Der Termin stand früh fest: Anfang März ging es von Heidelberg nach Leipzig zum Sungrow Power Connect Day. Die Veranstaltung im Porsche Center Leipzig drehte sich um Energiespeicher, Ladeinfrastruktur und die zunehmende Elektrifizierung von Unternehmen. Für die Anreise bot sich eine passende Gelegenheit, ein Elektroauto näher kennenzulernen, das laut Hersteller genau für solche Strecken konzipiert wurde: den vollelektrischen DS N°8 in der Long Range-Variante mit 180 kW Leistung und Frontantrieb.
Erste Eindrücke hatte ich bereits zuvor bei Fahrten im heimischen Umfeld und bei einzelnen Tagesterminen gesammelt. Die längere Strecke nach Leipzig bot nun die Möglichkeit, diese Erfahrungen unter realen Langstreckenbedingungen zu vertiefen. Die einfache Distanz zwischen meinem Startpunkt nahe Heidelberg und Leipzig beträgt rund 470 Kilometer. Hin- und Rückfahrt sowie weitere Wege vor Ort summierten sich im Testzeitraum schließlich auf fast 1500 Kilometer. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 71 km/h, ein Wert, der den hohen Autobahnanteil gut widerspiegelt. Genau dort sollte sich zeigen, ob das Konzept des französischen Herstellers aufgeht: ein Elektroauto, das weniger auf sportliche Dynamik als auf komfortables Reisen ausgelegt ist.
Der DS N°8 als strategischer Schritt in die elektrische Zukunft der Marke
Der DS N°8 markiert für die Pariser Premiummarke einen zentralen Schritt in der Elektrifizierung. Als erstes Modell wird er ausschließlich mit elektrischem Antrieb angeboten und übernimmt zugleich die Rolle des neuen Flaggschiffs. Damit steht er stellvertretend für die strategische Neuausrichtung von DS Automobiles hin zu einer vollständig elektrischen Modellpalette.

Technisch basiert das Auto auf der STLA-Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns. Die Architektur wurde speziell für Elektroautos entwickelt und ermöglicht unterschiedliche Leistungsstufen sowie Batteriegrößen. In der größten Ausbaustufe sollen laut Hersteller Reichweiten von bis zu 750 Kilometern nach WLTP möglich sein.
Im Fall des DS N°8 positioniert sich die Marke bewusst im oberen Mittelklasse-Segment. Mit einer Länge von 4,82 Metern, einem Radstand von knapp 2,90 Metern und einer aerodynamisch gezeichneten Karosserie ordnet sich das Modell zwischen klassischen Limousinen und SUV-Coupés ein. DS selbst beschreibt das E-Auto als Mischung aus Schräghecklimousine und Crossover – ein Format, das Komfort, Raumangebot und Effizienz miteinander verbinden soll.
Antrieb, Batterie und technische Basis der getesteten Long Range Variante
Die im Test gefahrene Variante nutzt einen Elektromotor mit 180 kW Leistung an der Vorderachse und kombiniert diesen mit der großen Long-Range-Batterie. Diese verfügt über eine Nettokapazität von 97,2 kWh und bildet die technische Basis für die Langstreckenorientierung des Modells. Damit richtet sich das Auto weniger an Käufer:innen, die maximale Beschleunigung suchen, sondern an Fahrer:innen, für die Reichweite, Effizienz und Reisekomfort im Vordergrund stehen.

Beim Start nahe Heidelberg zeigte der Bordcomputer mit vollständig geladener Batterie eine prognostizierte Reichweite von 655 Kilometern an. Dieser Wert ergibt sich aus Normzyklen und bisherigen Fahrprofilen, doch auf der Autobahn relativieren sich solche Angaben meist schnell. Realistisch zeichnete sich auf dieser Strecke eine Reichweite von rund 450 Kilometern ab, vor allem bei konstantem Tempo zwischen 100 und 120 km/h und gelegentlichen Beschleunigungsphasen bis etwa 150 km/h. Gerade bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Energiebedarf deutlich stärker als im gemischten WLTP-Zyklus.

