihre Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Ladepunkte in ein gemeinsames Energiesystem integrieren. Was lange als Zukunftsszenario galt, entwickelt sich inzwischen zu einer praktischen Frage für viele Unternehmen: Wie lässt sich der steigende Strombedarf durch Elektromobilität sinnvoll in bestehende Energieinfrastrukturen einbinden?
Diese Frage stand im Mittelpunkt des Sungrow Power Connect Day, zu dem das Unternehmen Anfang März ins Porsche Center Leipzig eingeladen hatte. Vertreter aus Industrie, Energiebranche, Installationsbetrieben und Beratung kamen zusammen, um über technische Lösungen und praktische Erfahrungen aus realen Projekten zu diskutieren. Der Fokus lag dabei auf dem sogenannten C and I Segment – also Anwendungen im Gewerbe und in der Industrie.
Die Transformation der Energieversorgung findet dort zunehmend in einem Spannungsfeld statt. Viele Betriebe installieren Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern, gleichzeitig wächst der Strombedarf durch elektrifizierte Flotten oder neue Produktionsprozesse. Häufig stößt der vorhandene Netzanschluss dabei schneller an seine Grenzen als erwartet. Systeme aus Energiespeichern, Ladeinfrastruktur und intelligenter Steuerung sollen helfen, diese Herausforderungen zu lösen.
Vom Wechselrichteranbieter zum Anbieter integrierter Energiesysteme
Der chinesische Technologieanbieter Sungrow ist in diesem Umfeld vor allem durch seine Wechselrichter bekannt. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen sein Portfolio jedoch erweitert und bietet inzwischen auch Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur für Elektroautos an.
Während des Power Connect Day ging es deshalb weniger um einzelne Produkte als um das Zusammenspiel verschiedener Komponenten. Mehrere Vorträge beleuchteten, wie Photovoltaik, Speicher und Ladepunkte zu einem integrierten Energiesystem verbunden werden können. In diesem Kontext stellte Philippe Knapp, Sales Manager EV Charging DACH bei Sungrow, das Ladeportfolio des Unternehmens vor.
Auch strategisch spielt Europa für das Unternehmen eine wichtige Rolle. Innerhalb des globalen Geschäfts zählt die Region zu den zentralen Wachstumsmärkten. Besonders die DACH-Region gilt dabei als Schlüsselmarkt. Unternehmensvertreter verwiesen in Gesprächen am Rande der Veranstaltung darauf, dass Europa inzwischen zu den wichtigsten Regionen außerhalb des chinesischen Heimatmarktes gehört. Innerhalb Europas wiederum habe Deutschland gemeinsam mit Österreich und der Schweiz eine besondere Bedeutung für das Geschäft.
Neben der Marktnachfrage spielen dabei auch technische Anforderungen eine Rolle. Produkte, die in Deutschland bestehen, gelten intern häufig als Maßstab für andere Märkte. Wenn Lösungen die regulatorischen und technischen Anforderungen in Deutschland erfüllen, lassen sie sich in der Regel auch in anderen Regionen einsetzen.
Seine Präsentation machte deutlich, wie breit das Spektrum an Ladeleistungen inzwischen geworden ist. Am unteren Ende stehen Wechselstrom-Wallboxen mit sieben oder 22 Kilowatt Leistung. Solche Lösungen sind vor allem dort sinnvoll, wo Autos über längere Zeit stehen – etwa auf Mitarbeiterparkplätzen, in Wohnanlagen oder bei kleineren Unternehmen. Der Einstieg in die Gleichstromtechnik (DC) beginnt bei Ladeleistungen um 30 Kilowatt. Diese Geräte werden häufig bei Autohäusern oder kleineren gewerblichen Standorten eingesetzt, an denen schnellere Ladezeiten gewünscht sind.
Ladeleistungen wachsen mit Anforderungen der Elektromobilität
Darüber folgen Schnellladesysteme im Bereich zwischen 60 und 180 Kilowatt. Sie kommen typischerweise an öffentlichen Ladepunkten, bei Flottenbetreibern oder im Einzelhandel zum Einsatz. Für stärker frequentierte Standorte bietet Sungrow Ladegeräte mit Leistungen von 240 bis 480 Kilowatt an. Diese Systeme lassen sich modular aufbauen und können mehrere Ladepunkte gleichzeitig versorgen.
Noch deutlich höhere Leistungen sind vor allem im Nutzfahrzeugsegment relevant. Elektrische Lastwagen oder Busse benötigen in vielen Einsatzfällen deutlich größere Energiemengen in kurzer Zeit. Sungrow entwickelt dafür Megawatt-Ladesysteme mit Leistungen zwischen etwa einem und 3,5 Megawatt. „Das System beginnt bei rund einem Megawatt und kann schrittweise erweitert werden“, erklärte Knapp während seines Vortrags.
Mit steigender Ladeleistung wachsen auch die technischen Anforderungen an die Systeme selbst. Eine zentrale Herausforderung ist die Wärmeentwicklung in der Leistungselektronik. Sungrow setzt hier auf ein Kühlsystem, bei dem Elektronik und Luftstrom voneinander getrennt sind. Leistungsmodule und Kühlkanäle befinden sich in separaten Kammern, die hermetisch voneinander abgeschirmt sind.
