T&E: Deutsche Vorschläge zu CO2-Grenzwerten könnten Milliarden kosten

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IAA Mobility

Tobias Stahl
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Die Vorschläge der deutschen Bundesregierung zur Überarbeitung der europäischen CO2-Flottengrenzwerte würden den Absatz von Elektroautos deutlich verlangsamen und Deutschland bis 2035 bis zu 15 Milliarden Euro an zusätzlichen Ölimporten kosten. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Verkehrs- und Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) hervor.

In der Diskussion um die Novellierung der Flottengrenzwerte der EU setzt sich Deutschland für eine Reihe von Abschwächungen der Grenzwerte ein. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht aktuell vor, dass 2035 85 Prozent aller neu zugelassenen Pkw rein batterieelektrisch fahren müssen – der Wert stellt bereits eine Aufweichung der bislang geltenden Regelung dar, die – antriebsoffen – einen Wert von 100 Prozent emissionsfreier Neufahrzeuge bis 2035 vorsah.

Deutschland will vor diesem Hintergrund unter anderem zusätzlich die geplante Neubewertung des sogenannten Nutzfaktors für Plug-in-Hybride streichen, der die tatsächlichen Emissionen im Alltagsbetrieb realistischer abbilden soll. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen zudem auch Fahrzeuge, die mit „klimaneutralen Kraftstoffen“ betrieben werden können, als emissionsfrei angerechnet werden. Je nach Szenario würden auch Kraftstoffe mit einer Emissionsreduktion von nur 70 Prozent zu dieser Kraftstoffkategorie zählen.

53 statt 85 Prozent: Aufweichung der Grenzwerte könnte E-Auto-Hochlauf ausbremsen

Laut der T&E-Modellierung könnte die Änderung dazu führen, dass der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen 2035 nur bei 53 bis 76 Prozent statt der im Komissionsvorschlag genannten 85 Prozent liegt. Schon bis 2030 würden E-Autos der Analyse zufolge nur noch 29 bis 43 Prozent der Neuzulassungen ausmachen, verglichen mit einem Zielwert von 47 Prozent laut Kommisionsvorschlag. Die von T&E genannten Werte weisen große Spannbreiten auf, weil sie die unterschiedlichen möglichen Szenarien sowie die Unsicherheiten beim tatsächlichen Absatz von E-Fuel-Fahrzeugen widerspiegeln.

T&E verweist zudem darauf, dass die Vorschläge der Bundesregierung mit einem deutlichen Zusatzbedarf bei den Ölimporten einhergehen würden: Zwischen 2026 und 2035 rechnet der Verband mit 7 bis 15 Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten. T&E rechnet zwischen 2025 und 2050 mit 1,1 bis 2,2 Milliarden Tonnen CO2, die so zusätzlich emittiert würden.

Bisherige Entwicklungen zeigen nach Angaben des Verbands bereits das Einsparpotenzial durch E-Autos: Zwischen 2015 und 2025 haben Stromer in Deutschland Ölimporte im Wert von 3,5 Milliarden Euro eingespart und den Verbrauch von 46 Millionen Barrel Öl vermieden.

T&E warnt: Europa riskiert Jobs und lokale Wertschöpfung

„Wir erleben die größte Ölkrise seit 50 Jahren, doch anstatt den Verbrauch zu senken, würden die Vorschläge der Bundesregierung zu Milliarden an Mehrausgaben für zusätzliche Ölimporte führen“, so Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland. „Dabei hätten wir heute die besten Technologien dazu. Statt den EU-weiten Hochlauf von E-Autos über die Flottengrenzwerte zu fördern, setzt sich Kanzler Friedrich Merz lieber für mehr Verbrenner in Brüssel ein. Damit folgt er den lauten Forderungen des Koalitionspartners aus Bayern, nicht dem Trend am Weltmarkt. Das verunsichert Investoren und Konsumenten, während uns China und andere Länder immer weiter davon fahren.“

T&E forderte die Bundesregierung dazu auf, die bestehenden europäischen CO2-Flottengrenzwerte nicht weiter aufzuweichen und stattdessen den schnellen Hochlauf emissionsfreier Fahrzeuge und ihre heimische Produktion zu unterstützen. Anderenfalls riskiere Europa Jobs, Batteriefabriken und lokal produzierte E-Autos.

Gerade für die deutsche Automobilindustrie ist es laut T&E entscheidend, dass die Bundesregierung sich für den EU-Kommissionsvorschlag zur Sicherung des Automobilstandorts Europa einsetzt. Der Vorschlag ziele darauf ab, durch verpflichtende Vorgaben für lokale Wertschöpfung und Produktion bei Schlüsseltechnologien, insbesondere Batterien, zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen. Zudem solle die Bundesregierung EU-weite Elektrifizierungsziele für Flotten großer Unternehmen unterstützen, da diese vor allem den europäischen Absatzmarkt und besonders deutsche Hersteller stärken, argumentiert der Verband.

„Statt dem Vorschlag der EU-Kommission zu folgen und auf europäische Produktion und damit den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten und Jobs zu setzen, torpediert Merz den größten Hebel hierfür, die Elektrifizierung großer Unternehmensflotten“, so Bock in einer Mitteilung des Verbands. „Als zweitgrößter Produzent von E-Autos weltweit würde besonders Deutschland von diesem Nachfrage-Boost profitieren. Merz wäre gut beraten, seine Berater zu hinterfragen. Gerade in Zeiten einer Ölkrise haben parteipolitische Spielereien und Ideologie nichts in der Industriepolitik verloren. Wir müssen schnellstmöglich elektrisch fahren und unabhängig von Öl werden.“

Quelle: Transport & Environment – Pressemitteilung vom 18.05.2026

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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