Schon auf den ersten Kilometern wurde deutlich, wie stark der DS N°8 auf Gelassenheit ausgelegt ist. Die Geräuschdämmung wirkt sorgfältig abgestimmt, Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst bei höherem Tempo zurückhaltend. Lange Autobahnetappen verlieren dadurch etwas von ihrer typischen Anstrengung. Das Fahrwerk filtert Unebenheiten souverän aus dem Asphalt, ohne dabei schwammig zu wirken. DS beschreibt diesen Ansatz selbst als „französische Kunst des Reisens“ – im Alltag bedeutet das vor allem, dass Komfort und Ruhe stärker gewichtet werden als sportliche Inszenierung.
Energieverbrauch auf der Autobahn zwischen Effizienz und Fahrprofil
Während der Fahrt nach Leipzig pendelte sich der Energieverbrauch laut Bordcomputer bei durchschnittlich 20,3 kWh pro 100 Kilometer ein. Angesichts des Autobahnanteils und der Außentemperaturen im frühen März liegt dieser Wert in einem vertretbaren Bereich. Gerade auf langen Strecken zeigt sich deutlich, wie stark Fahrstil, Topografie und Geschwindigkeit den Energiebedarf beeinflussen. Entsprechend war die Rekuperation meist deaktiviert. Statt stärker zu verzögern ließ ich das Auto häufig segeln, wenn es die Verkehrssituation zuließ.

Eine Ladepause erfolgte unterwegs an einer Schnellladestation mit nominell 150 kW Leistung. Die Leistung der Säule lag damit nahe an der maximalen Ladeleistung, die DS für den N°8 mit bis zu 160 kW angibt. Wie der Begriff Peakladeleistung bereits nahelegt, wird dieser Wert jedoch nur kurzzeitig erreicht. Der Ladevorgang startete bei einem Batteriestand von 15 Prozent und endete bei 71 Prozent. Insgesamt dauerte er 26 Minuten und 32 Sekunden.
Kurzzeitig erreichte die Ladeleistung einen Peak von 139 kW. Besonders auffällig war jedoch die relativ stabile Ladekurve im mittleren Bereich: Bis etwa 67 Prozent hielt sich die Leistung konstant bei rund 123 kW, bevor sie anschließend stufenweise abfiel. Dieses Verhalten entspricht dem Ansatz, den DS bei der Entwicklung des Batteriemanagements verfolgt hat. Im Bereich zwischen etwa 20 und 55 Prozent soll die Ladeleistung möglichst konstant gehalten werden, um innerhalb kurzer Zeit möglichst viel Reichweite nachladen zu können.

Nach der Ankunft in Leipzig stand der DS N°8 überwiegend an einer 11-kW-Wallbox. Laut Hersteller dauert eine vollständige Ladung hier rund 10 Stunden und 30 Minuten. Mit optionalem 22-kW-Onboard-Lader verkürzt sich dieser Wert auf etwa 5 Stunden und 15 Minuten. Gerade bei Veranstaltungen oder Hotelaufenthalten zeigt sich der praktische Vorteil solcher Ladepunkte. Während Termine stattfinden oder das Auto über Nacht steht, füllt sich die Batterie ohne zusätzliche Wartezeit wieder.
Rückfahrt bestätigt den Eindruck eines komfortorientierten Reiseautos
Auch die Rückfahrt nach Hause bestätigte den Eindruck, dass der Charakter dieses Autos weniger im sportlichen Anspruch liegt als in seiner Langstreckentauglichkeit. Beschleunigung und Leistungsentfaltung zeigen sich gleichmäßig und vorhersehbar. Überholmanöver gelingen ohne Mühe, dennoch bleibt das Gesamtgefühl eher ruhig als dynamisch. Dieser Ansatz passt zu einem Modell, das mit seiner langen Silhouette, dem flachen Dachverlauf und der ausgeprägten Aerodynamik bewusst auf Effizienz ausgelegt wurde. Ein Luftwiderstandsbeiwert von 0,24 gehört in dieser Fahrzeugklasse zu den niedrigeren Werten.




Die Reise nach Leipzig und zurück verdeutlichte damit auch einen grundlegenden Wandel, der sich derzeit im Elektroautomarkt abzeichnet. Während viele Modelle vor allem über Beschleunigungswerte oder maximale Ladeleistung definiert werden, rückt bei einigen Herstellern wieder stärker das eigentliche Nutzungsszenario in den Mittelpunkt: lange Strecken möglichst entspannt zurücklegen zu können.
Der DS N°8 ordnet sich genau in diesem Kontext ein. Statt sportlicher Inszenierung setzt er auf leises Gleiten, stabile Effizienz und eine Fahrwerksabstimmung, die lange Etappen möglichst entspannt macht. Die Strecke von Heidelberg nach Leipzig und zurück lieferte dafür ein passendes Praxisbeispiel. Nach mehr als 1400 gefahrenen Kilometern bleibt vor allem ein Eindruck: Dieses Auto ist weniger ein klassischer Technologieträger der Elektromobilität, sondern eher ein moderner elektrischer Reisebegleiter.
Disclaimer: Der DS N°8 wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für den Zeitraum von zwei Wochen von DS Automobiles zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.








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