Tesla-Chef Musk warnt vor Dominanz chinesischer Autohersteller

Tesla-Chef Musk warnt vor Dominanz chinesischer Autohersteller
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Felix Katz
Felix Katz
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Im vierten Quartal 2023 musste Tesla seine Position als führender Hersteller von Elektroautos nach Verkaufszahlen an BYD abgeben. Die Chinesen punkten insbesondere mit erschwinglicheren Modellen und einer breiteren Produktpalette. Der Wettbewerb zwischen Tesla und aufstrebenden chinesischen Elektroautoherstellern verschärfe sich, da diese Firmen aggressiv auf den globalen Markt drängen, so ein Reuters-Bericht. „Musks Warnung vor den Auswirkungen fehlender Handelsschranken unterstreicht die Notwendigkeit für Tesla und andere internationale Automobilhersteller, sich auf eine zunehmend wettbewerbsintensive Landschaft einzustellen“, heißt es weiter.

Elon Musk hat demnach in einer Telefonkonferenz mit Analysten gesagt, dass chinesische Autofirmen die „wettbewerbsfähigsten“ seien und „außerhalb Chinas großen Erfolg haben werden, je nachdem, welche Art von Zöllen oder Handelsschranken eingeführt werden“. Musk warnte, dass diese Unternehmen, wenn keine Handelsschranken errichtet werden, die meisten anderen Autofirmen weltweit „ziemlich demolieren“ würden, da sie „extrem gut“ seien, so Reuters weiter. Diese Aussage verdeutlicht den wachsenden Druck, dem der US-Marktführer für Elektroautos durch Unternehmen wie BYD ausgesetzt ist.

Zwar hatte Tesla im Gesamtjahr 2023 mit 1,81 Millionen weltweit ausgelieferten Fahrzeugen noch die Spitzenposition inne, doch Branchenkenner prognostizieren, dass BYD langfristig mehr Elektroautos als Tesla verkaufen wird – womöglich schon in diesem Jahr. Ein Einfuhrzoll von 25 Prozent in den USA wirkt als Hürde für chinesische Automobilhersteller und hindert sie aktuell am Marktzugang.

Tesla-Chef Musk warnt vor Dominanz chinesischer Autohersteller
Um mit preiswerten Mitbewerbern konkurrieren zu können, plane Tesla ab Mitte 2025 am Standort Texas die Produktion eines günstigeren kompakten Crossovers für den Massenmarkt | Bild: Tesla

Für mehr Wettbewerbsfähigkeit: Günstiger Crossover in Planung

Das chinesische Außenministerium soll sogar auf die Äußerungen von Musk reagierte haben: Dieses betonte das Engagement für die „Aufrechterhaltung eines fairen, gerechten und offenen Geschäftsumfelds“. Musk hat berechtigten Grund zur Sorge, da Tesla laut einem Bericht der Tagesschau im vierten Quartal des letzten Jahres das niedrigste Umsatzwachstum seit drei Jahren einfuhr – mit einem Anstieg von nur drei Prozent auf 25,2 Milliarden Dollar. Dies habe deutlich unter den Erwartungen von Analysten gelegen.

Der Grund: Um das Absatzziel von 1,8 Millionen Fahrzeugen zu erreichen, unterlagen Teslas Modelle teils heftigen Preisschwankungen. So kostet das beliebteste Model Y in den USA rund 26 Prozent weniger als zuvor. So sank die Brutto-Gewinnmarge von 23,8 Prozent im Vorjahr auf 17,6 Prozent. Musk habe erklärt, dass Tesla mit seiner bestehenden Produktpalette die „natürliche Grenze der Kostensenkung“ erreicht habe.

Für das laufende Jahr werde eine „deutliche“ Verlangsamung des Absatzwachstums erwartet, da das Unternehmen nach eigenen Angaben an der Einführung der nächsten Fahrzeug-Generation in der Gigafactory Texas arbeite. Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt Musk optimistisch in die Zukunft: Tesla befinde sich gerade zwischen zwei Wachstumsphasen, einerseits durch die Tesla-Modelle 3 und Y, andererseits mit einer neuen Plattform-Generation. Der Tech-Milliardär betonte, dass Tesla an einem „revolutionären“ Produktionssystem arbeite und sogar das Potenzial habe, das wertvollste Unternehmen der Welt zu werden.

