Die Lage auf dem Arbeitsmarkt der Automobilindustrie wird zunehmend angespannter. Nun zieht auch Volvo die Personalbremse an: Der schwedische Automobilhersteller in chinesischer Geely-Hand verhängt weltweit einen Einstellungsstopp für Büroarbeitsplätze und will zugleich die externen Ausgaben stärker begrenzen. Darüber berichtet die Automobilwoche unter Berufung auf ein internes Schreiben des Unternehmens.
Demnach werden externe Einstellungen für sogenannte White-Collar-Stellen vorerst gestoppt. Auch bei internen Neubesetzungen, externen Arbeitskräften und eingekauften Dienstleistungen soll Volvo restriktiver vorgehen. Ausgenommen sind unter anderem Bereiche wie Produktion, Einkauf und Logistik. Weltweit beschäftigt Volvo rund 20.000 Mitarbeiter in Büro- und Verwaltungsfunktionen.
Hintergrund ist der wachsende Kostendruck. Vor allem in wichtigen Märkten wie China und den USA läuft das Geschäft schwieriger. Volvo hatte bereits zuvor ein umfangreiches Sparprogramm aufgelegt und rund 3000 Stellen gestrichen, überwiegend im Bürobereich. Das entsprach etwa 15 Prozent der entsprechenden Belegschaft. Nun folgt mit dem Einstellungsstopp der nächste Schritt, um die Kosten im Griff zu behalten.
Zahlreiche neue Modelle angekündigt
Dabei stehen eigentlich große Investitionen in neue Modelle bevor. Erst Mitte September hatte Volvo eine umfangreiche Produktoffensive angekündigt. Bis 2030 sollen 13 neue, regional zugeschnittene elektrifizierte Modelle auf den Markt kommen. Für westliche Märkte plant das Unternehmen sieben Neuheiten, für China sechs. Gleichzeitig soll die Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mutterkonzern Geely enger werden, um Entwicklung und Komponenten stärker gemeinsam zu nutzen und Kosten zu senken. Volvo strebt langfristig eine operative Marge von mehr als acht Prozent an.
Der Einstellungsstopp bei Volvo reiht sich damit in eine Entwicklung ein, die inzwischen weite Teile der Automobilindustrie erfasst. Neue Stellen entstehen zwar weiterhin – insbesondere in Bereichen wie Software, Batterieentwicklung oder künstlicher Intelligenz –, gleichzeitig werden in klassischen und administrativen Bereichen vielerorts deutlich mehr Arbeitsplätze gestrichen oder nicht neu besetzt.
Deutsche Hersteller reduzieren Stellen
Besonders deutlich zeigt sich das derzeit bei Volkswagen. Der Konzern befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Umbau mit Zehntausenden wegfallenden Stellen weltweit. Auch BMW will nach Reuters-Informationen rund 8000 Arbeitsplätze in Deutschland reduzieren. Mercedes-Benz versucht, seine Personalkosten in Deutschland ebenfalls deutlich zu senken.
Volvo selbst will zwar keine Fabriken schließen und setzt mit seiner neuen Modelloffensive ausdrücklich weiterhin auf Wachstum. Der Einstellungsstopp zeigt jedoch, dass Wachstum insgesamt nicht automatisch auch Wachstum bei der Belegschaft bedeutet. Effizienzsteigerungen, gemeinsame Plattformen, eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb großer Konzernverbünde und zunehmend auch Automatisierung sollen den Personalbedarf begrenzen.
Dass die Entwicklung nicht überall gleich verläuft, zeigt Tesla. Im Werk Grünheide bei Berlin setzt der US-Hersteller derzeit andere Signale. Ende September kündigte Tesla eine erneute Lohnerhöhung um bis zu fünf Prozent an. Zudem sucht das Unternehmen weiterhin Personal für den Standort.
Quelle: Automobilwoche – Volvo verhängt weltweiten Einstellungsstopp









Wird geladen...