VW-Umfrage: Mehrheit möchte E-Fahrzeuge

VW-Umfrage: Mehrheit möchte E-Fahrzeuge
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Felix Katz
Felix Katz
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Mehr als die Hälfte der Europäer, die in den kommenden zwölf Monaten ein Auto kaufen wollen, planen die Anschaffung eines elektrifizierten Fahrzeugs – dies hat eine aktuelle Umfrage im Auftrag von Volkswagen ergeben. Dabei wurden mehr als 7500 Menschen in fünf Ländern befragt.

Weniger ausgeben und bewusster leben, um nicht groß verzichten zu müssen – das sei laut VW das Motto der Europäerinnen und Europäer in Zeiten von Energiekrise und Inflation. Dabei schränke sich jede dritte Person auch bei der Mobilität ein und wolle weniger Auto fahren. Gleichzeitig bleibe die individuelle Mobilität essenziell und der eigene Pkw wichtig. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die von der Unternehmensberatung „mm customer strategy“ erhoben wurde. Mit Unterstützung von Volkswagen hat das Beratungsunternehmen mehr als 7500 Menschen in den fünf Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien befragt.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Europäerinnen und Europäer, die sich in den nächsten zwölf Monaten ein Auto anschaffen wollen, würden die Anschaffung eines elektrifizierten Autos planen – also eines Plug-in-Hybrids (PHEV; 36 Prozent) mit Benzin- und Batteriemotor oder eines vollelektrisch angetriebenen Autos (BEV; 17 Prozent). Im Ländervergleich sei das Interesse an elektrifizierten Autos in Deutschland noch etwas höher (54 Prozent). 32 Prozent der Deutschen mit Kaufabsicht planen die Anschaffung eines Plug-in-Hybriden, 22 Prozent den Erwerb eines reinen Elektroautos.

VW-Umfrage: Mehrheit möchte E-Autos
Bild: Volkswagen

VW möchte ab 2033 nur noch Elektroautos anbieten

Damit bestätige sich: Die E-Mobilität ist mehrheitsfähig – und das nahezu unabhängig vom Einkommen. Natürlich darf man nicht vergessen, dass die Umfrage von einem Autohersteller in Auftrag gegeben wurde und deshalb auch kritisch hinterfragt werden darf. Die Ergebnisse überschneiden sich aber mit etlichen anderen Befragungen. Die Umfrage zeigt auch: 30 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen in Deutschland stellen 45 Prozent der BEV-Interessenten. Gründe seien die höhere finanzielle Leistungsfähigkeit, aber auch die häufig bessere Infrastruktur fürs Laden zu Hause. Um die vorhandene Nachfrage in allen Einkommensschichten zu bedienen, setze VW auf eine große Palette an Elektromodellen in verschiedenen Fahrzeugklassen.

Vom Einstiegs-E-Auto mit Zielpreis von unter 25.000 Euro bis zum neuen Flaggschiff ID.7 werde in den kommenden Jahren in jedem Segment das passende Angebot verfügbar sein. „Die Mehrheit steht der E-Mobilität aufgeschlossen gegenüber“, sagt Imelda Labbé, Vorständin für Vertrieb, Marketing und After Sales der Marke Volkswagen. „Wir Autohersteller sind gefordert, noch mehr Auswahl für unterschiedliche Kundenwünsche zu bieten. VW beschleunigt seinen Kurs mit zehn neuen E-Modellen bis 2026. So tragen wir dazu bei, das Grundbedürfnis nach Mobilität zu erfüllen.“ So möchte Volkswagen zur begehrenswertesten Marke für nachhaltige Mobilität werden und setze deshalb nach eigenen Angaben ab spätestens 2033 in Europa ausschließlich auf reine Elektromodelle.

