VW-Chef Schäfer: Polemik um das „Verbrenner-Aus“ ist nicht hilfreich

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Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 3 min

Auch Diskussionen über eine mögliche Abkehr des sogenannten „Verbrenner-Verbots“ 2035 ändern nichts am Ziel des Ausstiegs vom Verbrennungsmotor zugunsten der Elektromobilität, ist Volkswagen-Markenchef Thomas Schäfer überzeugt. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung sagte er: „Das ist eine große Transformation, und die verläuft eben nicht linear.“ Derzeit würden lediglich „hohe Strompreis und ein Rückgang bei der staatlichen Förderung temporär für eine Renaissance der Verbrenner-Antriebsformen“ sorgen.

Ob die bisherige Entscheidung der EU gekippt wird, dass ab 2035 neu zugelassene Fahrzeuge kein CO2 mehr ausstoßen dürfen, sei gar nicht die relevante Frage, stellte Schäfer dabei fest. „Und ich finde die Polemik rund um das Verbrenner-Aus nicht hilfreich. Ganz ehrlich: Der eigentliche Punkt ist doch, wie wir die Mobilitätswende schaffen und damit, die CO2-Emissionen im Verkehrssektor deutlich zu reduzieren, auf die wir alle – Politik, Industrie und Gesellschaft – uns verpflichtet haben„, sagte er.

Eine Mitschuld an der aktuellen deutschen Elektromobilitäts-Krise gibt Schäfer dabei auch der Politik. Förderungen für die Elektromobilität müssten eine Verbindlichkeit aufweisen und dürften nicht – wie im Dezember geschehen – von einem Tag auf den anderen einfach abgebrochen werden. „Wenn der Umstieg auf die E-Mobilität gelingen soll, brauchen wir Verlässlichkeit. Da muss jeder seinen Beitrag leisten. Dazu gehört auch die Politik – in welcher Form auch immer“, sagte Schäfer, der Norwegen als Positivbeispiel für E-Auto-freundliche Politik nennt. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist aus seiner Sicht dabei besonders wichtig – inklusive Projekten wie der Installation von Laternenladepunkten.

Keine Angst vor den Chinesen

Wichtig für die Akzeptanz sei die Verfügbarkeit von mehr günstigen Elektroautos, was derzeit aber noch an den teuren Batterien scheitere. „Mit der Umstellung auf kostengünstigere Batterien und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen können wir das verbessern„, ist Schäfer überzeugt. Voraussichtlich mit dem VW ID.2all will der Konzern auf eine selbst produzierte Einheitszelle setzen und damit Kosten einsparen.

Die Befürchtung, dass die Chinesen früher oder später den Markt mit günstigen E-Autos fluten und die etablierten Hersteller verdrängen werden, teile Schäfer indes nicht. „Dass diese irgendwann nach Europa drängen würden, war klar. Aber das auch nachhaltig zu schaffen, ist nochmals ein Riesenschritt“, erklärte er im Gespräch mit der NZZ. Sich auf dem europäischen Markt zu behaupten, sei ein Kraftakt. Und auf jeden Fall sei eine Produktion in Europa für den Erfolg notwendig. Denn vor allem bei kleinen Elektroautos werde der Vorteil durch niedrigere Löhne in der Produktion vom Transport nach Europa plus Zölle wieder aufgefressen.

Von den vorgesehenen Strafzöllen ist der VW-Manager allerdings überhaupt nicht überzeugt, er sagt dazu: „Wände hochzuziehen, ist keine Lösung. Wir brauchen den freien und fairen Handel. Wir müssen aus eigener Kraft fähig sein, in Europa starke und wirtschaftliche Produkte herzustellen.“ Zudem sei der chinesische Markt auch eine Chance für die europäischen Hersteller. Für das autonome Fahren sieht Schäfer indes vor allem für Autobahnfahrten große anstehende Entwicklungssprünge, im komplexen städtischen Verkehr werde man diese Technik in Europa aber seiner Ansicht nach noch länger nicht im großen Stil erleben.

Quelle: Neue Zürcher Zeitung – „VW-Markenchef Thomas Schäfer: Einfach aus China heraus zu chinesischen Preisen nach Europa zu exportieren – das wird nicht funktionieren“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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pionierska:

Vorangestellt sei gesagt, dass ich für Ihren Kommentar bewusst nicht den Daumen gehoben habe auf Grund der nachstehenden Zeilen (momentan zwei likes).

Meine bisherigen Erfahrungen aus Threads mit einem in Ihren Kommentar zweimal benannten Foristen lassen mich auf wenig konziliante und objektive Diskussionskultur mit arrogantem Unterton schliessen.

Von daher vermute ich, dass Sie mit Ihren Fragen einen Nerv treffen: nämlich abweichende Meinungen ohne Diskreditierung auszuhalten und darauf sachlich einzugehen. Mal sehen ob es am Ende mehr gesenkte Daumen werden.

Sagt ein NZZ Abonnent, dem auch nicht jeder dort publizierte Kommentar gefällt aber gerade deshalb davon profitiert. Es erweitert den geistigen Horizont.

Smartino:

„Frank Schäfer im Gespräch mit der NZZ.“

Zitate aus dem obigen Artikel „Erneuerbare Energien stellen neuen Halbjahresrekord auf“
Zitat Frank 2: „Im übrigen ist die NZZ bei ihrer Berichterstattung über die D Energiepolitik nicht die beste Quelle die man zitieren sollte“
Zitat Captain Ahab: „Das Problem mit der NZZ ist, dass dort oft Leute zum Wort kommen, die behaupten, dass die Energiewende ohne Kernkraft nicht möglich sei.“
Zitat egon_meier: „nzz ist nicht unbedingt (freundlich formuliert) eine hochwertige Quelle“

Sind das alles BILD – Leser? Haben sie je eine NZZ aus weniger als zwei Metern Distanz gesehen oder gar gelesen?
Oder kennen sie die NZZ (Neue Zürcher Zeitung) schlicht nicht?
Es spricht für die Qualität einer Zeitung, dass sie Vielfalt zulässt und auch Leute mit anderer Meinung zu Wort kommen können!
Oder wollt ihr Zustände wie in autoritären Staaten? China, Russland u.s.w? Einheitsbrei, Einheitsmeinung, Zensur?
Im Gegensatz zu egon_meier finde ich die NZZ eine der hochwertigsten und anspruchsvollsten Zeitungen im deutschsprachigen Raum.

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