Volvo setzt auf Plug-in-Hybride und bidirektionales Laden

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Volvo | Symbolbild

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volvo Cars hat im Jahr 2024 einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen in Europa verzeichnet. Insgesamt wurden in der Region 369.685 Autos verkauft, was einem Wachstum von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, wie aus offiziellen Zahlen hervorgeht. Besonders gefragt waren Modelle mit elektrifiziertem Antrieb, die 65 Prozent aller verkauften Autos ausmachten. Der Anteil vollelektrischer Modelle lag dabei bei 36 Prozent. Der Rest entfiel auf Plug-in-Hybride (PHEV).

In Deutschland erreichte Volvo einen Marktanteil von 2,2 Prozent und positionierte sich als eine der erfolgreichsten Importmarken. Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg war die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden. Dabei wurde der XC60 zum meistverkauften Plug-in-Hybrid des Jahres 2024 gekürt.

Volvo: „Wir haben auf die veränderte Marktlage schnell reagiert“

Herrik van der Gaag, Geschäftsführer von Volvo Car Germany, betonte gegenüber Elektroauto-News und anderen Medienvertretern bei einer Presseveranstaltung, die Flexibilität der Marke: „Wir haben auf die veränderte Marktlage schnell reagiert und können mit unserem Portfolio sowohl Kunden bedienen, die bereits vollelektrisch fahren wollen, als auch diejenigen, die noch auf Plug-in-Hybride setzen.“

Die Strategie von Volvo setzt auf eine Kombination aus reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden. Diese Strategie zahlte sich insbesondere nach dem Wegfall der BAFA-Förderung im Dezember 2023 aus. Während einige Hersteller mit Absatzrückgängen zu kämpfen hatten, konnte Volvo seine Position ausbauen. Auch in anderen europäischen Märkten stiegen die Verkaufszahlen deutlich.

Künftig blickt Volvo mit Konzernmutter Geely im Hintergrund auf eine gute Ausgangslage. Denn Volvo kann auf die Plattformen von Geely zurückgreifen, um die Entwicklung neuer Plug-in-Hybrid-Modelle weiter voranzutreiben. Der Geely Galaxy L7, der als Teil der New Energy Vehicle (NEV)-Reihe vor Kurzem in China eingeführt wurde, bietet mit zwei Batterieoptionen eine kombinierte Reichweite von bis zu 1370 km. Davon bis zu 115 km rein elektrisch (CLTC). Eine ähnliche Strategie könnte auch für Volvo in Europa denkbar sein.

Bidirektionales Laden schon heute möglich. Wenn da die Bundesregierung nicht wäre

Neben den Verkaufszahlen stehen auch technologische Neuerungen im Fokus. Das Unternehmen plant, das bidirektionale Laden schrittweise einzuführen. In Schweden ist diese Technologie bereits nutzbar, in Deutschland hingegen fehlt noch die regulatorische Grundlage.

Michael Schweitzer, Head of Communications von Volvo Car Deutschland, erklärte: „Wenn die Bundesregierung endlich entscheidet, dass eine Autobatterie [gemeint ist wohl eher „Netzspeicher“; d. Red.] auch Räder haben darf, können wir loslegen.“ Das Konzept ermöglicht es, den gespeicherten Strom gezielt ins Hausnetz einzuspeisen oder in Spitzenzeiten zu nutzen. Laut Schweitzer wäre es möglich, durch intelligentes Laden bis zu 2000 Euro pro Jahr einzusparen, der sich damit auf eine Studie von Patrick Vollmuth und Adrian Ostermann aus dem Oktober 2024 bezieht.

Auch die Produktion wird angepasst: Der EX30 wird ab der zweiten Jahreshälfte nicht mehr nur in China, sondern auch in Europa gefertigt. Dieser Schritt soll Lieferwege verkürzen, die europäische Nachfrage noch besser bedienen und Strafzölle für aus China importierte E-Autos umgehen. Zudem kündigt Volvo für Anfang März die Vorstellung eines neuen Modells an. Mit dem ES90 wird die Palette vollelektrischer Autos weiter ausgebaut.

Herrik van der Gaag betonte zudem, dass Volvo weiterhin ein ausgewogenes Angebot zwischen Elektroautos und Plug-in-Hybriden anbieten wird. Besonders in Deutschland zeige sich, dass viele Kunden bisher nicht bereit seien, den vollen Schritt zur Elektromobilität zu gehen. Stattdessen würden (Plug-in-) Hybridmodelle eine Übergangslösung darstellen. Dennoch sei der langfristige Kurs klar: „Wir elektrifizieren weiter und bereiten uns auf die Zukunft vor.“

Quelle: Volvo – Pressemitteilung | Disclaimer: Volvo hat zum Kennenlernen des Volvo EX90 nach Hamburg eingeladen und hierfür die Reisekosten übernommen.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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Niko8888:

Sobald die Dienstwagen Förderung von PHEVS endet, fallen die Verkaufszahlen ins bodenlose, weil zwei Antriebe auf Dauer zu teuer sind.

Rolando:

Hä? Habe ich was verpasst? Verbietet die Bundesregierung die Nutzung meiner Autobatterie als Netzspeicher?
Viel wichtiger: wieviel KWH erlaubt Volvo denn rauszuziehen. Bei VW sind es nur 10000KWh und dann wird abgeregelt bzw. die Garantie erlischt. Das erreicht man locker in 5 Jahren.

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