Neckarsulm: Audi-Betriebsrat fordert elektrisches Volumenmodell

Neckarsulm: Audi-Betriebsrat fordert elektrisches Volumenmodell
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Aerial view of the Audi site in Neckarsulm

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Deutschlands Automobilindustrie steckt in einem tiefgreifenden Umbau, und kaum ein Standort spürt das derzeit so deutlich wie das Audi-Werk in Neckarsulm. 15.000 Beschäftigte arbeiten dort in einer der modernsten Produktionsstätten des Konzerns, doch mit dem bevorstehenden Auslauf des Audi A8 im Oktober fehlt es an einem klaren Nachfolgeprodukt. Damit steht plötzlich eine Frage im Raum, die bis vor Kurzem kaum jemand für möglich gehalten hätte: die einer Werksschließung.

Einordnung zu dieser Entwicklung liefert Alexander Reinhart, Vorsitzender des Betriebsrats in Neckarsulm. Im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung schildert er, wie die Belegschaft auf die Diskussion reagiert, welche Argumente für den Standort sprechen und welche Rolle die Politik in den kommenden Monaten spielen muss.

Zwischen Zukunftsangst und Zusammenhalt

Die Nachricht über eine mögliche Schließung habe in der Belegschaft tiefe Spuren hinterlassen. „In der Belegschaft treffen wir auf Unverständnis und auf Zukunftsangst“, beschreibt Reinhart die Stimmung. Die Menschen würden sich fragen, warum man ihnen das antue. Gleichzeitig registriert er eine bemerkenswerte Solidarität: Zur Protestkundgebung in der vergangenen Woche kamen Unterstützer aus dem Stammwerk Ingolstadt, aber auch von Standorten konkurrierender Hersteller in der Region. „Die Mannschaft steht zusammen. Das gibt uns Mut“, so Reinhart. Man suche einen konstruktiven Weg nach vorne.

Auf das Argument, eine Schließung der hochmodernen Anlage bedeute enorme Kapitalvernichtung, reagiert Reinhart zurückhaltend. Dieses Argument könne letztlich jeder der aktuell diskutierten Standorte für sich beanspruchen. Er betont, dass eine Lösung für alle vier Audi-Werke gefunden werden müsse, und verweist auf einen entsprechenden Konsens im Konzernbetriebsrat. „Es geht nicht darum, einzelne Standorte gegeneinander auszuspielen“, stellt er klar. Für Neckarsulm selbst führt er konkrete Argumente an: eine der modernsten Klimahöhenkammern des Konzerns, in der Bedingungen wie am Pikes Peak in Colorado oder entlang der Seidenstraße simuliert werden können, sowie die Nähe zum Innovationspark für Künstliche Intelligenz (IPAI) in Heilbronn. Der Standort sei zwar traditionsreich, verfüge inzwischen aber über hochmoderne Strukturen. Das größte Pfund bleibe jedoch die Belegschaft, die sich mit Einsatz für die Marke engagiere.

Angesprochen auf Aussagen aus Politik und Wirtschaft, wonach die Sozialstandards in Deutschland zu hoch und die Gehälter in der Autobranche zu üppig seien, verteidigt Reinhart die bestehenden Arbeitsbedingungen als angemessen. Zugleich räumt er ein, dass Effizienzpotenziale geprüft werden müssten. „Wir müssen ein Zukunftsbild gestalten, und dann gemeinsam den Weg dorthin besprechen“, sagt er. Zur Frage möglicher Zugeständnisse für Standortzusagen bleibt er vage: Auf Arbeitnehmerseite sei angekommen, dass die Branche vor einem grundlegenden Umbau stehe, doch ohne eine konkrete Zukunftsperspektive lasse sich diese Frage nicht beantworten. Entscheidend sei, wie belastbar ein aufgezeigtes Szenario für die Beschäftigten tatsächlich sei.

Auslaufende Modelle, fehlende Nachfolger

Wie ernst die Lage ist, macht Reinhart an einem zentralen Punkt fest: In der langfristigen Absatzplanung gebe es aktuell keine Nachbelegung für den Standort. Der Audi-Vorstand signalisiere zwar, das Werk nicht schließen zu wollen, doch mit dem Auslauf des A8 im Oktober rückt diese Unsicherheit näher. Derzeit liegt der vereinbarte Betriebspunkt bei 225.000 Fahrzeugen pro Jahr. Mit dem A5 und dem A6 verfüge man über Modelle, die der Fertigung noch Spielraum ließen, ergänzt durch den in den Böllinger Höfen produzierten E-Tron GT. „Wir wollen und brauchen ein elektrisches Volumenmodell hier am Standort“, so Reinhart. Ein reiner Fokus auf Verbrennermodelle wäre angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen nicht zukunftsfähig.

Neben der Konzernebene setzt Reinhart auf den Austausch mit der Landespolitik. Ministerpräsident Cem Özdemir habe das Werk im vergangenen Sommer besucht, Landtagspräsident Thomas Strobl bei der Kundgebung gesprochen. Wichtige Ansprechpartner seien damit bereits eingebunden. Reinhart erwartet von der Politik verlässliche Rahmenbedingungen für eine Schlüsselindustrie, deren Zukunft nicht kurzfristig entschieden werde. „Wir bereiten uns hier nicht auf einen Sprint vor, sondern auf einen Marathon“, fasst er die Lage zusammen.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung – Die Angst der Belegschaft vor der Zukunft

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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