Die Umfrage soll auch zeigen, dass sich die aktuellen Krisen nur in Teilen auf die individuelle Mobilität der Menschen auswirken. Weniger mit dem Auto fahren wollen laut der Erhebung 39 Prozent der europäischen Autobesitzerinnen und -besitzer. 34 Prozent fahren vorausschauender und sind damit sparsamer unterwegs. Wichtigster Grund dafür seien die hohen Kraftstoffkosten. Geld sparen in Zeiten der Energiekrise sei auch in anderen Bereichen angesagt: In der europäischen Gesamtbetrachtung gebe es in zahlreichen Bereichen Verhaltensanpassungen. Gespart werde beim Heizen (43 Prozent), bei Anschaffungen (42 Prozent) sowie bei Strom und Warmwasser (jeweils 41 Prozent). Auch auf Autofahrten werde mehr verzichtet. Im Ländervergleich liege dieser Wert in Großbritannien mit 46 Prozent am höchsten, in Deutschland mit 33 Prozent am niedrigsten.

VW-Umfrage: Mehrheit möchte E-Autos
Bild: Volkswagen

Die Zahl der zugelassenen E-Autos steigt

98 Prozent der Befragten gaben laut der Umfrage an, dass sie die Anzahl der Autos im eigenen Haushalt in den kommenden zwölf Monaten halten oder sogar erhöhen wollen. Nur ein Prozent der Autobesitzerinnen und -besitzer schaffe ihr Auto ab, obwohl sie es lieber behalten würde. Diese Aussage finde sich in sehr ähnlichen Ausprägungen in allen Einkommensschichten und verdeutliche, dass die individuelle Mobilität in Europa weiterhin wichtig bleibt. Die Ergebnisse zeige auch, dass E-Mobilität auch außerhalb der Ballungsräume vorankommt. Fast die Hälfte (45 Prozent) der befragten BEV-Fahrerinnen und -Fahrer lebe in Kleinstädten mit weniger als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sowie in Landgemeinden.

In Deutschland soll Nordrhein-Westfalen so etwas wie die E-Hochburg sein: Hier waren am 1. Oktober 2022 im populationsstärksten Bundesland laut Kraftfahrt-Bundesamt über 180.000 reine Elektroautos angemeldet. Dies entspricht 1,7 Prozent aller Personenkraftwagen. Den prozentual größten Anteil von BEVs am gesamten Fahrzeugbestand sollen Hamburg und Hessen aufweisen (jeweils 2,1 Prozent). Die bundesweite Entwicklung sei im Hinblick auf die Mobilitätswende vielversprechend: Im Jahr 2022 lag der Anteil an Neuzulassungen von elektrifizierten Fahrzeugen in Deutschland bei 31,4 Prozent. 362.093 neu zugelassene Plug-in-Hybride bildeten einen Anteil von 13,7 Prozent – eine Steigerung von 11,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bei den BEVs lag die Zahl der Neuzulassungen bei 470.559 – das entspricht einem Anteil von 17,7 Prozent und damit beachtlichen 32,2 Prozent mehr als im Jahr 2021. Mit aktuell mehr als 840.000 reinen E-Autos auf deutschen Straßen nähert sich der Bestand der Schallmauer von einer Million Fahrzeugen. Für das Jahr 2030 rechnen Analysten mit rund elf Millionen BEVs auf deutschen Straßen – dies entspräche knapp einem Viertel des aktuellen Gesamtbestandes an Pkw.

Volkswagen beschleunigt unterdessen seinen E-Kurs: Mit der Markenstrategie Accelerate werde der laufende Transformationsprozess des Unternehmens zum software- und datengetriebenen Anbieter nachhaltiger Mobilität vorangetrieben. Bis 2030 soll der Anteil reiner Elektroautos am Absatz in Europa auf über 70 Prozent steigen. Für die repräsentative Meinungsumfrage zur Mobilität in Zeiten der Energiekrise wurden vom 28. Oktober bis 10. November 2022 insgesamt 7.518 Menschen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien befragt. Zu diesem Zeitpunkt, im Oktober 2022, lag die Inflation in der Europäischen Union bei 11,5 Prozent.

Quellen: Zfk – E-Mobilität ist mehrheitsfähig – laut VW / Volkswagen – Pressemitteilung vom 07.03.2023 

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Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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