MGS6 EV im Fahrbericht: Großes E-SUV mit ruhigem Auftritt

MGS6 EV im Fahrbericht: Großes E-SUV mit ruhigem Auftritt
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Elektroauto-News | MGS6 EV

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 8 min

Der Atlantik zeigt sich an diesem Tag nicht von seiner freundlichen Seite. Über der portugiesischen Küste hängt ein grauer Himmel, immer wieder treibt der Wind feinen Regen über die Straßen nördlich von Lissabon. Die Route führt durch kleine Orte, vorbei an Feldern, Weinbergen und offenen Landschaften. Hinter einer Kuppe folgt eine enge Kurve, kurz darauf eine weitere Abzweigung. Genau in diesem Umfeld zeigt sich schnell, wie sich ein elektrisches SUV im Alltag anfühlt. Der MGS6 EV Luxury AWD bleibt auch auf schmalen, teils nassen Straßen gut berechenbar, ist leise und souverän, aber nie darauf aus, seine Leistung demonstrativ in den Vordergrund zu stellen.

Anfang März hatte MG zum Electric Driving Event nach Portugal geladen. Gefahren wurde der neue MGS6 EV, ein vollelektrisches SUV, das in Deutschland als größtes Modell der elektrischen MG-Familie im C-Segment antreten soll. Die Testfahrt begann in Rio do Prado, wo ich am Abend zuvor den MG4 EV abstellen konnte und das Lager für die Nacht bezog. Von dort aus führte die Fahrt über die Region rund um Óbidos und die Atlantikküste bis nach Silveira, wo es am Nachmittag weiter ging Richtung Lissabon. Die Strecke bot damit genau die Mischung, die für eine erste Einordnung sinnvoll ist: kleine Ortschaften, kurvige Landstraßen, offeneres Küstenland und immer wieder Passagen, auf denen Wind und Wetter zusätzlichen Einfluss nahmen. Dass kein Ladestopp möglich war, änderte an diesem ersten Fahreindruck wenig. Dafür ließ sich der Verbrauch im Fahrbetrieb gut einordnen.

Frontansicht des MGS6 EV

Optisch setzt der MGS6 EV auf eine klare, eher glatte Formensprache. Die Front wirkt modern, ohne besonders verspielt zu sein. Die Lichtsignatur ist markant, die Flächen sind sauber gezeichnet, das Heck wird von einem durchgehenden Lichtband geprägt. MG legt beim neuen Modell viel Wert auf Aerodynamik, der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei 0,27.

Mit 4710 Millimetern Länge, 1912 Millimetern Breite und 1664 Millimetern Höhe bewegt sich der MGS6 EV im oberen Bereich des elektrischen C-SUV-Segments. Der Radstand von 2835 Millimetern sorgt für großzügige Platzverhältnisse im Innenraum. Auch beim Stauraum zeigt sich das Konzept klar alltagstauglich: 674 Liter Gepäckraum stehen bei aufrechter Rückbank zur Verfügung, maximal sind es bis zu 1910 Liter. Ergänzt wird das Ganze durch einen Frunk mit 124 Litern Volumen.

Größe, Raumangebot und Innenraumkonzept des MGS6 EV im Fokus

Dieser alltagstaugliche Eindruck setzt sich im Innenraum fort. Der MGS6 EV ist aufgeräumt, ruhig und deutlich erwachsener als frühere Modelle der Marke. Ein 12,8-Zoll-Touchscreen übernimmt Navigation, Medien und Fahrzeugfunktionen, dahinter sitzt ein 10,25-Zoll-Fahrerdisplay. Erstmals verbaut MG zudem ein Head-up-Display serienmäßig. Im Alltag fällt auf, dass der Innenraum eine erkennbare Nähe zum MGS5 und zum überarbeiteten MG4 EV hat. Das betrifft die Gestaltung der Mittelkonsole ebenso wie die grundsätzliche Bedienlogik.

Von der Seite ist das SUV als solches klar zu erkennen
Heckansicht des Stromers

Softtouch-Flächen, Sitzbezüge in Leder- und Wildlederoptik sowie das große Panorama-Glasdach sorgen für einen wertigen Eindruck. MG bietet den S6 EV in Deutschland ausschließlich in der Ausstattungslinie Luxury an – Unterschieden nach Heck- oder Allradantrieb. Unterschiede ergeben sich im Wesentlichen über die Motorisierung sowie über Außen- und Innenfarben. Weitere Konfigurationsmöglichkeiten gibt es nicht. Eine klassische Basisausstattung oder lange Optionslisten entfallen bewusst.

Fahreindruck zwischen Küstenstraße und Landstraße

Auf der Straße präsentiert sich der getestete MGS6 EV Luxury AWD unaufgeregt. Die Allradversion leistet 266 kW und stellt maximal 540 Newtonmeter Drehmoment bereit. Ergänzend dazu gibt es eine Version mit Hinterradantrieb, die 180 kW leistet und damit etwas effizienter unterwegs ist. Rein auf dem Papier wäre also genug Leistung vorhanden, um deutlich Nachdruck zu erzeugen.

Im Küstenstädtchen gibt er eine gute Figur ab

Im Fahralltag wirkte die Beschleunigung auf der portugiesischen Strecke dennoch eher gelassen. Das lag auch daran, dass der Antrieb nicht konsequent voll abgerufen wurde. Statt Sprintwerten stand bei dieser ersten Ausfahrt die Frage im Mittelpunkt, wie sauber und kontrolliert sich das SUV durch wechselnde Bedingungen bewegen lässt. Genau dabei sammelt der MG Pluspunkte. Er bleibt auch auf nassen Straßen gut beherrschbar, baut die Kraft sauber auf und vermittelt ein sicheres Gefühl. Die Lenkung arbeitet ordentlich, ohne besonders viel Rückmeldung zu liefern. Das passt zum Grundcharakter des Autos, das eher auf entspanntes Reisen als auf Dynamik ausgelegt ist.

