Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hält an der Eigenentwicklung und -fertigung von Motoren für Elektroautos fest. Das teilte das Unternehmen vor wenigen Tagen mit, nachdem ein interner Prüfprozess zu dieser Entscheidung geführt hatte. Vorstandschef Mathias Miedreich hatte die Überprüfung des Bereichs noch bei der Bilanzpressekonferenz angekündigt – angesichts der als kostenintensiv und defizitär geltenden Sparte.
Nun steht fest: Sowohl die E-Motoren als auch die zugehörigen Inverter – Bauteile, die Gleichspannung aus der Batterie in Wechselstrom für den Antrieb umwandeln – verbleiben im Konzern. Betroffen sind die Standorte Auerbach und Schweinfurt. „Wir halten so das Know-how und die Kompetenz in Sachen Elektroantriebe im Konzern“, erklärte ein Sprecher des Unternehmens gegenüber dem SWR. Die Entscheidung sei gemeinsam mit dem Betriebsrat getroffen worden.
Der Hintergrund ist heikel: ZF zählt mit einem Jahresumsatz von knapp 39 Milliarden Euro im Jahr 2025 zu den größten Autozulieferern Deutschlands; nach Bosch belegt das Unternehmen Rang zwei. Dennoch wies ZF für das vergangene Jahr einen Verlust von mehr als zwei Milliarden Euro aus. Die schleppende Nachfrage nach Elektroautos trifft dabei nicht nur die Automobilhersteller selbst, sondern auch deren Zulieferer. Viele E-Autos gelten derzeit als schwer absetzbar; das Geschäft mit der Elektromobilität hat die ursprünglichen Erwartungen bislang deutlich verfehlt.
Eigenfertigung bleibt, aber Stellenabbau auch
Miedreich – seit Anfang Oktober im Amt – verfolgt ein rigoroses Sparprogramm, um aus den roten Zahlen zu kommen. Bereits vor zwei Jahren hatte ZF einen umfassenden Stellenabbau eingeleitet: An deutschen Standorten können bis 2028 bis zu 14.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Die Entscheidung zur Fortsetzung der E-Motorenproduktion bedeutet keine Entwarnung für die Belegschaft. Auch die Division E – der konzerninterne Bereich für Elektromobilität – muss schlanker werden, das hat die Unternehmensleitung klar kommuniziert. In Schweinfurt und Auerbach fallen mehrere hundert Stellen weg, wie ein ZF-Sprecher gegenüber dem SWR bestätigte.
Gesamtbetriebsratschef Achim Dietrich bezeichnete den Schritt dennoch als „großen Erfolg“. Die Alternative wäre die vollständige Einstellung der E-Motoren-Fertigung gewesen – verbunden mit einem deutlich größeren Stellenabbau als nun geplant. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung ist die jetzige Lösung damit das bessere Ergebnis eines schwierigen Abwägungsprozesses.
Für ZF selbst steht mit der Entscheidung mehr auf dem Spiel als nur Produktionskapazität. Wer im Zuliefergeschäft den Anschluss an Elektroantriebe verliert, riskiert langfristig den Verlust strategisch wichtiger Kundenbeziehungen – gerade in einem Segment, das trotz aktueller Schwäche mittelfristig weiter an Bedeutung gewinnen dürfte.
Quelle: SWR – ZF Friedrichshafen baut weiter E-Motoren – aber streicht Stellen / ZF Friedrichshafen – Sonderprüfung „Make or Buy“: ZF setzt auf eigene Produktion und Entwicklung von E-Motoren und Invertern









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