USA: Mehr Auflagen für geförderte Ladesäulen

USA: Mehr Auflagen für geförderte Ladesäulen
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die US-Regierung will die Vorgaben für staatlich geförderte Ladeinfrastruktur deutlich verschärfen. Das Verkehrsministerium kündigte an, den vorgeschriebenen Anteil amerikanischer Komponenten bei öffentlich finanzierten Ladestationen von bislang 55 Prozent auf bis zu 100 Prozent anheben zu wollen. Zudem sollen die Geräte vollständig in den Vereinigten Staaten produziert werden. Der Vorschlag betrifft das fünf Milliarden Dollar (ca. 4,2 Mrd. Euro) schwere Förderprogramm zum Ausbau eines landesweiten Ladenetzes.

Bereits 2023 hatte die damalige Regierung unter Präsident Joe Biden bestimmte „Buy America“-Vorgaben gelockert, um den Hochlauf der Infrastruktur nicht zu bremsen. Konkret verzichtete die Federal Highway Administration auf strikte Herkunftsanforderungen für Stahl, Eisen und Baumaterialien. Kritiker, vor allem aus dem republikanischen Lager, warnten damals, Steuergelder könnten so indirekt in chinesische Produkte fließen.

Mit der nun angestoßenen Neuausrichtung verfolgt das Verkehrsministerium eine andere Linie, wie Reuters berichtet. Nach Abschluss des Konsultationsverfahrens könnten die bestehenden Ausnahmen beibehalten, angepasst oder vollständig gestrichen werden. Sollte die Verschärfung in Kraft treten, würde sie unmittelbar gelten. Das Ministerium argumentiert, die heimische Industrie verfüge inzwischen über ausreichende Kapazitäten, um Ladegeräte in den USA herzustellen. Gleichzeitig verweist die Behörde auf mögliche Cybersicherheitsrisiken durch ausländische Komponenten.

Verkehrsminister Sean Duffy erklärte, strengere Anforderungen würden „die heimische Produktion stärken, neue amerikanische Arbeitsplätze schaffen, die Wettbewerbsfähigkeit von US-Unternehmen erhöhen und potenzielle nationale Sicherheitsrisiken adressieren“. Damit verbindet die Regierung industriepolitische Ziele mit sicherheitspolitischen Erwägungen.

Kritik von Umweltverbänden und Branche

Umweltverbände bewerten den Schritt hingegen kritisch. Der Sierra Club spricht von einem weiteren Versuch, das Förderprogramm faktisch auszubremsen. Die Organisation warnt, eine deutliche Anhebung der inländischen Wertschöpfung könne die Verwendung der Mittel erschweren und den Ausbau verlangsamen. In einer Stellungnahme heißt es, dies würde „den Ausbau der Ladeinfrastruktur verzögern, die Vereinigten Staaten weiter zurückwerfen und Gemeinden den Zugang zu sauberer, erschwinglicher Mobilität erschweren“.

Auch Branchenvertreter äußern Bedenken. Albert Gore, Geschäftsführer der Zero Emission Transportation Association, beschreibt die Lieferketten für Ladehardware als komplex und auf Diversifizierung angewiesen. Ein sprunghafter Übergang von 55 Prozent auf einen Wert „bis zu 100 Prozent“ sei ein „unangemessener“ Maßstab. Er warnt vor möglichen Störungen in der Beschaffung, steigenden Kosten und Wettbewerbsnachteilen. Eine solche Vorgabe könne Investitionen in US-Produktionsstätten sogar hemmen, obwohl „Buy America“ eigentlich Beschäftigung im Inland fördern solle.

Parallel dazu verfolgt die derzeitige Regierung eine breitere Strategie, die den Absatz von Autos mit Verbrennungsmotor fördern und Anreize für Elektroautos reduzieren soll. Ein im Januar verabschiedetes Haushaltsgesetz sieht zudem vor, 879 Millionen Dollar (ca. 741 Mio. Euro) aus dem ursprünglich für das Ladenetz vorgesehenen Budget anderen Infrastrukturprojekten zuzuweisen.

Vor diesem Hintergrund steht die geplante Verschärfung der Herkunftsanforderungen nicht isoliert, sondern ist Teil einer grundsätzlichen Neujustierung der Verkehrspolitik in den Vereinigten Staaten von Amerika. Während das Ministerium auf industrielle Stärke und Sicherheit verweist, befürchten Kritiker eine Verlangsamung des Ausbaus. Wie stark sich die neuen Vorgaben tatsächlich auf Tempo, Kosten und Verfügbarkeit von Ladestationen auswirken, dürfte sich erst nach Abschluss des formellen Verfahrens und einer möglichen Umsetzung zeigen.

Quelle: Reuters – US proposes boosting ‚Buy America‘ requirements for government-funded EV charging stations / Electrek.co – Trump can’t freeze NEVI funds, so he’s trying to stall them – again

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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