EU-Politik könnte Europa bei E-Autos zum Nachzügler degradieren

EU-Politik könnte Europa bei E-Autos zum Nachzügler degradieren
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Der weltweite Markt für Elektromobilität entwickelt sich genauso rasant wie frühere Technologiesprünge in der Photovoltaik. Das zeigt eine neue Datenrecherche von Greenpeace (Link zum PDF). Sie beschreibt mit Hilfe gängiger statistischer Modelle die wahrscheinliche weitere Entwicklung. Bis Ende des Jahres 2035 wächst der E-Auto-Anteil am Weltmarkt demnach auf 75 Prozent, in China sogar auf 89 Prozent. In der EU hingegen würde das zuletzt auch politisch gebremste Wachstum der E-Mobilität bis 2035 gemäß der Modelle zu einem unterdurchschnittlichen Marktanteil von 71 Prozent führen, so die Umweltorganisation in einer aktuellen Mitteilung.

„Die E-Mobilität wächst nicht linear, sondern exponentiell. Jetzt gerade entwickelt dieser Wandel seine stärkste Wucht“, sagt Lena Donat, Mobilitätsexpertin bei Greenpeace, die davor warnt, dieses Momentum links liegen zu lassen: „Die Bundesregierung darf nicht zulassen, dass die deutschen Hersteller als Nokias der Autobranche enden. Sie muss die weltweite Dynamik anerkennen und mit starken Steueranreizen das Tempo beim Umstieg auf Elektromobilität weiter anziehen.“

Wie die Politik die Geschwindigkeit des Elektroauto-Hochlaufs steuern kann, zeigt der Blick nach Norwegen. Dort verlangsamte sich der Verkauf von E-Autos in den Jahren 2016 und 2017 ähnlich wie 2024/25 in der EU. Mit einem verlässlichen politischen Rahmen beim Besteuern und Fördern von E-Autos beschleunigte sich der Absatz wieder derart, dass bereits im vergangenen Jahr 96 Prozent aller dort verkauften Neuwagen rein elektrisch fuhren.

Folgte die EU dem Beispiel Norwegens ab dem Jahr 2018, könnten bereits 2034 alle Neuwagen elektrisch sein. Dadurch ließen sich bis zum Jahr 2050 etwa 500 Milliarden Liter Kraftstoff sparen. Diese Menge entspricht dem aktuellen Spritbedarf aller Pkw in Deutschland über einen Zeitraum von elf Jahren.

„Millionen Menschen zahlen jetzt mit jeder Tankquittung den Preis für eine auf Öl ausgerichtete Verkehrspolitik. Elektromobilität bietet einen Ausweg aus dieser Sackgasse“, so Donat über die aktuellen Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Spritpreise. „Die Elektromobilität wächst weltweit rasant, wird aber in Europa gebremst. Jetzt ist der Zeitpunkt für die Bundesregierung, Elektromobilität konsequent zu fördern und uns aus der fossilen Falle zu befreien.“

Quelle: Greenpeace – Pressemitteilung vom 17.03.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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