Exklusiv: VW-Konzern: Rochade an der Spitze

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Volkswagen | Martin Sander, Vorstand für Vertrieb, Marketing und After Sales bei Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Während sich der Volkswagen-Konzern mitten in der größten Restrukturierungsphase seiner jüngeren Geschichte befindet, zeichnet sich einem internen Planungsstand zufolge zusätzlich ein möglicher Wechsel an der Vertriebsspitze mehrerer Konzernmarken ab. Vier Namen könnten dabei in einem geschlossenen Kreislauf die Position tauschen, mit Wirkung zum 1. August. Ob der Zeitplan in dieser Form hält, ist offen, im Konzernumfeld ist auch von einem Zeitfenster bis in den Oktober hinein die Rede. Offiziell bestätigt ist die Rochade bislang nicht.

Bei Volkswagen bahnt sich damit eine Neuordnung an, die tief in das Führungsgefüge mehrerer Marken eingreifen würde. Die Planungen wurden dem Hamburger Redaktionskontor „BeHonest“ von Beatrice Bohlig und Henning Krogh unabhängig aus verschiedenen VW-Quellen bestätigt.

Volkswagen: Vier Namen im geschlossenen Kreislauf

Im Zentrum der kolportierten Pläne steht Marco Schubert, der erst zum 31. August 2024 als Vorstand für Vertrieb und Marketing zu Audi zurückgekehrt war, nach seiner Nachfolge auf Hildegard Wortmann. Laut den vorliegenden Informationen könnte Schubert die Marke nun bereits wieder verlassen und als CEO und President der Nordamerika-Region auf Konzernebene bei der Volkswagen AG übernehmen. Für Audi könnte demnach Martin Sander nachrücken, der seit dem 1. Juli 2024 als Vorstand für Vertrieb, Marketing und After Sales bei der Kernmarke Volkswagen tätig ist und zuvor von der Ford Motor Company nach Wolfsburg gewechselt war.

Sanders Posten bei der Marke Volkswagen könnte dann wiederum Martin Jahn übernehmen, der seit März 2021 als Vertriebs- und Marketingvorstand bei Škoda amtiert und zuvor unter anderem Führungsaufgaben bei FAW-Volkswagen in China innehatte. Den freiwerdenden Posten bei Škoda dürfte den Informationen folgend schließlich Martina Biene besetzen, seit 2022 in zweiter Amtszeit Chairperson und Managing Director von Volkswagen Group South Africa, davor unter anderem verantwortlich für die konzernweite Produktlinie Kleinwagen. Wer an die Spitze des Südafrika-Geschäfts nachrücken würde, geht aus den bislang bekannten Planungen nicht hervor.

Zeitliche Nähe zum großen Sparprogramm

Die kolportierte Rochade fällt in eine Phase, in der der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume dem Aufsichtsrat ein umfangreiches Zwölf-Punkte-Paket unter dem Namen Zielbild 2030 vorgelegt hat. Die Maßnahmen sollen die Modellpalette um bis zu 50 Prozent verkleinern, die Ausstattungskomplexität um bis zu 75 Prozent reduzieren und die Werkskapazitäten von einstmals rund zwölf auf künftig etwa neun Millionen Einheiten pro Jahr zurückführen. Berichten von Reuters und dem Magazin Spiegel zufolge, die sich beide auf Aufsichtsratskreise berufen, steht dabei ein Abbau von bis zu 100.000 Stellen im Raum, verbunden mit möglichen Schließungen der Werke Hannover, Emden und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm.

Ob die Personalrochade an der Vertriebsspitze in direktem Zusammenhang mit diesem Sparprogramm steht oder eher eine davon unabhängige, turnusmäßige Neuordnung darstellt, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht abschließend beantworten. Auffällig ist dennoch die zeitliche Nähe: Beide Prozesse verdichten sich in denselben Wochen, in denen der Konzern nach eigener Darstellung seine Strukturen „aus eigener Kraft“ auf die nächste Phase der Transformation ausrichten will. Gerade der Vertrieb in Nordamerika gilt konzernintern als besonders anspruchsvolles Terrain, was die Bedeutung der dortigen Neubesetzung zusätzlich unterstreichen würde, sollte sie sich bestätigen.

Angespannte Stimmung als Hintergrund

Die etwaige Neuaufstellung an der Vertriebsspitze träfe zudem auf ein ohnehin angespanntes Klima im Konzern. Vor der jüngsten Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg hatten nach Angaben der IG Metall rund 400 Beschäftigte vor dem Werksgelände demonstriert, die Gewerkschaft mobilisierte darüber hinaus an rund zwanzig deutschen Standorten. Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprach von großer Angst und tiefer Verunsicherung in Werken und Büros, IG-Metall-Chefin Christiane Benner richtete im Vorfeld eine unmissverständliche Warnung an den Vorstand.

Vor diesem Hintergrund dürfte jede weitere personelle Bewegung an der Konzernspitze in den kommenden Wochen genau beobachtet werden. Auf Anfrage erklärte ein VW-Konzernsprecher am späten Mittwochabend Elektroauto-News gegenüber: „Personalspekulationen kommentieren wir nicht“. Eine offizielle Bestätigung der vier Personalien durch Volkswagen, Audi oder Škoda steht damit weiterhin aus.
Quelle: Volkswagen – Interne Mitteilung/ Präsentation

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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