Wer in den kommenden Jahren einen Volvo kaufen möchte, soll ein breiteres Angebot vorfinden, das sich an Region und Umstiegsbereitschaft orientiert. Dazu hat Volvo Cars bei seinem Strategie-Update in Stockholm einen Produktplan vorgestellt, der bis Ende 2030 insgesamt 13 neue Autos umfasst. Nach Unternehmensangaben gab es in der 99-jährigen Firmengeschichte noch keine Produktoffensive dieser Größenordnung. Die Modelle erscheinen als vollelektrische Varianten sowie als Hybride der dritten Generation.
Hybride sind dabei für Kund:innen gedacht, die einem reinen Elektroantrieb noch zögerlich gegenüberstehen. Mit den vollelektrischen Modellen will der Automobilhersteller zugleich im wachsenden E-Auto-Segment zusätzliche Interessent:innen ansprechen. Beides zusammen soll helfen, den Marktanteil zu verdoppeln. Hinzu kommen Autos in neuen Segmenten, die das Angebot in Europa, den USA und China verbreitern und die Marke in eine neue Designphase führen.
Von den Modellen sind sieben für westliche Märkte vorgesehen, sechs weitere entstehen eigens für China. „Unsere Showrooms werden 2030 ganz anders aussehen“, so Präsident und CEO Håkan Samuelsson. Der Produktplan sei auf regionale Bedürfnisse zugeschnitten und unterstreiche den Anspruch, die führende Premium-Automarke zu sein.
Parallel dazu soll sich der Weg zum Auto verändern. Angekündigt ist ein Vertriebsmodell, das auf Einfachheit, Transparenz und Präzision setzt. Vorgesehen sind transparente Preise, gebündelte Angebote und Schnelllieferversionen. Regelmäßige Software-Updates über eine Funkverbindung sowie das Care-Angebot als Rundum-Paket sollen die Beziehung zu den Kund:innen zusätzlich stärken.
Wenn Märkte auseinanderdriften, plant Volvo regional
Den Hintergrund beschreibt das Unternehmen selbst: Märkte entkoppeln sich zunehmend durch Technologiebeschränkungen, Handelszölle und unterschiedliche Kundenpräferenzen. Diese Regionalisierung will Volvo Cars zum Wettbewerbsvorteil machen, und zwar sowohl beim Produktangebot als auch im Steuerungsmodell des Unternehmens. Als weitere Stärken nennt Samuelsson die Führungsrolle bei der Elektrifizierung, die Synergien mit Geely und Komplettangebote, die über das Auto hinausgehen.
Die sieben Modelle für westliche Märkte nutzen die Rechenplattform HuginCore und basieren auf den Architekturen SPA2 und SPA3. Da in diese Plattformen bereits investiert wurde, sollen die Ausgaben für Technik und Fertigung gegenüber dem heutigen Niveau sinken. Für viele kommende Modelle rechnet Volvo Cars mit deutlich geringeren Investitionen pro Auto als bei früheren Erstmodellen auf einer neuen Plattform, etwa dem EX60. Wechseln mehr elektrifizierte Modelle auf SPA-Basis oder auf gemeinsame Hybridplattformen, sollen auch die Margen je Auto spürbar steigen.
In China setzt der Hersteller auf die Zusammenarbeit mit Geely. Für die sechs China-spezifischen Modelle sind gemeinsame Plattformen, eine eigene Software-Basis für den chinesischen Markt sowie gemeinsame Teile und Lieferketten vorgesehen. Bei der Beschaffung von Hardware in Europa und China erwartet das Unternehmen weitere Einsparungen. Der Anteil vollständig gemeinsam genutzter Teile soll bis 2030 von derzeit zehn auf rund 30 Prozent steigen, was etwa fünf Prozent Materialkosten einspart, zusätzlich zu indirekten Effekten.
Langfristig soll daraus ein Unternehmen mit einer operativen Marge (EBIT) von mehr als acht Prozent und starken Cashflows entstehen. Ergänzend soll die Verwaltung schlanker werden und die Produktivität entlang der Wertschöpfungskette steigen. „Die Herausforderungen für die Autoindustrie sind immens, aber unsere Strategie gibt eine klare Antwort darauf, wie wir uns darauf einstellen“, so Samuelsson.
Auch an der Unternehmensspitze steht ein Wechsel an. Der Verwaltungsrat hat Klaus Zellmer, zuletzt Vorstandsvorsitzender von Škoda Auto, zum neuen Präsidenten und CEO ernannt. Er soll das Amt spätestens zum 1. Oktober 2027 antreten, Samuelsson sorgt gemeinsam mit dem Verwaltungsrat für einen nahtlosen Übergang. Zellmer bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung aus der Automobilbranche mit. Verwaltungsratschef Eric Li betont: „Seine Erfahrung sowohl aus dem hochwertigen Premiumsegment als auch von Marken mit hohen Stückzahlen passt hervorragend zu Volvo Cars.“
Quelle: Volvo – Pressemitteilung / Volvo – Investorenmitteilung









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