Der schnelle Ausbau der Elektromobilität hat die großen US-Autokonzerne vor erhebliche wirtschaftliche Herausforderungen gestellt. Nach dem frühen Erfolg von Tesla investierten Hersteller wie General Motors und Ford in kurzer Zeit Milliardenbeträge in neue Plattformen, Werke und Batteriekapazitäten. Ziel war es, verlorenen Boden aufzuholen und sich frühzeitig Marktanteile zu sichern. Die nun vorgelegten Zahlen zeigen jedoch, dass diese Strategie auf eine Nachfrage traf, die deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb.
General Motors rechnet für das vierte Quartal mit einer Belastung von rund sechs Milliarden Dollar (ca. 5,1 Mrd. Euro). Diese Summe resultiert aus der Neubewertung der Elektroauto- und Batterieproduktion in Nordamerika. Zusätzlich fallen Abschreibungen von etwa 1,1 Milliarden Dollar (ca. 942 Mio. Euro) im Zuge der Restrukturierung des China-Geschäfts an. Die Maßnahmen wirken sich spürbar auf das Ergebnis aus und markieren einen Kurswechsel bei der Planung der Produktionskapazitäten.
Noch vor wenigen Jahren hatte GM angekündigt, bis 2025 rund 35 Milliarden Dollar (ca. 29,9 Mrd. Euro) in Elektromobilität zu investieren und die jährliche Kapazität auf eine Million Elektroautos auszubauen. Um Skaleneffekte zu erzielen, wurden bestehende Werke für die Fertigung elektrischer Modelle umgerüstet und eine eigene Elektroarchitektur entwickelt. Diese Strategie brachte dem Konzern nach eigenen Angaben ab der zweiten Jahreshälfte 2024 eine starke Marktposition in Nordamerika.
Mit dem Wegfall staatlicher Kaufanreize und der Lockerung von Emissionsvorgaben änderte sich das Marktumfeld jedoch rasch. Die Nachfrage nach Elektroautos schwächte sich ab, was GM zu konkreten Anpassungen zwang. So wurde das Werk in Orion im Bundesstaat Michigan von der Elektroauto-Produktion auf große SUVs und Pickups mit Verbrennungsmotoren umgestellt. Parallel verringerte der Konzern seine Batteriekapazitäten und veräußerte seinen Anteil an einem Zellwerk in Lansing an LG Energy Solution.
Die Entwicklung bei GM steht nicht isoliert. Auch Ford kündigte zuletzt hohe Abschreibungen auf sein Elektroauto-Geschäft an. Nach dem Erfolg von Tesla hatten die etablierten Hersteller besonders auf die Elektrifizierung großer Pickups gesetzt, da diese Modelle in den USA traditionell hohe Stückzahlen erreichen. In der Praxis blieb das Interesse an elektrischen Varianten jedoch begrenzt, selbst bei neuen Modellen wie dem Cybertruck von Tesla.
Hinzu kam eine politische Zäsur. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, die Kaufprämie für Elektroautos in Höhe von 7500 Dollar (ca. 6400 Euro) auslaufen zu lassen, belastete den Markt zusätzlich. Gleichzeitig wurden Energieeffizienz- und Emissionsvorgaben gelockert. Viele Käuferinnen und Käufer entschieden sich daraufhin weiterhin für Autos mit Verbrennungs- oder Hybridantrieb.
Strategische Neubewertung führt zu weiteren Belastungen
Bereits im Herbst leitete GM eine umfassende Überprüfung seiner Elektroauto-Strategie ein. Im dritten Quartal wurden erste Kosten in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar (ca. 1,37 Mrd. Euro) verbucht, nun folgen weitere Abschreibungen. Ein Teil davon entfällt auf nicht zahlungswirksame Wertminderungen, ein anderer auf Vertragsauflösungen und Einigungen mit Zulieferern. Weitere, wenn auch geringere Belastungen könnten 2026 folgen.
Trotz der Einschnitte betont GM, dass die aktuell angebotenen Elektroautos von Chevrolet, GMC und Cadillac weiterhin verfügbar bleiben sollen. Gleichzeitig arbeitet der Konzern an neuen Batteriekonzepten, um künftige Modelle günstiger produzieren zu können.
Quelle: Handelsblatt – Elektroautos bringen GM Milliarden-Abschreibung / Pflichtmitteilung von GM an United States Securities and Exchange Commission (SEC)








Wird geladen...