Sungrow: Wie der chinesische Ladehersteller Europa anpackt

Sungrow: Wie der chinesische Ladehersteller Europa anpackt
Copyright:

shutterstock / 2249453389 | Symbolbild

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Im aktuellen Podcast spreche ich mit Christos Tsegkis von Sungrow. Er verantwortet das Geschäft rund um Ladeinfrastruktur in Europa und gibt spannende Einblicke in die Strategie des Unternehmens. Für viele ist Sungrow bisher vor allem als Schwergewicht im Bereich Photovoltaik und Wechselrichter bekannt. Doch das Unternehmen hat sein Portfolio längst ausgeweitet. „Wir sind mit PV bekannt geworden, aber E-Mobilität wird für uns immer wichtiger“, sagt Christos. Genau hier setzen wir im Gespräch an.

Sungrow ist in Europa zunächst mit AC-Ladelösungen gestartet und hat sein Angebot schrittweise auf DC-Systeme erweitert – vom kompakten 30-Kilowatt-Lader bis hin zu künftigen Megawatt-Chargern. Der Schwerpunkt im europäischen Markt liegt derzeit bei Ladeleistungen um 400 Kilowatt. Entwicklung und Grunddesign entstehen in China, während in Amsterdam die maßgeschneiderte Anpassung für Europa erfolgt. Produziert werden die Systeme weiterhin in China, bevor sie nach Europa exportiert werden.

Besonders deutlich wird im Gespräch, welchen Stellenwert Software inzwischen für Sungrow hat. Christos betont mehrmals, dass sie hier bewusst einen offenen Ansatz verfolgen: „Unsere Software unterscheidet uns. Sie ist modular aufgebaut und offen, weil wir so schneller anpassen und besser mit Kunden zusammenarbeiten können.“ Ziel sei es, Ausfallzeiten zu reduzieren und Ladepunkte stabil zu betreiben – ein zentraler Faktor für Betreiber, die nur dann Einnahmen erzielen, wenn ihre Stationen online sind. Die Software greift dabei aktiv ein, erkennt Muster und kann Störungen vorbeugen. Damit soll die Betriebszeit verbessert werden, was für Betreiber wirtschaftlich entscheidend ist.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Kombination aus Schnellladeinfrastruktur und Batteriespeicher. Sungrow bringt hier viel Erfahrung aus dem Energiemanagement mit und überträgt dieses Know-how in den Mobilitätsbereich. Durch integrierte Speicher lassen sich nicht nur schwache Netzanschlüsse kompensieren, sondern zusätzliche Einnahmemöglichkeiten eröffnen. „Mit dem Speicher kann ich Energie nicht nur zwischenspeichern, sondern auch am Markt handeln. Das senkt Capex und verbessert den Return on Invest“, erklärt Christos. Sungrow liefert dafür die passende Hardware, während der Handel mit Energie über externe Softwarepartner erfolgt.

Spannend ist auch der Blick auf bidirektionales Laden. Sungrow setzt hier auf DC-Technologie und plant für das kommende Jahr eine DC-Ladebox, die genau das ermöglicht. Die Entscheidung gegen AC begründet Christos damit, dass DC mehr Steuerungsmöglichkeiten und präzisere Powerflows erlaubt. Für Gewerbe- und Flottenkunden ist das ein wichtiger Punkt, da sie Energiekosten optimieren und Lastspitzen vermeiden müssen.

Auch das Thema Megawatt-Charging diskutieren wir ausführlich. Während einige Hersteller die Notwendigkeit infrage stellen, verfolgt Sungrow einen klaren Kurs: „Ab 2027 werden Megawatt-Charger benötigt – und wir werden bereit sein.“ Die Technologie entwickelt Sungrow bereits, denn insbesondere im Logistiksektor werden hohe Ladeleistungen unverzichtbar sein, wenn Standzeiten niedrig bleiben sollen. Langfristig erwartet Christos, dass Megawatt-Laden einen bedeutenden Anteil am Umsatz ausmachen wird.

Natürlich spreche ich Christos auch darauf an, ob chinesische Anbieter es im europäischen Markt schwer haben. Seine Antwort zeigt ein gewachsenes Selbstbewusstsein: „Wir sind seit 2011 in Europa. Viele Kunden kennen uns aus dem Energiebereich. Vertrauen entsteht über Jahre – und genau davon profitieren wir.“ Trotzdem müsse man sich gegen starke Marken behaupten. Entscheidend seien nicht Herkunft oder Image, sondern Stabilität, Qualität und Support.

Nun aber genug der Vorrede – lass uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Diess sieht E-Fuels als Versuch, das Alte zu erhalten

Diess sieht E-Fuels als Versuch, das Alte zu erhalten

Sebastian Henßler  —  

Herbert Diess sieht im E-Auto mehr als ein Transportmittel: Als Speicher könnte es Solarstrom in den Abend verschieben und das Fahren nahezu gratis machen.

Kommentar: Daimler Truck will CO2-Ziele an Ladenetz koppeln

Kommentar: Daimler Truck will CO2-Ziele an Ladenetz koppeln

Sebastian Henßler  —  

Daimler Truck will die CO2-Ziele an den Ladeausbau koppeln und verweist auf China. Doch gerade dort kam der E-Lkw vor dem fertigen Netz, nicht erst danach.

Electra übernimmt Schnellladenetz von Mercedes-Benz

Electra übernimmt Schnellladenetz von Mercedes-Benz

Sebastian Henßler  —  

Mercedes-Benz gibt den Betrieb eigener Ladeparks ab und setzt auf die Partnerschaft mit Electra. Kund:innen erhalten Zugang zu über 800 Stationen in Europa.

Stromnetzausbau könnte 66 Milliarden Euro günstiger werden als gedacht

Stromnetzausbau könnte 66 Milliarden Euro günstiger werden als gedacht

Daniel Krenzer  —  

Der Stromnetzausbau könnte 66 Milliarden Euro günstiger werden als gedacht. Wie intelligente Netze, Elektroautos und Speicher Kosten senken können.

50Hertz: E-Autos für Stromnetz vergleichsweise kleine Herausforderung

50Hertz: E-Autos für Stromnetz vergleichsweise kleine Herausforderung

Daniel Krenzer  —  

40 Millionen Elektroautos sind für das deutsche Stromnetz beherrschbar, sagt 50Hertz. Entscheidend sind intelligentes Laden und Netzausbau.

Spirit-E: Wie E-Lkw im Depot Stromkosten senken können

Spirit-E: Wie E-Lkw im Depot Stromkosten senken können

Sebastian Henßler  —  

Ein MAN eTGX hat im Reallabor in Regensburg bis zu 350 kW zurückgespeist. Das Projekt Spirit-E zeigt, wie E-Lkw Depot, Netz und andere Fahrzeuge versorgen.

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Daniel Krenzer  —  

Der Ladeanbieter Ionity setzt in Wertheim auf Batteriespeicher, um trotz begrenztem Netzanschluss mehr Schnellladepunkte anzubieten. 50 Standorte sollen folgen.