VW-Krise: Dudenhöffer sieht Stellenabbau kritisch

VW-Krise: Dudenhöffer sieht Stellenabbau kritisch
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen steht vor einem deutlich umfangreicheren Stellenabbau als bislang bekannt. Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer ging im Podcast „Thema des Tages“ der österreichischen Tageszeitung Der Standard auf die bis zu 100.000 Arbeitsplätze ein, die weltweit bei VW wegfallen könnten. Noch vor sechs Monaten war von 50.000 Stellen die Rede gewesen. Diese schnelle Verdopplung wirke, so Dudenhöffer, „wenig vertrauenswürdig, weder bei den Mitarbeitern, noch bei der Gewerkschaft, noch bei den Kunden“. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Kernmarke VW den Abbau von 35.000 Stellen festgelegt, größtenteils über Abfindungsregelungen mit Wirkung bis zum Jahr 2030.

Besonders betroffen sind die niedersächsischen VW-Standorte. Auch Audi kämpft seit dem Dieselskandal mit anhaltenden Absatzproblemen und häufigen Strategiewechseln im Technologiebereich. Vorstandschef Gernot Döllner hat bereits eingeräumt, dass die langfristigen Verkaufsziele nicht erreichbar seien, weshalb Produktionskapazitäten abgebaut werden müssten. Als möglicher Kandidat für eine Werksschließung gilt in diesem Zusammenhang Neckarsulm.

VWs Elektrowerke kämpfen mit schwacher Auslastung

Auch die reinen Elektroauto-Werke in Zwickau und Emden stehen unter Druck. Dudenhöffer betonte dabei ausdrücklich, dass der häufig zu hörende Vorwurf, VW habe die Elektromobilität verschlafen, nicht zutreffe: Beide Werke seien frühzeitig und vollständig auf batterieelektrische Fertigung umgestellt worden. Die Auslastung bleibe dennoch hinter den Erwartungen zurück, weil sich die Elektromobilität langsamer entwickelt habe als ursprünglich angenommen. Dafür sieht der Experte auch politische Ursachen: „Die Autobauer sind erst gejagt worden ins Elektroauto und dann hat man sie hängen lassen.“ Besonders die EU-Kommission in Brüssel treffe hier eine Mitverantwortung, da nach ambitionierten CO2-Vorgaben zuletzt deutliche Kurskorrekturen erfolgt seien.

Vor diesem Hintergrund brachte Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der zugleich einen Aufsichtsratsposten bei VW innehat, einen Vorschlag ein: In China entwickelte Fahrzeuge sollten künftig auch in deutschen Werken gebaut werden, um kostengünstigere Modelle anbieten zu können. Dudenhöffer reagierte darauf zurückhaltend und verwies auf die eigenständige „In China für China“-Strategie des Konzerns mit einem großen Entwicklungszentrum in Hefei. Sollten Fahrzeuge aus chinesischer Entwicklung künftig auch für den europäischen Markt in deutschen Werken produziert werden, wäre nach seiner Einschätzung mit weiterem Stellenabbau im Entwicklungsbereich in Wolfsburg zu rechnen.

Entwicklungstempo als entscheidender Faktor

Als zentralen Vorteil chinesischer Hersteller nennt Dudenhöffer die Entwicklungsgeschwindigkeit. Während in China neue Modelle innerhalb von etwa zwölf Monaten entwickelt würden, dauere dieser Prozess in Deutschland drei bis vier Jahre. „Wenn das so lange dauert, dann ist es auch teuer“, so der Experte, der die Entwicklungskosten hierzulande um rund 50 Prozent höher einschätzt als in China. Auch bei digitalen Funktionen wie autonomem Fahren, bei Infotainmentsystemen sowie bei der Batterietechnologie sieht er chinesische Hersteller im Vorteil.

Er verweist dabei auf Kooperationen von VW mit dem chinesischen Hersteller Xpeng sowie mit dem Halbleiterunternehmen Horizon Robotics. „Das digitale Auto ist in China um Wellenlängen besser als in Europa“, fasste Dudenhöffer zusammen. Auch BMW ist von dieser Entwicklung betroffen: Der Konzern hat kürzlich eine Gewinnwarnung veröffentlicht, da neue Modelle in China gegenüber heimischen Anbietern nicht mehr wettbewerbsfähig seien.

Bei den Marktanteilen zeigt sich laut Dudenhöffer ein deutliches Gefälle. Während in Deutschland aktuell rund 25 Prozent der Neuwagen vollelektrisch und weitere rund 10 Prozent Plug-in-Hybride seien, liege der Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge in China bei etwa 70 Prozent.

Übernahmespekulationen deutlich zurückgewiesen

Mit Blick auf Spekulationen, wonach Volkswagen langfristig von einem chinesischen Hersteller wie BYD übernommen werden könnte, äußerte sich Dudenhöffer unmissverständlich ablehnend. Er bezeichnete derartige Szenarien, die zuvor unter anderem der Ökonom Moritz Schularick gegenüber der Süddeutschen Zeitung skizziert hatte, als unbelegt: „Ohne irgendwelche Hinweise, ohne irgendwelche Facts finde ich das schwach.“ Volkswagen ist zu etwa 20 Prozent im Besitz des Landes Niedersachsen, das zudem über ein Vetorecht verfügt.

Dem Ökonomen Niall Ferguson, der Deutschland eine Unterschätzung der chinesischen Konkurrenz attestiert hatte, widersprach Dudenhöffer ebenfalls. Stattdessen plädierte er für eine engere Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen bei Entwicklung und Produktion: „Je mehr wir mit China zusammenarbeiten, umso besser werden wir.“

Quelle: Der Standard (Youtube) – Stirbt die deutsche Autoindustrie? | Ferdinand Dudenhöffer

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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