Während bei mehreren deutschen Automobilherstellern derzeit Stellenabbau, Sparprogramme und teilweise sogar die Zukunft einzelner Werke diskutiert werden, sendet Tesla aus Grünheide ein deutlich anderes Signal. Der US-amerikanische Elektroautohersteller erhöht die Gehälter in seinem einzigen europäischen Werk erneut und sucht zugleich zusätzliches Personal.
Wie Zeit online mit Material der Deutschen Presseagentur berichtet, sollen die Entgelte in der Gigafactory Berlin-Brandenburg zum 1. Oktober im Durchschnitt um vier bis fünf Prozent steigen. Beschäftigte in der Produktion erhalten demnach fünf Prozent mehr, Facharbeiter vier Prozent sowie zusätzlich einen leistungsbezogenen Bonus. Tesla hatte die Gehälter bereits zum Dezember 2025 um vier Prozent angehoben.
Nach Angaben des Unternehmens liegt das Einstiegsgehalt in der Produktion inzwischen bei rund 45.750 Euro pro Jahr. Tesla verweist darauf, dass die Entgelte seit dem Produktionsstart im März 2022 jedes Jahr angehoben worden seien. Einen Tarifvertrag lehnt das Unternehmen allerdings weiterhin ab. Die IG Metall sieht deshalb trotz der Gehaltserhöhung erheblichen Nachholbedarf und argumentiert unter anderem mit fehlendem Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Tesla braucht zusätzliche Mitarbeiter
Interessant ist die Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund der derzeitigen Lage der deutschen Automobilindustrie. Denn Tesla erhöht nicht nur die Entgelte, sondern baut in Grünheide zugleich die Beschäftigung aus. Die Produktion soll schrittweise auf 7500 Model Y pro Woche steigen. Dafür hatte das Unternehmen insgesamt bis zu 3500 zusätzliche Stellen angekündigt, darunter neue Arbeitsplätze in der Fahrzeug- und Batteriezellfertigung.
Damit steht Grünheide derzeit im deutlichen Kontrast zu mehreren deutschen Herstellern. Volkswagen hat Anfang September einen umfassenden Zukunftsplan beschlossen. Zusätzlich zu bereits vereinbarten Programmen sollen konzernweit rund 50.000 Stellen wegfallen, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Der Konzern betont, den Abbau sozialverträglich gestalten zu wollen.
Medienberichten zufolge stehen bei Volkswagen zudem weitere schwierige Verhandlungen über Stellenabbau und Produktionskapazitäten bevor. Auch Mercedes-Benz will demnach seine Arbeitskosten in Deutschland deutlich reduzieren. Den Berichten nach geht es dort um Einsparungen von rund 800 Millionen Euro, diskutiert werden unter anderem längere Arbeitszeiten ohne zusätzlichen Lohn sowie Einschnitte bei Sonderzahlungen. Auch BMW baut aktuell Stellen ab.
Ein Fingerzeig für Beschäftigte bei VW und Co.?
Für Mitarbeitende der traditionellen Hersteller könnte die gegenläufige Entwicklung in Grünheide daher zumindest ein Fingerzeig sein. Wer bei Volkswagen oder einem anderen Hersteller ohnehin vor der Entscheidung über ein attraktives Abfindungs- oder Vorruhestandsangebot steht, könnte einen Wechsel zu Tesla zumindest als Alternative prüfen – vorausgesetzt Standort, Qualifikation und persönliche Lebensplanung passen zusammen.
Und das zeigt auch, warum ein sozialverträglicher Stellenabbau bei einem Automobilhersteller nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass qualifizierte Beschäftigte der Automobilindustrie verloren gehen. Personal kann sich vielmehr innerhalb der Branche in Richtung jener Unternehmen und Technologien verschieben, bei denen neue Kapazitäten entstehen.
Tesla ist dabei allerdings keineswegs automatisch der bessere Arbeitgeber. Der Konflikt um einen Tarifvertrag, Kritik der IG Metall und Diskussionen über die Arbeitsbedingungen in Grünheide bleiben bestehen. Dennoch bleibt festzuhalten: Während große Teile der deutschen Automobilindustrie Personal reduzieren und Arbeitskosten senken wollen, steht der erfahrene E-Auto-Hersteller Tesla mit seinem zugegebenermaßen noch sehr jungen und sowieso noch nicht voll ausgelasteten Werk bei Berlin vor gegenteiligen Herausforderungen.
Quelle: Zeit online – Tesla erhöht Gehälter in Grünheide um bis zu fünf Prozent








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