Die hohe Nachfrage nach der Neuen Klasse hat BMW laut Unternehmensangaben dazu gebracht, früher als vorgesehen zusätzliche Produktionsschichten einzuführen. Der beschleunigte Hochlauf soll es ermöglichen, ältere Fahrzeug- und Technologiegenerationen schrittweise früher auslaufen zu lassen, darunter einige Modelle mit Gen5-Batterietechnik, welche genau, nennt BMW nicht. Für die Jahresbilanz hat das Folgen: Diese Portfoliomaßnahmen und ein beschleunigter Umbau der Organisation belasten das Autogeschäft im vierten Quartal, die Prognose für die EBIT-Marge im Segment Automobile sinkt auf minus 0,5 bis plus 0,5 Prozent (bisher ein bis drei Prozent).
Beim Elektro-Anteil hebt der Konzern dagegen seine Erwartung an. Statt auf Vorjahresniveau soll der Anteil vollelektrischer Modelle an den Auslieferungen 2026 nun leicht steigen. Im dritten Quartal lag er bei 20 Prozent, das entspricht rund 110.000 Autos; zusammen mit Plug-in-Hybriden waren es 27,4 Prozent. Europa liegt klar darüber: Dort waren 46,9 Prozent der ausgelieferten Autos elektrifiziert, rein elektrisch fuhren 34,7 Prozent. Bei den Scope-3-Emissionen aus Lieferkette und Nutzungsphase erwartet BMW nun eine leichte Reduzierung.
Allein die Sondermaßnahmen drücken die Jahresmarge im Autogeschäft um rund 2,5 Prozentpunkte. Hinzu kommen erhöhte Zölle mit etwa 1,25 Prozentpunkten sowie Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation für BMW Brilliance Automotive mit 1,2 Prozentpunkten. Vor Struktur- und Portfoliomaßnahmen erwartet der Vorstand weiterhin eine operative Marge von mehr als zwei Prozent, beim Free Cashflow des Segments unverändert über 2,5 Milliarden Euro.
Im Quartal selbst sank das EBIT des Autogeschäfts um 39,7 Prozent auf 901 Millionen Euro, obwohl die Beilegung der Gerichtsverfahren zum Integrierten Bremssystem positiv wirkte. Die Marge fiel auf 3,4 Prozent nach 5,2 Prozent, der Free Cashflow rutschte mit minus 566 Millionen ins Negative. Konzernweit erreichte das Ergebnis vor Steuern knapp 2,1 Milliarden Euro (minus 10,6 Prozent), getragen auch von positiven Bewertungseffekten bei Zinssicherungsgeschäften. Über neun Monate summiert sich der Rückgang auf 23,9 Prozent.
China bremst, Hoffnung ruht auf Neuer Klasse
Weltweit übergab BMW zwischen Juli und September rund 551.000 Autos, 6,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zuwächse in Europa (plus 2,6 Prozent) und den USA (plus 2,5 Prozent) konnten den Rückgang in China nur teilweise ausgleichen. Dort sank der Absatz laut Automobilwoche im Quartal um 24,8 Prozent, nach neun Monaten stand ein Minus von 21,8 Prozent auf rund 376.000 Autos. Für das Gesamtjahr rechnet der Vorstand nun mit einem moderaten statt einem leichten Rückgang.
Gleichzeitig baut der Hersteller in China Personal ab. BMW bestätigte gegenüber der Automobilwoche entsprechende Maßnahmen, aber keine Zahl; chinesische Medien nennen rund 1800 Stellen, vor allem in der Produktion. „Gerade in China ist es entscheidend, die Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz vor Ort zu stärken“, teilte das Unternehmen mit. Aus dem Konzernumfeld heißt es, der Abbau gehöre zum angekündigten Programm über weltweit rund 8000 Stellen bis Ende 2027, Finanzvorstand Walter Mertl ließ das jedoch offen.
Zugleich stellt BMW die Fertigung in Shenyang auf die Neue Klasse um. Seit Mitte Oktober entstehen dort Hochvoltbatterien der sechsten Generation in Serie, zunächst für iX3 und i3. Die chinesische Langversion des iX3 kommt laut Mertl Mitte November offiziell in den Verkauf, weitere Neue-Klasse-Modelle sollen 2027 folgen. Die lokal gefertigten Kompaktmodelle X1 und X2 will Vorstandschef Milan Nedeljković dagegen vom Markt nehmen.
Seine Zuversicht für China stützt Mertl nach eigenen Angaben auf zahlreiche Testfahrten und sehr positives Feedback. Bei der Profitabilität bleibt der Markt jedoch schwierig. Während der iX3 in europäischen Kernmärkten laut Mertl bereits Margenparität mit dem Verbrenner erreicht, erschwere in China die Wettbewerbssituation diesen Schritt.
Weniger Entwicklungsbudget, mehr Tempo beim Umbau
„Die Entwicklung in unserer Industrie erfordert konsequente Entscheidungen und schnelle Umsetzung“, sagte Nedeljković am Mittwoch in München. Konkret will BMW die organisatorische Neuaufstellung schneller umsetzen, etwa die angekündigte Verschlankung der Managementfunktionen. Zudem fährt der Konzern seine Entwicklungsausgaben planmäßig zurück: Per September sanken sie um 7,4 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro, die Investitionen um 17,1 Prozent.
Die Gen6-Technologie soll in den kommenden Jahren dank verbesserter Kosteneffizienz zur Profitabilität beitragen. Verfügbar ist sie bereits im iX3, i3, i7, iX4 und iX5, weitere Modelle sollen folgen. Nach Darstellung von Mertl profitieren davon nicht nur Elektroautos, sondern auch Verbrenner.
Quelle: BMW – Pressemitteilung / Automobilwoche – BMW-Krise in China: Jetzt werden Stellen gestrichen








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