Bei Mercedes-Benz verschärft sich die Auseinandersetzung um die Kosten an den deutschen Standorten. Auf einer Betriebsversammlung in Stuttgart-Untertürkheim hat die Unternehmensführung ihre Forderung nach Einschnitten bei den Beschäftigten bekräftigt. Wie die Automobilwoche berichtet, machte Konzernchef Ola Källenius dabei deutlich, dass angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage alle Seiten ihren Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit leisten müssten.
Im Mittelpunkt steht weiterhin die Arbeitszeit. Mercedes will die Kosten je Arbeitsstunde in Deutschland reduzieren und fordert dafür eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit ohne entsprechenden Lohnausgleich. Nach Informationen des SWR trafen sich rund 5000 Beschäftigte in der Stuttgarter Schleyerhalle. Mehr als vier Stunden lang diskutierten Management und Belegschaft über mögliche Einsparungen. Konkret steht demnach eine Ausweitung von derzeit 35 auf 38 Stunden pro Woche ohne damit eihergehende Gehaltserhöhung im Raum.
Betriebsrat ist dagegen
Die Arbeitnehmerseite lehnt diesen Weg bislang ab. Michael Häberle, Betriebsratsvorsitzender am Standort Untertürkheim, hatte zuvor sogar eine Diskussion über eine Verkürzung auf 30 Wochenstunden angestoßen. Sein Argument: Angesichts sinkender Produktionsvolumina sei eine pauschale Verlängerung der Arbeitszeit kaum sinnvoll. Zugeständnisse der Beschäftigten müssten zudem mit verbindlichen Investitions-, Produkt- und Standortzusagen verknüpft werden.
Der Konflikt hat zuletzt deutlich an Schärfe gewonnen. Produktionsvorstand Michael Schiebe hatte bereits auf einer Betriebsversammlung in Sindelfingen erklärt, dass bei ausbleibenden Kostensenkungen im schlimmsten Fall ein deutsches Fahrzeugwerk und ein Powertrain-Standort geschlossen werden könnten. Mercedes betont zugleich, grundsätzlich alle deutschen Standorte erhalten zu wollen.
Hinzu kommen mögliche Einschnitte bei Sonderzahlungen. Laut WirtschaftsWoche will Mercedes die Arbeitskosten in Deutschland um bis zu 800 Millionen Euro verringern. Diskutiert werden neben längeren Arbeitszeiten auch Änderungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie bei weiteren Sonderzahlungen. Mercedes selbst hat die genannte Summe bislang nicht bestätigt.
China spielt wesentliche Rolle
Die Forderungen sind Teil eines deutlich größeren Sparprogramms. Mercedes will mit „Next Level Performance“ seine Kosten dauerhaft um mehrere Milliarden Euro reduzieren. Hintergrund sind unter anderem der schwache Absatz und erheblicher Ergebnisdruck, insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Markt.
Dass Mercedes seine deutschen Kostenstrukturen überprüfen muss, ist angesichts des internationalen Wettbewerbs nachvollziehbar. Allerdings lässt sich die derzeitige Situation kaum allein auf hohe Arbeitskosten reduzieren. Auch Produktstrategie, Auslastung der Werke und die schwächere Position in China spielen eine wesentliche Rolle. Eine nachhaltige Lösung dürfte deshalb mehr erfordern als längere Arbeitszeiten: Entscheidend wird sein, ob Mercedes seine deutschen Werke mit wettbewerbsfähigen Produkten und ausreichend Volumen langfristig auslasten kann.
Quelle: Automobilwoche – Mercedes-Betriebsversammlung: „Alle werden ihren Beitrag leisten“









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