Tesla stemmt sich in Deutschland gegen Fachkräftemangel

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Am hierzulande herrschenden Fachkräftemangel kommt auch Tesla mit seinem Werk in Grünheide bei Berlin nicht vorbei. Dagegen stemmt sich der us-amerikanische Elektroauto-Bauer offenbar mit typisch us-amerikanischen Methoden wie „Hire and fire“. Das berichtet der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb). Mit mittlerweile etwa 10.000 Mitarbeitern sei Tesla inzwischen der größte Arbeitgeber in Brandenburg.

Da Tesla und seine zur Verschwiegenheit verpflichteten Mitarbeiter aber mit der Presse nicht sprechen, musste rbb intensivere Recherchen anstellen, um der Frage nachzugehen, ob und wie Tesla an die benötigten Fachkräfte kommt. Eine Einschätzung lieferte dabei „Auto-Papst“ Ferdinand Dudenhöffer: „Ein hohes Tempo erreicht man auch dadurch, dass man Leute schnell einstellt, weil man sie gerade braucht und dann vielleicht nicht immer diejenigen einstellt, mit denen man länger zusammenarbeiten will. Man nimmt relativ viele und geht in die Strategie über, dass man sagt: die, die schlecht sind, werden uns wieder verlassen“, wird der Branchenexperte zitiert. Bekannt ist diese „Hire and fire“-Vorgehensweise von vielen us-amerikanischen Firmen. Offenbar gebe es auch in der Gigafactory in Grünheide eine hohe Fluktuation an Arbeitskräften.

Ferner stelle Tesla verstärkt Mitarbeiter ohne entsprechende Vorkenntnisse ein. Die Arbeitsagentur in Frankfurt (Oder) habe bereits 1300 Arbeitskräfte an Tesla vermittelt, heißt es im rbb-Bericht. „Die Leute machen einen neuen Job und haben die Motivation. Das reicht Tesla aus. In der Fertigung und Logistik kann man als Quereinsteiger gut landen, auch wenn der eigene Berufsabschluss schon lange her ist und aus ganz anderen Bereichen kommt“, wird Jochem Freyer, Chef der Frankfurter Arbeitsagentur, zitiert. Unter Berufung auf anonyme Quellen berichtet rbb zudem, dass etwa 1000 Arbeitskräfte bei Tesla von Zeitarbeitsfirmen stammen sollen.

Online seien bei Tesla unter anderem Stellen als Maschinenbauer, Chemieingenieur oder Elektrotechniker ausgeschrieben. Mit eigenen Shuttle-Bussen von Berlin aus zum im südlich der Stadt gelegenen Werk versuche der Autobauer zudem, vermehrt Fachpersonal aus Berlin hinaus ins ländliche Umfeld zu locken. Und Dudenhöffer stellt fest: „Grünheide ist nicht weit von Polen entfernt. Von daher kann man auch in Polen Facharbeiter ansprechen.“ In der EU sei das ja problemlos möglich. Im Werk soll vorrangig auf Englisch kommuniziert werden.

Auch die duale Ausbildung spiele bei Tesla bereits eine größere Rolle. 130 Auszubildende von regionalen Hochschulen seien bereits bei Tesla beschäftigt, insgesamt könnte die Zahl auf 500 ansteigen. Ob es Tesla gelingt, fähige Arbeitskräfte auch längerfristig ans Unternehmen zu binden, sei angesichts von Berichten der Gewerkschaft IG Metall aber noch unklar. Diese hatte über schlechte Löhne und Arbeitsbedingungen sowie schlechte klimatische Bedingungen in den Werkshallen geklagt.

Quelle: rbb24 – Industrie in Brandenburg: Wie Tesla in Grünheide dem Fachkräfte-Mangel begegnet

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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