Die Spritpreise haben angesichts des Irankriegs zum ersten Mal seit Jahren wieder die Schwelle von 2 Euro übersprungen. Mehrere Verbände sehen darin einen erneuten Beleg, dass die gefährliche Abhängigkeit von fossilen Energien überwunden werden muss. Die Bundesregierung müsse jetzt umsteuern, fordert etwa die Bundesvorsitzende des Verkehrsclubs VCD, Christiane Rohleder. Die Zukunft müsse den Erneuerbaren und der Elektromobilität gehören.
„Die explodierenden Spritpreise zeigen, dass die Abhängigkeit von Öl und Gas nicht nur ein Problem für das Klima ist, sondern auch für den Geldbeutel. Die Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen an der Zapfsäule gerade die Zeche für die deutsche Energieabhängigkeit“, sagt Rohleder. „Diese Abhängigkeit kann nur reduziert werden, wenn wir in Deutschland unsere eigene Energie erneuerbar erzeugen. Wir müssen konsequent Richtung E-Mobilität und auch Alternativen zum Auto umsteuern.“
Es sei zudem grundfalsch, dass es die Bundesregierung Eigenheimbesitzern schwerer mache, Solarenergie zu produzieren, und die Regelungen zu emissionsfreien Fahrzeugen ab 2035 aufweichen will, kritisiert Rohleder. „Das verschärft die Abhängigkeit, statt sie zu reduzieren.“
Elektroautos schonen nicht nur Klima und Umwelt, sondern sind bei den Kosten den Verbrennern zumindest ebenbürtig, in vielen Szenarien über eine längere Nutzungsdauer hinweg auch schon günstiger. Weil sie nicht von Spritpreisen abhängig sind, sind ihre Kosten auch besser kalkulierbar. Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, fordert kluge Anreize, um die Kostenvorteile weiter zu steigern: „Eine CO2-basierte Zulassungssteuer ist das Mittel der Wahl. Das sollte die Bundesregierung schnell umsetzen. Sie würde damit auch das anstehende Klimaschutzprogramm voranbringen.“
Ein Blick ins europäische Ausland zeige eindrucksvoll, wie eine solches Instrument die Elektromobilität andernorts zum neuen Normal werden lässt, so Müller-Görnert: „In Norwegen sind nahezu alle Neuwagen Stromer, in Dänemark über 80 Prozent. Deutschland hinkt hinterher – und wird von den Benzinkosten umso stärker getroffen. Das müssen wir ändern.“
Als kurzfristige Lösung, um die hohen Diesel- und Benzinpreise abzufedern, haben der ADAC und andere Stimmen aus Wirtschaft und Politik eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe unter dem Schlagwort Tankrabatt ins Spiel gebracht. Greenpeace-Verkehrsexpertin Lena Donat allerdings hält diese Maßnahme für grundfalsch: „Ein Tankrabatt wäre ein Bärendienst, denn er spielt in die Taschen der Ölkonzerne, fördert mit Steuergeldern dicke Spritschleudern und verstärkt die fossile Abhängigkeit. Steigende Spritpreise werden zur Kostenfalle und zeigen schmerzhaft, wie unsicher und teuer fossile Energien sind.“
Als Lösung dieses Problems und zum Abbau der fossilen Abhängigkeit führt der Umweltverband „kleine E-Autos“ auf, „die mit Sonne und Wind fahren, sowie energieeffiziente Verkehrsmittel wie Fahrrad, Bus und Bahn“. Um Menschen mit geringem Einkommen kurzfristig zu entlasten, sollte ein vergünstigtes Deutschlandticket Sozial eingeführt werden. Für Menschen auf dem Land wäre ein Zuschuss zum E-Auto-Leasing wichtig, so Greenpeace. „So könnte die Bundesregierung den Weg zur Unabhängigkeit von Öl- und Gasimporten ebnen.“
„Tankrabatt wäre ein teurer Fehler und falsche Priorität der Bundesregierung“
Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), bezeichnet einen Tankrabatt als keine zielführende Lösung: „Der Irankrieg birgt bei einer weiteren Eskalation erhebliche Risiken für die deutsche Wirtschaft. Steigende Energiepreise könnten die Produktionskosten erhöhen und über höhere Verbraucherpreise auch die Haushalte spürbar belasten. Eine solche Entwicklung hätte das Potenzial, die ohnehin fragile wirtschaftliche Erholung in Deutschland auszubremsen“, so Fratzscher.
„Ein Tankrabatt zur Abfederung höherer Spritpreise wäre allerdings ein teurer Fehler und eine falsche Entscheidung der Bundesregierung“, sagt der DIW-Präsident. Zwar könne die Bundesregierung die internationalen Preisentwicklungen nicht verhindern, sie könne jedoch die sozialen Folgen abfedern. Entscheidend sei dabei eine möglichst zielgenaue Entlastung der besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen: „Vorrangig sollten Haushalte mit niedrigen Einkommen unterstützt werden“, findet Fratzscher. „Eine mögliche Maßnahme wäre etwa eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob eine Übergewinnsteuer eingeführt werden kann, um außergewöhnliche Krisengewinne etwa im Mineralölsektor abzuschöpfen und möglichen Missbrauch in angespannten Marktsituationen zu bekämpfen.“
Auch der Bundesverband Neue Mobilität (BNM) sieht in der fossilen Abhängigkeit ein wachsendes Problem der aktuellen Energiepolitik. Während die Elektrifizierung von Verkehr und Wärme in der Praxis immer besser funktioniert, setzt die politische Debatte aus Sicht des Verbands noch zu häufig auf kurzfristige Lösungen im fossilen Energiesystem.
Investitionen in neue fossile Kraftwerkskapazitäten oder langfristige Importabhängigkeiten bei Energieträgern würden strukturelle Risiken verlängern, statt sie abzubauen. Aus Sicht des BNM sollte der politische Fokus stärker auf dem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, leistungsfähigen Stromnetzen, Batteriespeichern und einer strategisch geplanten Ladeinfrastruktur liegen.
BNM-Vorstandsmitglied Mazlum Yaylaci erklärt: „Deutschland steht vor einer grundlegenden energiepolitischen Entscheidung: Wollen wir Mobilität und Energieversorgung zunehmend auf heimische, erneuerbare Quellen stützen – oder weiterhin stark von volatilen fossilen Weltmärkten abhängig bleiben? Die Elektromobilität zeigt längst, dass sie im Alltag funktioniert und zuverlässig skaliert. Jetzt ist es an der Politik, die richtigen Prioritäten zu setzen.“
Quelle: VCD – Pressemitteilung vom 10.03.2026 / Greenpeace – Pressemitteilung vom 05.03.2026 / DIW – Pressemitteilung vom 05.03.2026 / BNM – Pressemitteilung vom 09.03.2026








Wird geladen...