Die Debatte um die künftige Ausrichtung von Volkswagen hat neuen Schwung erhalten. Hintergrund sind Berichte über ein weitreichendes Sparprogramm, mit dem Vorstandschef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz die Kosten des Konzerns bis 2028 um 20 Prozent senken wollen. Nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens soll das Vorhaben alle Marken betreffen und über bisherige Effizienzmaßnahmen hinausgehen. In diesem Zusammenhang war auch von möglichen Werksschließungen die Rede.
Die Arbeitnehmervertretung reagierte umgehend. Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo wies entsprechende Spekulationen entschieden zurück. Im Intranet des Konzerns ordnete der Betriebsrat die Berichterstattung als „eher eine Zustandsbeschreibung der längst laufenden Effizienzprogramme“ ein. Cavallo stellte klar: „Mit uns wird es keine Werksschließungen geben.“ Zugleich räumte sie ein, dass sich der Autobauer weiterhin in einer anspruchsvollen wirtschaftlichen Situation befinde.
Dezember-Kompromiss bildet Grundlage für Sanierungsprogramm
Bereits Ende 2024 hatten sich Unternehmensleitung und Gewerkschaft nach intensiven Verhandlungen auf einen sogenannten Dezember-Kompromiss verständigt. Diese Vereinbarung bildet den Rahmen für ein umfassendes Sanierungsprogramm. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und gleichzeitig soziale Härten zu vermeiden. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen wurden darin ausdrücklich ausgeschlossen. Cavallo verwies darauf, dass mit dieser Einigung „alles in die Wege geleitet“ worden sei, um die Lage des Konzerns zu stabilisieren und die Folgen für die Belegschaft sozialverträglich zu gestalten.
Auch die IG Metall beruft sich auf diese Abmachung. Der niedersächsische Bezirksleiter Thorsten Gröger betonte, die Vereinbarung beinhalte „den klaren Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2030“. Vor diesem Hintergrund stellten sich die aktuell diskutierten Fragen für die Gewerkschaft nicht. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter sind die Spielräume durch die getroffenen Regelungen klar definiert.
Gleichzeitig sieht das Sanierungspaket einen deutlichen Personalabbau vor. Bis 2030 sollen in Deutschland 35.000 Stellen entfallen. Dieser Abbau soll allerdings ohne Zwangskündigungen erfolgen. Geplant ist, die Reduzierung vor allem über Altersteilzeit, Vorruhestandsmodelle und Abfindungsprogramme umzusetzen. Damit verfolgt der Konzern das Ziel, Kosten zu senken, ohne bestehende Zusagen gegenüber der Belegschaft zu brechen.
Parallel zur Diskussion über Einsparungen sorgt eine andere Entwicklung für Spannungen. Auslöser ist ein unerwartet starker Anstieg des Netto-Cashflows, einer zentralen Kennzahl für die finanzielle Steuerung und Grundlage für Bonuszahlungen im Top-Management. Die Unternehmensführung führte den positiven Ausschlag auf einen „Team-Erfolg“ bei der intensiven Kostenarbeit zum Jahresende 2025 zurück.
Betriebsrat fordert Anerkennungsprämie für Tarifbeschäftigte
Vor diesem Hintergrund fordert der Gesamtbetriebsrat eine Sonderzahlung für die Tarifbeschäftigten. Cavallo argumentiert, wenn alle gemeinsam in Fragen der Kostendisziplin so erfolgreich gewesen seien, dass sich der Netto-Cashflow entsprechend verbessere, dann sei „eine Anerkennungsprämie nur fair“. Diese solle für alle Haustarifbeschäftigten gelten, einschließlich der Standorte in Sachsen.
Die Forderung steht im Zusammenhang mit der Tarifvereinbarung vom Dezember 2024. Darin wurde festgelegt, dass der Tarifbonus für die Beschäftigten diesmal nur als Vorauszahlung im November ausgezahlt wird. Die sonst übliche zweite Tranche im Mai entfällt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschäftszahlen sieht der Betriebsrat nun Spielraum für eine zusätzliche Zahlung.
Damit treffen zwei Dynamiken aufeinander: Einerseits verfolgt der Vorstand einen ambitionierten Sparkurs, um die Ertragskraft des Konzerns langfristig zu sichern. Andererseits pochen Arbeitnehmervertreter auf die Einhaltung bestehender Zusagen und eine Beteiligung der Belegschaft an finanziellen Erfolgen. Wie sich diese Interessen in den kommenden Monaten austarieren lassen, dürfte maßgeblich für die weitere Entwicklung des Unternehmens sein.
Quelle: Manager Magazin – „Mit uns wird es keine Werksschließungen geben“ / IG Metall – Gesamtbetriebsrat: Verhandlungen mit Vorstand über Sonderzahlung








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