Seit Beginn seiner zweiten Amtszeit setzt sich US-Präsident Donald Trump rigoros gegen Klimaschutz ein, wobei ihm insbesondere die Elektromobilität ein Dorn im Auge ist. Vergangene Woche nahm er eine zentrale Klimaschutzvorgabe und mit ihr die strengeren Emissionsvorschriften für Autos zurück. Während Trump sich als Retter der US-amerikanischen Autoindustrie inszeniert, warnen Kritiker davor, dass die USA bei sparsamen Autos und Elektromobilität abgehängt werden könnten.
Erst im Januar waren die Vereinigten Staaten aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten, nun spricht Trump von der „größten Deregulierungsmaßnahme“ in der Geschichte des Landes. Gemeinsam mit dem EPA-Leiter Lee Zeldin erklärte er den im Jahr 2009 durch den damaligen Präsidenten Barack Obama verabschiedeten Rechtsrahmen „Endangerment Finding“ für ungültig.
Der damaligen Regelung zufolge stellen Treibhausgase, basierend auf dem „Clean Air Act“ aus dem Jahr 1970, eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen dar. Das Gesetz erlaubte der Umweltbehörde, Begrenzungen für Schadstoffe in der Luft einzuführen und Qualitätsstandards wie Abgasstandards für Autos einzuführen.
Die Umweltbehörde EPA bezeichnet die Abschaffung des Endangerment Findings in einer Pressemitteilung als „endgültig“ und erklärt zudem die strengeren Emissionsvorschriften für aufgehoben, die für Fahrzeuge und Motoren ab dem Modelljahr 2012 eingeführt worden waren.
„Wiederherstellung des amerikanischen Traums“
Trump nannte die Klimaregelung „katastrophal“ und hatte den Klimaschutz schon zuvor wiederholt als „den größten Betrug weltweit“ bezeichnet. Seiner Ansicht nach hat die Klimaregelung „die amerikanische Autoindustrie schwer geschädigt und die Preise für Amerikaner massiv in die Höhe getrieben“. Die EPA spricht in der Pressemitteilung gar von der „Wiederherstellung des amerikanischen Traums“, für den der erschwingliche Besitz eines Fahrzeugs unerlässlich sei.
Entgegen Trumps Selbstdarstellung als Wohltäter der Automobilbranche, belasten die hohen Importzölle und die eingestellte Elektroautoförderung nicht nur ausländische, sondern auch heimische Autobauer. Die Politik des amtierenden Präsidenten löste bei vielen Herstellern einen Strategiewechsel aus und minderte ihre Bilanzen um etliche Milliarden.
Autohersteller begrüßten Entscheidung
In der jüngsten Vergangenheit hatten sich einige Autohersteller und Branchenverbände über die Emissionsvorschriften geärgert, weil diese zu restriktiv und zu günstig für Elektroautos seien, die jedoch nicht der Verbrauchernachfrage entsprächen. Zahlen von Cox Automotive zeigen hingegen, dass Elektroautos im September vergangenen Jahres, kurz vor Auslaufen der staatlichen Förderung, mit einem Anteil von 10,3 Prozent der Neuwagenverkäufe ihren Höhepunkt erreichten.
Unter den Autoherstellern begrüßten sowohl Stellantis als auch Ford die Entscheidung des Präsidenten und der Umweltbehörde, vor allem, weil sie den Kunden eine freie Wahl ermögliche und den Herstellern erlaube, die Autos anzubieten, die die Kunden „wollen, brauchen und sich leisten können“. In einer Erklärung gegenüber dem Nachrichtensender CNBC erklärte Stellantis, weiterhin einen „rationalen, realisierbaren Ansatz für Kraftstoffverbrauchsstandards“ zu unterstützen, der jedoch die Wahlfreiheit der Kunden bewahre.
„Die Automobilindustrie in Amerika konzentriert sich weiterhin darauf, den Verbrauchern die Auswahl an Fahrzeugen zu erhalten, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu sichern und den langfristigen Weg der Emissionsreduzierung und saubereren Fahrzeuge fortzusetzen“, erklärte der Branchenverband Alliance for Automotive Innovation. Durch die Maßnahme müssten einige unter der vorherigen Regierung erlassenen, „nicht erreichbaren“ Emissionsvorschriften korrigiert werden.
Kurzfristige Entlastung für US-Hersteller
Für die sogenannten Detroit Three – General Motors, Ford und Stellantis – bieten die lockereren Emissionsvorschriften kurzfristig eine Entlastung. Alle drei Automobilhersteller verkaufen jedoch auch außerhalb der USA Fahrzeuge und müssen daher weiterhin die in anderen Märkten geltenden Emissionsvorschriften berücksichtigen.
GM hat im vergangenen Jahr infolge der US-Politik die Elektroauto-Produktion zurückgefahren, was den größten Teil der mehr als sieben Milliarden Dollar (ca. 5,9 Milliarden Euro) an Sonderbelastungen ausmacht. Zudem zahlt der Hersteller Einfuhrzölle für mehrere Modelle, die er aus China importiert. Insgesamt sank der Nettogewinn um 55 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar (ca. 2,3 Milliarden Euro).
In diesem Jahr rechnet GM mit Zollkosten von drei bis vier Milliarden Dollar (ca. 2,5 bis 3,4 Milliarden Euro), dennoch rechnet CEO Mary Barra mit steigenden Gewinnen. Profitieren will der Autobauer unter anderem von einem Programm der Regierung, durch das Autobauer einen Ausgleich der Zollbelastung in Höhe von 3,75 Prozent des gesamten Listenpreises ihrer in den USA produzierten Fahrzeuge geltend machen können. Weitere Hunderte Millionen Dollar werde man einsparen, weil keine Emissionszertifikate mehr hinzugekauft werden müssen, um bundesstaatliche Emissionsvorschriften zu erfüllen.
