Volvo und Polestar fordern Festhalten am Verbrennerverbot

Volvo und Polestar fordern Festhalten am Verbrennerverbot
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Laura Horst
Laura Horst
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Die beiden schwedisch-chinesischen Autohersteller und Geely-Schwestermarken Volvo und Polestar fordern die EU auf, am Verbrennerverbot ab 2035 festzuhalten. Gleichzeitig warnen die Unternehmen davor, dass andere Länder, insbesondere China, die Führung bei der Mobilitätswende übernehmen werden, wenn Europa diese aufschiebt.

Die Europäische Kommission peilt zum Stichtag am 10. Dezember an, eine Entscheidung zum geplanten Verbrennerverbot bzw. zu möglichen Änderungen mitzuteilen. In der Zwischenzeit hat Deutschland den Druck auf die Kommission erhöht, das Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Europäischen Kommission, in einem Brief auf, die Herstellung neuer Hybrid- und Verbrennungsmotoren über das Jahr 2035 hinaus zuzulassen. Laut Merz will die deutsche Regierung das Klima „technologieoffen“ schützen.

Volvo und Polestar hingegen fordern ein Festhalten an dem Datum, das vor drei Jahren festgelegt wurde – und auf das Volvo und Polestar seitdem auch hinarbeiten. Gegenüber dem Guardian bezeichneten die Chefs der beiden Marken Deutschlands Forderung als einen verzweifelten Versuch, die Risse in der deutschen Automobilindustrie zu übertünchen. Gleichzeitig warnen sie davor, dass man dadurch nicht nur die Einführung von Elektroautos verzögere, sondern auch China einen Vorteil verschaffe.

Chinesischer Konkurrenz direkt begegnen

„Wenn Europa bei dieser Transformation nicht die Führung übernimmt, können Sie sicher sein, dass andere Länder dies für uns tun werden“, erklärte Michael Lohscheller, Geschäftsführer der zu Geely gehörenden Marke Polestar, die Elektroautos und Hybride herstellt. Lohscheller habe versucht, an dem Strategischen Dialog der EU zur Zukunft der Automobilindustrie teilzunehmen, sei aber zurückgewiesen worden. „Ich habe zweimal geschrieben, ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir auf den zweiten Brief eine Antwort erhalten haben“, sagte er.

„Ich sehe keinen Sinn darin, das Tempo zu drosseln“, merkte Håkan Samuelsson, Vorstandsvorsitzender von Volvo Cars, an. Volkswagen und BMW „können machen, was sie wollen“, aber durch eine Verzögerung der Elektrifizierung vergrößere Europa nur den Abstand zu China. Die chinesischen Hersteller könne man seiner Ansicht nach nicht durch Zölle fernhalten, denn sie würden Fabriken in EU-Märkten mit niedrigen Arbeitskosten bauen. „Man muss ihnen einfach direkt begegnen und mit ihnen konkurrieren“, so Samuelsson.

Kritik für Merz‘ Forderungen äußerten auch die Grünen. Laut Michael Bloss, Berichterstatter der Grünen im EU-Parlament, würden diese die EU-Gesetzgebung „vollständig aushöhlen“ und „dem Verbrennungsmotor praktisch einen Freifahrtschein geben“. Die Grünen wie auch die beiden Autobauer sind der Meinung, eine Verlängerung für Verbrenner und Hybride signalisiere den Kunden, sie müssten keine Elektroautos kaufen. Dadurch bestätige man zugleich die Lobbyargumente der Automobilindustrie.

Aufschiebung könnte Arbeitsplätze gefährden

Lohscheller, der an den ursprünglichen Gesprächen um das Verbrennerverbot beteiligt war, warnte davor, dass die Chinesen „nicht innehalten“ und die Führung übernehmen werden. „Wenn Brüssel dieses Ziel aussetzt und sagt: ‚Haltet inne, wir geben euch weitere fünf Jahre Zeit‘, dann gefährden sie damit tatsächlich Hunderttausende von Arbeitsplätzen“, äußerte der Polestar-Chef.

Der gebürtige Deutsche warnte zudem, dass Deutschland schnell lernen müsse, sich anzupassen. „In Deutschland ist es so offensichtlich, dass jeder die Vergangenheit verteidigen will, dass niemand etwas ändern will, sondern nur das verteidigt, was man hat“, erklärte er. Die EU müsse die Elektrifizierung weiter vorantreiben, denn sie sei die Zukunft, ergänzte Loscheller.

Elektrifizierung muss beschleunigt werden

Volvo-Chef Samuelsson erklärte, dass mit vollelektrischen Modellen wie dem EX60, der kurz vor der Markteinführung steht, Reichweiten von bis zu 600 Kilometer möglich sind. Andere Hersteller trumpfen bereits mit mehr als 700 Kilometern auf. Somit sei eines der drei großen Probleme der Verbraucher in Hinblick auf Elektroautos bereits gelöst. Die Ladezeit müsse von 20 auf 15 Minuten verringert werden, was in Zukunft laut Samuelsson „kein Problem“ sei. Das sei „die gleiche Zeit, die ein Fahrer für eine biologische Pause braucht“. Der dritte Punkt ist der Preis der Elektroautos.

„Wenn wir in der Automobilindustrie diese drei Punkte erfüllen, wird sich die Verbreitung von Elektroautos meiner Meinung nach beschleunigen. Ich sehe daher heute wirklich keinen Grund, daran zu zweifeln, dass 2035 zu früh ist“, äußerte der Volvo-CEO. In Hinblick auf die Klimaziele seien technische Innovationen erforderlich, reden allein reiche nicht.

„Die Elektrifizierung wird das Problem lösen. Sie ist gut für das Klima. Sie ist wirklich wichtig. Sie ist auch gut für die Kunden. Sie ist eine er wenigen umweltfreundlichen Innovationen, die auch die Kunden lieben werden“, sagte Samuelsson.

Quelle: The Guardian – ‘The Chinese will not pause’: Volvo and Polestar bosses urge EU to stick to 2035 petrol car ban

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