Xpeng will in Europa wachsen, und zwar deutlich. Auf rund 23.000 verkaufte Neuwagen im vergangenen Jahr soll in diesem Jahr mindestens die doppelte Zahl folgen. Das erklärte Vizechef Brian Gu vergangene Woche in London, wo er vor einem kleinen Kreis von Journalist:innen über die Europastrategie des chinesischen Automobilherstellers sprach. Neue Modelle und die Expansion in weitere Märkte sollen das Wachstum tragen.
Eng damit verbunden ist die Frage nach der Produktion. Xpeng lässt seine für Europa bestimmten Autos derzeit beim österreichischen Auftragsfertiger Magna in Graz bauen. Die Partnerschaft laufe „sehr gut“, so Gu, und ließe sich noch ausbauen. Gleichzeitig prüfe das Unternehmen weitere Standorte auf dem Kontinent, sowohl auf der grünen Wiese als auch durch die Übernahme bestehender Werke. Konkrete Entscheidungen nannte Gu nicht.
Besonders aufmerksam wurde verfolgt, was Gu zu einem Bericht der „Financial Times“ zu sagen hatte. Das Blatt hatte Mitte Mai berichtet, Xpeng verhandle über den Kauf eines Volkswagen-Werks in Europa. Ins Gespräch gebracht hatte das Elvis Cheng, Xpengs Nordosteuropachef, auf einem Kongress der Zeitung. Gu distanzierte sich in London von dieser Aussage: „Ich weiß nicht, woher er diese Information hat. Ich würde nicht sagen, dass das zutrifft.“ Auch VW-Chef Oliver Blume hatte erklärt, es gebe keine derartigen Gespräche mit chinesischen Herstellern.
Kooperation soll über China hinauswachsen
Volkswagen hält fünf Prozent an Xpeng und nutzt für neue Modelle in China eine Xpeng-Plattform. Gu zufolge war er zuletzt direkt mit Blume und VW-China-Chef Ralf Brandstätter im Austausch. Xpeng sei „sehr offen“, die Zusammenarbeit künftig auch auf Märkte außerhalb Chinas auszuweiten. „Wir würden unsere Technologie gern in größerem Maßstab im Einsatz sehen“, sagte Gu. Einen privilegierten Zugang bei Volkswagen leite man aus der Beteiligung aber nicht ab; bei der Suche nach Produktionskapazitäten wolle man sich nicht auf einen einzigen Partner festlegen. „Wann immer jemand etwas zu zeigen oder zu verkaufen hat, kommt er auf uns zu“, so Gu. Preis und Lage seien dabei die entscheidenden Kriterien.
Xpeng versteht sich nach eigener Darstellung weniger als klassischer Automobilhersteller denn als Technologieunternehmen. Neben Elektroautos arbeitet das 2014 gegründete Unternehmen an humanoiden Robotern und Flugtaxis. In Europa will man sich von anderen chinesischen Anbietern abheben: Anders als viele Marktbegleiter gehe es nicht darum, Volumen zu steigern, sagte Gu. Das Ziel sei der Aufbau einer Premiummarke.
Chinesische Hersteller suchen Fuß in Europa
Xpeng ist damit Teil einer breiteren Entwicklung. Nissan und der chinesische Hersteller Chery haben vereinbart, ab dem kommenden Jahr gemeinsam im britischen Werk Sunderland Modelle für den lokalen Markt zu fertigen. BYD baut seine erste europäische Fabrik in Ungarn, kämpft dort aber mit Verzögerungen. Die Produktion, ursprünglich für Ende 2025 geplant, soll nun Ende 2026 anlaufen. Pläne für ein zweites Werk in der Türkei wurden vorerst aufgegeben, stattdessen werde ein anderer europäischer Standort gesucht.
Ob Magna Xpengs Bedarf dauerhaft allein decken kann, hängt davon ab, wie schnell das Wachstum tatsächlich einsetzt. Gu ließ offen, wann und wo eine Entscheidung über zusätzliche Produktionskapazitäten fallen könnte. Klar ist nur: Optionen gebe es, und man beobachte den Markt aktiv. „Wenn es zu teuer ist oder der Standort schlecht liegt, sortieren wir das sofort aus.“
Quelle: Manager-Magazin – Poker um ein VW-Werk? Xpeng rudert zurück









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