Audi-Werk Neckarsulm: Protest gegen drohende Schließung

Audi-Werk Neckarsulm: Protest gegen drohende Schließung
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Rund 6000 Menschen sind am Mittwochmorgen vor Tor 6 des Audi-Werks in Neckarsulm zusammengekommen. Betriebsrat und IG Metall hatten zu der Kundgebung aufgerufen, nachdem am Standort mit seinen 15.000 Beschäftigten eine mögliche Schließung im Raum steht. Die Entscheidung darüber fällt nach Angaben der Arbeitnehmervertretung nicht vor Ort, sondern in der Volkswagen-Konzernzentrale. „Jeder Tag bringt neue Unsicherheit“, sagte der Neckarsulmer Betriebsratschef Alexander Reinhart bei der Kundgebung.

Ein Tag zuvor hatte bereits BMW einen Abbau von 8000 Stellen im Rahmen eines freiwilligen Programms angekündigt. Beide Fälle verdeutlichen den wachsenden Anpassungsdruck in der deutschen Automobilindustrie, die derzeit mit hohen Kosten, zunehmender Konkurrenz aus China und US-Zöllen zu kämpfen hat. Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat bislang versucht, Werksschließungen zu vermeiden, und stattdessen Alternativen vorgeschlagen.

Dazu zählen Rüstungspartnerschaften sowie die Fertigung chinesischer VW-Modelle an unterausgelasteten deutschen Standorten. IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch bezog sich bei der Kundgebung auf diese Aussage und betonte, es gebe aus Sicht Blumes „intelligentere Lösungen“ als Schließungen.

Produktionskapazität sinkt deutlich

Im Zentrum der Debatte um die Zukunft des Standorts steht die Fertigungskapazität. Neckarsulm produzierte in der Vergangenheit mehr als 300.000 Autos pro Jahr, aktuell liegt die Kapazität bei 225.000 Einheiten. Nach vorliegenden Planungen soll sie künftig auf 150.000 Fahrzeuge sinken. Aus Kreisen des Betriebsrats heißt es, eine solche Reduktion wäre mit Stellenabbau verbunden. Die „Wirtschaftswoche“ bewertete diese Größenordnung als zu gering, um ein Werk auf Dauer wirtschaftlich zu betreiben.

Am Standort werden derzeit die Modelle A5, A6 und A8 gefertigt, zudem entsteht dort in geringer Stückzahl der vollelektrische Audi e-tron GT. Reinhart sieht in der Vergabe eines volumenstarken Elektromodells eine mögliche Perspektive für die Zukunft des Werks. Audi kämpft parallel mit rückläufigen Verkaufszahlen auf dem chinesischen Markt und fehlenden Fertigungskapazitäten in den USA, was die Marke zusätzlich für US-Zölle anfällig macht. Bereits im vergangenen Jahr hatte Audi angekündigt, bis 2029 in Deutschland bis zu 7500 Stellen abzubauen, vor allem in Verwaltung und Entwicklung.

Historische Parallele zu früherer Krise

Vor 51 Jahren stand eine Schließung des Werks bereits einmal zur Debatte. Damals konnte sie unter anderem durch einen Protestmarsch der Beschäftigten von Neckarsulm nach Heilbronn abgewendet werden. Bei der aktuellen Kundgebung wurde dieser Vorgang mehrfach in Erinnerung gerufen, auch von Resch, die die Veranstaltung als vergleichsweise ruhig gegenüber möglichen künftigen Protestformen einordnete.

Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig warnte vor weitreichenden Folgen einer möglichen Werksschließung für die Region Baden-Württemberg, wo neben Audi auch Mercedes-Benz, Porsche und der Zulieferer Bosch unter Druck stehen. „Klarheit ist keine Höflichkeit, Klarheit ist Verantwortung“, sagte Hertwig und betonte, die Stadt sei ohne Audi kaum vorstellbar.

Der Volkswagen-Konzern, zu dem Audi gehört, wird maßgeblich von der Porsche Automobil Holding SE gesteuert. Als weitere bedeutende Anteilseigner treten das Land Niedersachsen und ein Staatsfonds aus Katar auf. Über den Ausgang der Verhandlungen zwischen Volkswagen und den Arbeitnehmervertreter:innen, bei denen auch eine Verdopplung des konzernweiten Stellenabbaus auf 100.000 Positionen diskutiert wird, ist bislang keine Entscheidung gefallen.

Quelle: Reuters – Thousands of Audi workers protest over threatened plant closure / RNZ – Audi-Mitarbeiter fürchten Standort-Aus in Neckarsulm

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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