Um mit preiswerten Mitbewerbern konkurrieren zu können, plane Tesla laut Reuters, nächstes Jahr mit der Produktion eines günstigeren kompakten Crossovers für den Massenmarkt zu beginnen – wir berichteten. Musk bestätigte kürzlich, dass die Produktion der nächsten Elektroauto-Generation in seinem Werk in Texas in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 aufgenommen werden soll.

Tesla-Chef Musk warnt vor Dominanz chinesischer Autohersteller
Chinesische Autobauer bauen ihren Expansionskurs nach Europa aus: Unternehmen wie SAIC Motor oder BYD reagieren auf den zunehmenden Wettbewerb, indem sie mehr Fahrzeugschiffe in ihrer Flotte einsetzen, um Transportkosten zu senken und den Absatz im Ausland zu steigern | Bild: BYD

„Keine offensichtliche Möglichkeit“, mit Chinesen zu kooperieren

Die chinesischen Elektroautohersteller, die dank einer stabilen Lieferkette ihre Kosten unter Kontrolle halten können, setzen ihre Expansionspläne in Bewegung. Angesichts des wachsenden Wettbewerbs und der Überkapazitäten auf dem chinesischen Markt streben viele von ihnen nun eine rasche internationale Präsenz an, nachdem staatliche Subventionen jahrelang den Inlandsabsatz angekurbelt haben.

„Der Vollständigkeit und Widerstandsfähigkeit von Chinas jahrzehntelangem, staatlich gelenktem Aufbau der Infrastruktur für die Verarbeitung von Batteriematerialien kann nur schwer etwas entgegengesetzt werde“, erklärt Ross Gregory, Partner bei der in Melbourne ansässigen Beratungsfirma New Electric Partners. Unternehmen wie die chinesische SAIC Motor oder BYD reagieren auf den zunehmenden Wettbewerb, indem sie mehr Fahrzeugschiffe in ihrer Flotte einsetzen, um Transportkosten zu senken und den Absatz im Ausland zu steigern. Trotzdem ist die Bekanntheit chinesischer Autofirmen in den Vereinigten Staaten extrem niedrig, auch weil ihre Zuverlässigkeit, Haltbarkeit und Sicherheit dort nur als mittelmäßig betrachtet werde. Experten glauben, dass diese Unternehmen noch einen langen Weg vor sich haben, um Marktanteile in den USA zu gewinnen.

Elon Musks Äußerungen zu Handelsschranken kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Präsidentschaftswahlen an Fahrt aufnehmen. US-Präsident Joe Biden habe laut Reuters erklärt, dass China entschlossen sei, den Markt für Elektroautos zu dominieren, und betont, dass er dies nicht zulassen werde. Der ehemalige Präsident Donald Trump, der in diesem Jahr als Spitzenkandidat der Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur gehandelt wird, habe wiederum angedeutet, dass er im Falle seiner Wahl noch härtere Zölle einführen würde. Er soll vorgeschlagen haben, allgemeine Zölle in Höhe von zehn Prozent auf alle Importe in die USA zu erheben und den Meistbegünstigungsstatus für China aufzuheben.

Musk äußerte, dass es „keine offensichtliche Möglichkeit“ gebe, mit chinesischen Rivalen zu kooperieren. Dennoch sei Tesla offen dafür, ihnen Zugang zu seinem Ladennetzwerk zu gewähren und andere Technologien wie selbstfahrende Systeme zu lizenzieren. Auch Europa habe eine protektionistische Haltung gegenüber chinesischen Elektroautoherstellern eingenommen. Um EU-Produzenten vor günstigeren chinesischen Elektrofahrzeugimporten zu schützen, zieht die Europäische Kommission sogar in Betracht, Strafzölle auf günstige chinesische Elektroauto-Importe zu verhängen. Experten glauben allerdings, dass die USA und Europa mehr als nur Zölle benötigen. Es seien politische Maßnahmen erforderlich, um ihren Automobilherstellern die Zeit zu geben, eine vielfältige Lieferkette aufzubauen.

Quellen: Reuters – Tesla CEO Musk: Chinese EV firms will ‚demolish‘ rivals without trade barriers / Spiegel – „Ohne Handelsschranken werden sie die meisten anderen Autofirmen so ziemlich zerstören“ / Tagesschau – Musk warnt vor Siegeszug chinesischer E-Autobauer

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Felix Katz

Felix Katz

Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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