Auch von hinten betrachtet

Hinzu kommt ein angenehmer Geräuscheindruck. Gerade auf offeneren Strecken mit kräftigem Seitenwind bleibt es im Innenraum vergleichsweise ruhig. Wind- und Abrollgeräusche drängen sich nicht auf. Der MGS6 EV wirkt deshalb vor allem als Langstreckenauto stimmig. Ganz ohne Kritik bleibt das Fahrwerk aber nicht. Auf gröberen Unebenheiten und bei niedrigerem Tempo reicht es Stöße spürbar weiter, als man es in dieser Klasse vielleicht erwarten würde. Das Auto fährt nicht unkomfortabel, aber es federt kurze Anregungen nicht immer mit letzter Gelassenheit weg. Gerade auf schlechterem Asphalt oder in Ortschaften fällt das auf.

Eindrücke vom Innenraum

Die Rekuperation lief während der Testfahrt überwiegend im adaptiven Modus – One-Pedal–Fahren ist ebenfalls möglich. Das passte gut zur Strecke und zum ruhigen Gesamtcharakter des Autos, weil sich das SUV dadurch gleichmäßig und unauffällig bewegen ließ. Auch der adaptive Tempomat arbeitete im Fahrbetrieb zuverlässig. Neue Tempolimits wurden zügig erkannt und entsprechend umgesetzt. In einzelnen Situationen neigte das System allerdings dazu, etwas stärker abzubremsen, wenn ein mögliches Hindernis erkannt wurde – etwa bei parkenden Autos am Straßenrand. Als Fahrer:in hätte man diese Situationen vermutlich gelassener interpretiert.

Das Infotainmentsystem reagierte während der Testfahrt insgesamt flott und wirkte aufgeräumt. Menüs und Unterpunkte sind logisch strukturiert, sodass Funktionen meist ohne längeres Suchen erreichbar sind. Navigation, Fahrzeugfunktionen und Medien lassen sich damit im Alltag recht intuitiv bedienen.

Verbrauch, Batterie und Ladeleistung des MGS6 EV

Auch bei der Effizienz liefert der erste Eindruck brauchbare Anhaltspunkte. Über etwas mehr als 150 Kilometer lag der gemessene Durchschnittsverbrauch bei 17,4 kWh pro 100 Kilometer, die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 33 km/h. Im Langzeitspeicher des Autos, der diese Werte bereits einschloss, standen 270 Kilometer mit einem Durchschnittsverbrauch von 18,3 kWh pro 100 Kilometer. Für die Allradversion nennt MG offiziell 18,1 kWh pro 100 Kilometer nach WLTP sowie eine Reichweite von bis zu 485 Kilometern. Die eigenen Messwerte ordnen sich damit recht sauber in das ein, was das Datenblatt verspricht.

Geladen werden konnte bei der Veranstaltung zwar nicht, technisch setzt MG beim S6 EV auf eine 77-kWh-Batterie mit NCM-Zellchemie. Diese kombiniert eine vergleichsweise hohe Energiedichte mit ordentlicher Ladeleistung. Beim DC-Schnellladen sind bis zu 144 kW möglich, der Bereich von 10 auf 80 Prozent soll unter optimalen Bedingungen rund 38 Minuten dauern. Länger als andere Modelle in diesem Segment, aber noch akzeptabel. An AC-Ladesäulen sind maximal 11 kW möglich.

Ausstattung, Preis und Marktposition des C-Segment-SUV von MG

Eine kleine Besonderheit zeigt sich beim Head-up-Display. Zwar gehört es zur Serienausstattung und ist im Alltag sinnvoll, Apple CarPlay und Android Auto werden dort jedoch nicht dargestellt. Das ist kein gravierender Mangel, aber ein Detail, das im täglichen Umgang auffallen dürfte. Grundsätzlich ist der technische Umfang des Autos hoch. Dazu zählen unter anderem ein 11-Lautsprecher-Audiosystem, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, Sitzheizung und Sitzlüftung vorn, beheizbare Rücksitze außen, Wärmepumpe, 360-Grad-Kamera und die bekannten MG-Pilot-Assistenzsysteme.

Stauraum im Heck
… und Frunk

Preislich startet der MGS6 EV Luxury in Deutschland bei 49.990 Euro, die AWD-Version liegt bei 53.990 Euro. MG selbst sieht den Hauptmarkt dabei eher im Leasing als im klassischen Kaufgeschäft – die Leasingraten sollen zeitnah kommuniziert werden. Der MGS6 EV ist für die Marke ein weiterer Schritt nach oben. Das passt auch zur Entwicklung von MG in Deutschland. Seit dem Markteintritt 2021 wurden rund 92.000 Autos neu zugelassen, 2025 waren es etwa 26.500 Einheiten. Das entsprach einem Wachstum von rund 26 Prozent bei einem Marktanteil von 0,9 Prozent.

Mit dem S6 EV ergänzt MG das Portfolio nun um ein elektrisches SUV, das weniger über Experimente als über Raum, Ausstattung und Alltagstauglichkeit kommen soll. Genau so fährt es sich auch. Der erste Eindruck aus Portugal zeigt kein besonders emotionales, aber ein stimmiges Gesamtpaket: viel Platz, viel Serienausstattung, ordentliche Effizienz und ein ruhiger Charakter. Das Fahrwerk könnte an manchen Stellen noch feiner abgestimmt sein. Davon abgesehen hinterlässt das elektrische SUV einen sachlichen, soliden Eindruck.


Disclaimer: MG hat zum Kennenlernen des MGS6 EV nach Portugal eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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