US-Zölle: Eine Million Jobs hängen am Export in die USA

US-Zölle: Eine Million Jobs hängen am Export in die USA
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Für die deutsche Autoindustrie haben sich die US-Zölle zu einer handfesten Belastung entwickelt. Porsche büßte allein durch die Abgaben 700 Millionen Euro ein. Der Grund liegt in der Produktionsstruktur: Seine Sportwagen fertigt der Hersteller in Zuffenhausen und damit ausschließlich in Deutschland, jedes für den US-Markt bestimmte Auto muss also exportiert werden. Insgesamt hängen hierzulande knapp eine Million Arbeitsplätze direkt am Export in die Vereinigten Staaten.

Bei Mercedes-Benz wächst die Unsicherheit ebenfalls. Im US-Senat wurde ein Gesetzesvorschlag eingebracht, nach dem vernetzte Produkte von Unternehmen mit mindestens 15 Prozent chinesischen Anteilseignern nicht mehr verkauft werden dürften. Mercedes kommt auf knapp 20 Prozent. Die FAZ geht allerdings davon aus, dass für Unternehmen dieser Art eine Ausnahme gemacht wird. Unabhängig davon plant der Konzern den Abbau von bis zu 6000 Stellen.

Personalvorständin Britta Seeger kündigte an, dass in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr gearbeitet werden müsse. Prozesse sollen beschleunigt, gewachsene Strukturen verschlankt werden, die Arbeitsstunde müsse günstiger werden. Heikel ist das, weil die deutschen Mitarbeitenden eine Beschäftigungsgarantie bis 2034 besitzen. Eine HR-Kommunikationsexpertin bewertet es als schwierig, dass die Entscheidung allein per Videobotschaft der Personalvorständin verkündet wurde. Üblicherweise würden Betriebsrat und Führungskräfte vorab eingebunden, ob das geschehen sei, könne sie allerdings nicht beurteilen.

Der Blick auf die gesamte Branche zeigt, wie groß der Druck auf die Beschäftigung ist. Im vergangenen Jahr fielen in der Autoindustrie rund 50.000 Stellen weg. Bei den Zulieferern ist seit 2019 fast jeder vierte Arbeitsplatz verschwunden.

Wenn Ingenieur:innen plötzlich die Branche wechseln

Ein Teil der Fachkräfte findet neue Aufgaben in anderen Industrien. Bei Erbe Elektromedizin in Tübingen stammt inzwischen fast jede dritte Person aus der Autoindustrie, weil Ingenieur:innen von dort das passende Know-how mitbringen. Beim Rüstungskonzern Thales sind es 20 Prozent der Belegschaft. Eine Recherche des SWR kommt zu dem Schluss, dass Medizintechnik, Rüstung und KI in Baden-Württemberg Beschäftigte aus dem Automobilsektor aufnehmen. Volkswagen diskutiert sogar, Standorte umzurüsten statt zu schließen: Für das Werk in Osnabrück laufen Verhandlungen mit Rheinmetall.

Hinzu kommt die gesamtwirtschaftliche Dimension. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind die deutschen Exporte in die USA im ersten Quartal 2026 um 12,1 Prozent eingebrochen. Das ifo Institut rechnet damit, dass die Zölle das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr um 0,6 Prozent dämpfen. China hat die USA mittlerweile als wichtigsten Handelspartner Deutschlands abgelöst, als Exportmarkt bleiben die Vereinigten Staaten mit knapp zehn Prozent der Ausfuhren dennoch an erster Stelle.

Grundlage der aktuellen Lage ist ein Abkommen, dem die EU-Kommission zugestimmt hatte. Es deckelt die Zölle auf 15 Prozent, verpflichtet Europa im Gegenzug aber zu Käufen von US-Energie für knapp 650 Milliarden Euro, zu garantierten Halbleiterkäufen sowie zu Investitionen von 550 Milliarden Euro in den USA. Laut Spiegel hält sich Washington bei den Sonderzöllen auf Stahl und Aluminium nicht an die Turnberry-Vereinbarung, sie wurden auf Hunderte Produkte wie Landmaschinen oder Kräne ausgeweitet. Das IW Köln beziffert den Schaden auf 1,2 Milliarden Euro.

Papierberge im Mittelstand, Flaute im Hafen

Spürbar wird die Entwicklung im Hamburger Hafen. Die Exporte der Hansestadt in die USA sanken 2025 von 5,6 auf 2,2 Milliarden Euro, ein Minus von fast 60 Prozent. Der Containerumschlag mit den Vereinigten Staaten ging um 25,6 Prozent zurück. Dennoch verkehrten 2025 rund 590.000 Container zwischen Hamburg und den USA, mehr waren es nur auf der Verbindung nach China.

Für mittelständische Betriebe wiegt zudem der bürokratische Aufwand schwer. Bei einem Maschinenbauer arbeitete ein zwölfköpfiges Team rund 4200 Stunden an den Nachweisen für eine einzige Maschine, Herkunftsbelege reichen teils bis zum Rohstahl aus Taiwan. Kleinere Firmen ohne eigene Zollabteilung stoßen dabei an Kapazitätsgrenzen. Zusätzlicher Aufwand entsteht, seit der Supreme Court im Februar 2026 die Notstandszölle kippte und die USA Milliarden zurückzahlen müssen.

Laut der DIHK-Umfrage „Going International“ erwarten 43 Prozent der exportierenden Unternehmen schlechtere Geschäfte, nur 17 Prozent wollen ihre US-Investitionen ausbauen, ein Drittel hat sie auf Eis gelegt. Als Gegenmaßnahmen gelten das Aufteilen von Paketen aus Maschine und Software, da Lizenzen und Wartungsverträge oft zollfrei sind, sowie eine Verteilung strategischer Funktionen auf Standorte in Europa, den USA und Asien. ZF verleiht Fachkräfte vorübergehend an Rolls-Royce. Und BMW exportiert mehr Autos aus den USA in andere Märkte als Ford, Stellantis oder GM.

Quelle: OMR – OMHR Stories: US-Zölle gefährden 1 Mio. Jobs in Deutschland

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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