Strategische Neuausrichtung bei Stellantis
Stellantis richtet sich auf dem US-Markt in Bezug auf die Antriebsoptionen komplett neu aus und legt bis auf eine Range-Extender-Option alle Elektropläne auf Eis. Bereits im zweiten Halbjahr 2025 hat das Unternehmen über 22 Milliarden Euro abgeschrieben, die es mit der strategischen Neuausrichtung begründete.
Der Konzern plant die Einführung neuer Modelle und streicht zugleich Produkte, die keine rentablen Stückzahlen erreichen oder erreichen werden. Stellantis-CEO Antonio Filosa spricht von einer „Überschätzung des Tempos der Energiewende“, wodurch man sich „von den realen Bedürfnissen, Möglichkeiten und Wünschen vieler Autokäufer entfernt“ habe. Daher sieht das Unternehmen allein 14,7 Milliarden Euro für die Neuausrichtung der Produktpläne an die Kundennachfrage und die neuen Emissionsvorgaben vor. Deutlich herabgesetzt wurde zudem die Absatzerwartung für Elektro-Modelle.
Ford kämpft mit hohen Zollkosten
Ford erzielte mit einem Nettoverlust von 11,1 Milliarden Dollar (ca. 9,4 Milliarden Euro) im vierten Quartal das schlechteste Finanzergebnis seit 2008. Für das Gesamtjahr meldete der Hersteller trotz eines Rekordumsatzes von 187,3 Milliarden Dollar (ca. 157,8 Milliarden Euro) und Einsparungen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (ca. 1,3 Milliarden Euro) einen Verlust von 8,2 Milliarden Dollar (ca. 7 Milliarden Euro). Grund dafür waren hauptsächlich Abschreibungen im Elektro-Bereich und Zollkosten in Höhe von zwei Milliarden Dollar. Für 2026 rechnet Ford erneut mit etwa zwei Milliarden Dollar (ca. 1,7 Milliarden Euro) an Zollkosten.
Die Elektro-Sparte Model e verlor im vergangenen Jahr 4,8 Milliarden Dollar (ca. 4,1 Milliarden Euro). Aufgrund der Neuausrichtung der Elektrostrategie rechnet Ford noch einmal mit einer Belastung von rund 20 Milliarden Dollar (ca. 16,9 Milliarden Euro). Im Montagewerk in Tennessee, das sich im Bau befindet, will der Hersteller statt eines Elektro-Pickups der nächsten Generation künftig benzinbetriebene Pickups produzieren.
Durch die Hinwendung zu Verbrennern könnten die Hersteller kurzfristig Absatzerfolge erzielen, langfristig dürften die US-Autobauer durch die technologische Rückwärtsbewegung, weg von der Elektromobilität, jedoch den Anschluss im globalen Wettbewerb verlieren. „Das ist keine Industriepolitik; das ist industrieller Selbstmord“, kommentierte kürzlich die New York Times zur gegenwärtigen US-Politik.
Tesla kritisiert EPA-Entscheidung
In einem Brief an die EPA warnte auch Tesla vor den negativen Auswirkungen durch die Aufhebung der Gefährdungsfeststellung, nicht nur auf die menschliche Gesundheit, sondern auch auf den nordamerikanischen Automobilsektor. Für den Elektroautohersteller stellten die Regelungen eine „stabile regulatorische Plattform für umfangreiche Investitionen in Produktentwicklung und Produktion“ dar.
Die jüngste Entscheidung sorgt zusammen mit den Importzöllen und dem Rütteln an sicher geglaubten Handelsabkommen für große Ungewissheiten bei den Herstellern. Zudem sind Umstrukturierungen, die Einstellung bestehender oder geplanter Modelle oder etwa gekürzte Lieferabrufe oder Stornierungen von Verträgen mit Zulieferern mit hohen Kosten verbunden.
USA könnten von Konkurrenz abgehängt werden
Die Aufgabe von Kraftstoffeffizienzzielen und Elektrofahrzeugen könnte aus Sicht von Forschern und Analysten im Bereich sauberer Verkehr kurzsichtig sein, vor allem angesichts der weltweiten Bemühungen um sauberere Verkehrsmittel. Im Bereich Elektromobilität könnten die US-Autobauer langfristig den globalen Anschluss verlieren, auch weil sie nicht mehr die besten Lösungen anbieten können und stattdessen der Konkurrenz aus China, Japan und Europa noch stärker das Feld überlassen.
„Trotz dieser Art Krieg gegen Elektroautos – Abschaffung der Subventionen, Abschaffung der Vorschriften – denke ich, dass es zu einem Punkt gekommen ist, an dem wir nicht mehr vollständig von Elektrofahrzeugen abrücken werden“, lautete die Einschätzung von Alan Jenn, Professor am Electric Vehicle Research Center der University of California in Davis.
Innerhalb eines Jahrzehnts sei der US-Markt von wenigen Modellen auf etwa 70 Modelle gewachsen. Gleichzeitig seien die Batteriepreise gefallen und viele Produkte seien kommerziell rentabel. Jenn geht davon aus, dass der Elektroautomarkt in den USA weiterwachsen wird, „wenn auch jetzt vielleicht etwas langsamer“.
Quellen: Automobilwoche – Kampagne gegen E-Autos: Was Trumps Politik für die US-Hersteller bedeutet / CNBC – What the EPA’s flip on climate change means for automakers / EPA – Pressemitteilung vom 12.02.2026 / Tagesschau – Trump kippt zentrale Vorgabe für Klimaschutz







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