Warum der Toyota Urban Cruiser mehr Urban als Cruiser ist

Warum der Toyota Urban Cruiser mehr Urban als Cruiser ist
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Wolfgang Plank

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Lange haben sie sich bei Toyota geziert in Sachen Akku pur. Weil sie doch 1997 mit dem Prius den Voll-Hybriden schlechthin erfunden haben und diese Technik mit dem neuen Aygo X nun sogar ins Kleinstwagen-Segment bringen. Erst mit dem SUV bZ4X folgte der erste reine Stromer auf eigener E-Plattform – und wirkte lange wie ein Exot in den eigenen Reihen. Nun aber kommt Schwung in die Elektro-Fraktion. Mit dem Urban Cruiser startet ab sofort ein Vertreter im umkämpften B-Segment, für das kommende Jahr haben die Japaner den C-HR+, den bZ4X Touring und den Hilux angekündigt. Inklusive der fünfköpfigen Proace EV-Familie wird Toyota in Deutschland dann zehn rein elektrische Modelle quer durch alle Fahrzeugklassen anbieten.

Allerdings ist der Urban Cruiser keine reine Toyota-Entwicklung, sondern basiert auf einer gemeinsam mit Suzuki entwickelten Plattform. Der Clou dabei: Das Chassis kommt trotz 2,70 Metern Radstand ohne Querträger im Boden aus, so dass mehr Raum für die Batterie bleibt. Für den nötigen Kollisionsschutz sorgen ein äußerer Rahmen sowie seitliche Halterungen.

Und selbstverständlich gibt’s kantiges Design und dicke Backen. Mit Autos, die nicht wenigstens halbwegs aussehen wie Expeditionsfahrzeuge, ist offensichtlich kein Geschäft mehr zu machen, schon gar kein großes. Das Problem: Für „Urban“ ist das 4,30 Meter lange Teil eigentlich zu wuchtig – und für „Cruiser“ zu hochbeinig.

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Je nach Vorliebe und Einsatzzweck kann man wählen: kleine Batterie (49 kWh) in Kombination mit Frontantrieb (106 kW) und 344 Kilometern Reichweite, große Batterie (61 kWh) mit Frontantrieb (128 kW) und 426 Kilometern – oder große Batterie samt Allradantrieb (135 kW) und 395 Kilometern. Beide Stromspeicher nutzen die Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP), die Vorteile bei Haltbarkeit und Kosten bietet. Toyota garantiert, dass die Batterie bis zu zehn Jahre lang oder bis zu einer Laufleistung von 250.000 Kilometern noch über mindestens 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität verfügt.

Vorne gibt es auskömmlich Platz, wobei die Sitze gerne konturierter sein dürften. Im Cockpit verschmelzen Kombiinstrument (10,25 Zoll) und Multimediadisplay (10,1 Zoll) zu einem schicken Kommandostand im Breitwand-Format. USB-Anschlüsse vorne und hinten sowie eine kabellose Smartphone-Integration unterstützen die Konnektivität an Bord. Gut: Die Klimaanlage lässt sich über traditionelle Schalter bedienen. Schlecht: Für die Sitzheizung muss man zum Touchscreen greifen.

In zweiter Reihe lockt Toyota mit Flexibilität. Die Rückbank lässt sich in Längsrichtung um 16 Zentimeter verschieben – je nach Anforderung an Beinfreiheit oder Laderaum (310 bis 566 Liter). Der Einstieg hinten erfordert etwas Demut vor dem Design der Dachlinie, in Sitzposition jedoch hat man den Kopf ordentlich frei.

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Egal, ob Kraft an einer oder beiden Achsen – der Urban Cruiser sorgt für auskömmlichen Vortrieb. Wobei die erste Version sich agiler fährt, die zweite druckvoller aus den Ecken kommt. Alles eine Frage der Prioritäten. Und ja: Wer öfter mal Schlimmeres als Stöckchen und Steinchen unter die bis zu 19 Zoll großen Räder nehmen muss, ist mit dem zusätzlichen 48-kW-Motor beim Allrad selbstredend besser bedient. Auch wenn der in der hauseigenen Prognose auf gerade mal fünf Prozent Absatzanteil veranschlagt wird.

Den Ingenieuren ist ein angenehmes, weil zu keiner Zeit sänftiges Fahrwerk gelungen. Bei betont schneller Bogenfahrt hilft zudem die präzise Lenkung. Deutliche Abzüge gibt’s allerdings für das doppelt abgeflachte und beinahe schon eckige Lenkrad, dessen Gestaltung sich womöglich dem Designer erschließt, kein bisschen allerdings dem Fahrer. Man fürchtet sich vor dem Tag, an dem die Absolventen der Kreis-Quadratur-Schule Felgen und Reifen entdecken. Immerhin: Erst sehr spät schiebt der Urban Cruiser kontrolliert Richtung Tangente. Knapp 1,9 Tonnen Masse lassen sich nun mal nicht leugnen. Aber Kurvenfraß ist auch nicht die Kernkompetenz eines SUV.

Zumal sich dann trotz Unterbodenverkleidung, variabler Luftklappen und Temperaturmanagement der Akku schnell leert. Mit halbwegs zivilisiertem Fahrstil indes kommt man den Papierwerten einigermaßen nahe. Auch, weil die serienmäßige Wärmepumpe wertvollen Strom spart und die einstellbare Rekuperation tatsächlich fast bis zum Stillstand bremst.

Schwächen zeigt der Urban Cruiser an der Ladesäule. Am Gleichstrom-Lader kann der kleine Akku gerade mal 53 kW ziehen, der große kommt auf 67. Da dauert dann die Füllung von zehn auf 80 Prozent eine Fußball-Halbzeit. An der Wallbox muss man etwa sechs Stunden veranschlagen, an der Steckdose knapp zehn. Der Wagen sei eben eher für den städtischen Einsatz gedacht, heißt es bei Toyota – und weniger für die Langstrecke. Mehr „Urban“ also als „Cruiser“.

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In Sachen Sicherheit ist hingegen alles auf hohem Niveau. Toyotas Jüngster hält Spur, Tempo und Abstand – und zur Not bremst er selbstständig. Auch für Fußgänger und Radfahrer. Zum Schutz gesellt sich jede Menge Komfort. Das Navigationssystem bietet Zugriff auf eine cloudbasierte Routenplanung und natürlich lassen sich Smartphones kabellos einbinden. Und weil im Gesäusel der E-Motoren andere Geräusche von sich hören machen, sorgen dicke Scheiben dafür, dass der störende Lärm da bleibt, wo er hingehört: draußen.

Ab 31.990 Euro öffnen sich die Türen zum Urban Cruiser, mit großer Batterie ist er ab 38.990 Euro zu haben, für die Allrad-Version ruft Toyota ab 44.990 Euro auf. Das ist dann für In-Between auf Rädern doch schon eine ganze Menge Geld.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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