Der Luftstrom wird gezielt durch die Bereiche geführt, in denen die höchste Wärme entsteht. Gleichzeitig bleibt die Elektronik vor Staub oder Feuchtigkeit geschützt. Nach Angaben des Unternehmens reduziert diese Konstruktion thermische Belastungen der Komponenten und soll damit auch deren Lebensdauer verlängern.
Hardware muss auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren
Neben der Kühlung spielte in der Präsentation auch die Robustheit der Geräte eine Rolle. Die Ladegeräte erfüllen die Schutzklasse IP65 und sind damit vollständig gegen Staub geschützt sowie gegen Strahlwasser resistent. Laut Hersteller sind sie für Umgebungen ausgelegt, die in der Praxis häufig auftreten – etwa hohe Luftfeuchtigkeit, salzhaltige Luft oder stark staubbelastete Industrieareale.
Neben der technischen Hardware rückt auch die Nutzung der Ladepunkte stärker in den Fokus. Die Systeme unterstützen unterschiedliche Authentifizierungs- und Bezahlmethoden. Nutzer können über Kreditkarte oder Debitkarte direkt am Terminal bezahlen, über RFID-Karten laden oder den Ladevorgang über eine Smartphone-App starten. Zusätzlich ist Plug and Charge vorgesehen, bei dem sich das Auto automatisch gegenüber der Infrastruktur identifiziert, sobald das Kabel angeschlossen wird.
Solche Funktionen sind vor allem dort relevant, wo Ladepunkte öffentlich zugänglich sind oder unterschiedliche Nutzergruppen bedient werden. Bei geschlossenen Anwendungen, etwa auf Firmenparkplätzen, kann der Ladevorgang auch ohne Authentifizierung automatisch starten.
Praxisprojekte zeigen Integration von Energie und Laden
Mehrere Beispiele aus bestehenden Projekten zeigen, wie solche Systeme inzwischen umgesetzt werden. Am Flughafen Amsterdam Schiphol entstand etwa ein Projekt, das Ladeinfrastruktur, Batteriespeicher und Photovoltaik miteinander kombiniert. Dort kommen mehrere Schnelllader mit Leistungen bis zu 480 Kilowatt zum Einsatz, ergänzt durch Batteriespeicher und ein Energiemanagementsystem. Ziel ist es, den Strom möglichst effizient vor Ort zu nutzen und Lastspitzen im Netz zu reduzieren.
Ein weiteres Beispiel befindet sich im nordrhein-westfälischen Rhede. Dort installierte ein Partnerunternehmen eine Ultraschnellladeanlage für den öffentlichen Betrieb. Die Infrastruktur umfasst vier flüssigkeitsgekühlte Ladepunkte mit jeweils bis zu 480 Kilowatt Leistung. Bei Tests wurde die Anlage auch mit einem elektrischen Schwerlast-Lkw genutzt, dem Mercedes eActros 600.
Die Kombination aus Ladeinfrastruktur und Energiespeichern gilt dabei als ein zentraler Anwendungsfall für gewerbliche Standorte. Gerade Logistikdepots oder Flottenstandorte verfügen oft nicht über ausreichend leistungsfähige Netzanschlüsse. Batteriespeicher können hier als Puffer dienen und hohe Ladeleistungen ermöglichen, ohne dass der Netzanschluss unmittelbar erweitert werden muss. Vertreter des Unternehmens sehen in dieser Kombination aus Speicher und Ladeinfrastruktur einen wichtigen Wachstumstreiber für die kommenden Jahre.
Service und Ersatzteile werden zunehmend entscheidend
Neben der Technik rückte beim Power Connect Day auch der Betrieb der Infrastruktur in den Fokus. Ladeanlagen müssen über viele Jahre hinweg zuverlässig funktionieren. Ausfälle können schnell wirtschaftliche Folgen haben, vor allem wenn sie den Betrieb von Flotten betreffen.
Ein häufiger Engpass liegt laut Branchenbeobachtern bei Ersatzteilen. Wenn Komponenten erst bestellt werden müssen, kann eine Reparatur mehrere Wochen dauern. Sungrow versucht diesem Problem mit europäischen Ersatzteillagern entgegenzuwirken. Teile werden unter anderem in den Niederlanden vorgehalten, um Servicezeiten zu verkürzen.
Parallel investiert das Unternehmen in Schulungsprogramme für Installateure und Servicepartner. Trainingszentren existieren unter anderem in Deutschland, Spanien und den Niederlanden. Dort werden sowohl Grundlagen der Systeme als auch praktische Wartungsarbeiten vermittelt.
Die Gespräche in Leipzig zeigen damit auch, wie sich die Diskussion rund um Ladeinfrastruktur verändert hat. Während lange vor allem einzelne Ladepunkte im Mittelpunkt standen, rücken heute zunehmend komplexe Energiesysteme in den Fokus. Unternehmen betrachten Elektromobilität nicht mehr isoliert, sondern als Teil ihrer gesamten Energieversorgung – von der Stromerzeugung über die Speicherung bis zur Nutzung im E-Auto.
Disclaimer: Sungrow hat zum Sungrow Power Connect Day nach Leipzig eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.








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