Nach insgesamt rund 13 Jahren als Vorstandschef von Volvo wird Håkan Samuelsson seine Tätigkeit für das Unternehmen im kommenden Jahr beenden. Nun hat er im Interview mit dem Handelsblatt jedoch noch einmal für Aufsehen gesorgt, indem er längere Arbeitszeiten für Europas Autoindustrie fordert.
Samuelssons Nachfolger steht bereits fest: Mit Skoda-Chef Klaus Zellmer übernimmt spätestens zum 1. Oktober 2027 ein weiterer Branchenkenner das Amt. Dabei dürften einige Herausforderungen auf ihn zukommen. Schließlich hält Samuelsson das bisherige globalisierte Geschäftsmodell von Volvo in Zukunft „nicht mehr für tragbar“. Stattdessen müsse man in den kommenden Jahren mehr auf Regionalisierung setzen, also auf große Autos für die USA, Elektrifizierung in Europa und eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern Geely in China.
Dabei verfolgt Volvo aktuell das Ziel von 13 komplett neuen Autos bis Ende 2030. Von diesen sind sieben für westliche Märkte und sechs für China bestimmt. Für diese Neuentwicklungen wird eine eher zurückhaltende Ebit-Marge von acht Prozent angepeilt, welche Samuelsson einerseits mit dem niedrigeren Ausgangsniveau und andererseits mit der Unsicherheit über künftige externe Schocks begründet.
„Europa muss sich zusammenreißen“
Angesprochen auf die deutsche Debatte zur 35-Stunden-Woche und kürzeren Arbeitszeiten antwortet Samuelsson: „Europa muss sich zusammenreißen, Deutschland muss sich zusammenreißen.“ Wenn es jemals eine Zeit für mehr Anstrengungen gegeben hat, dann ist sie jetzt. Auch die Frage, ob man sich die aktuellen Arbeitsbedingungen nicht mehr leisten könnte, quittiert der scheidende Vorstandschef mit einem klaren „Nein.“
Des Weiteren zieht Samuelsson den Vergleich zur früheren Abwanderung der Autoindustrie von Detroit in den Süden der USA. Die aktuelle Situation in Europa habe verblüffende Ähnlichkeiten: Niedrigere Energiekosten, niedrigere Steuern und deutlich günstigere Arbeitsstunden könnten Unternehmen auch heute dazu bewegen, ihre Produktion an andere Standorte zu verlagern.
Detroit hatte damals seinen wirtschaftlichen Kern verloren und später sogar Insolvenz anmelden müssen. Damit die Autoindustrie in Europa kein ähnliches Schicksal erleidet, müssten Samuelsson zufolge vor allem Arbeitskräfte und Energie wieder günstiger werden. Zudem müsse eben auch länger gearbeitet werden und die Industrie müsse „härter an sich selbst arbeiten“, da sie sonst technologisch noch weiter zurückfallen werde.
Volvos Verhältnis zu China und Geely
Auf die Frage hin, ob Europa technologisch nicht bereits von chinesischen Herstellern abgehängt sei, verneint Samuelsson zwar, mahnt aber auch, dass man von den aktuellen Entwicklungen lernen müsse. Volvos Strategie baut dabei klar auf der Zusammenarbeit mit dem chinesischen Mutterkonzern Geely und den gemeinsam entwickelten China-Modellen auf.
Im Gegensatz zu VW und Audi werde man jedoch auch in Zukunft „definitiv keine andere Marke erfinden“ und die Volvos blieben trotz Geely als Plattform eigenständige Autos. Um dies zu untermauern, verweist Samuelsson auch auf Volvos Börsennotierung in Stockholm, die schwedische Regulierung, einen unabhängigen Verwaltungsrat sowie den Hauptsitz und das Entwicklungszentrum in Göteborg.
Quelle: Handelsblatt – Können wir uns diese Arbeitsbedingungen noch leisten? – „Nein“








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