Kfz-Branche rechnet 2026 mit neuem E-Auto-Rekord

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Michael Neißendorfer
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Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnen für das kommende Jahr mit einer Zunahme der Verkäufe von batterieelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden. Der ZDK erwartet für das Jahr 2026 eine spürbare Belebung des deutschen Pkw-Gesamtmarktes. Nach zwei schwierigen Jahren infolge eines abrupten Förderstopps für Elektroautos Ende 2023 sieht der Verband klare Signale für eine Rückkehr des Wachstums – getragen durch die jüngsten Pläne der Regierungskoalition zur Förderung elektrischer Antriebe.

Nach seiner vor wenigen Tagen veröffentlichten Jahresprognose erwartet der ZDK im kommenden Jahr einen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen um 3,5 bis 4 Prozent auf rund 2,95 Millionen Fahrzeuge. Davon werden voraussichtlich 1,1 Millionen Fahrzeuge einen batterieelektrischen Antrieb an Bord haben, reine Elektroautos und Plug-in-Hybride gleichermaßen, so der Verband. Breitere E-Modellpaletten im Klein- und Kompaktwagensegment, höhere Reichweiten, sinkende Preisunterschiede zwischen Verbrennern und E-Autos sowie der fortschreitende Ausbau der Ladeinfrastruktur werden die Nachfrage beflügeln.

„Die politischen Impulse, das breitere Modellangebot und die wachsende Alltagstauglichkeit elektrischer Antriebe greifen endlich ineinander“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „2026 wird zum Jahr, in dem die Elektromobilität im Markt wirklich ankommen kann, wenn die Weichen richtig gestellt werden.“

2025 bleibt noch gedämpft – E-Auto-Markt erreicht nur Niveau von 2023

Für 2025 rechnet der ZDK hingegen nur mit einem geringfügigen Anstieg der Pkw-Neuzulassungen auf 2,85 Millionen Fahrzeuge und einem stagnierenden Markt für Elektroautos. Bereinigt um die in den vergangenen zwei Jahren massiv angestiegenen Eigenzulassungen der Hersteller und Händler – die zur Erfüllung der CO2-Flottengrenzwerte mehr als zweieinhalbfach erhöht wurden – werde der E-Auto-Markt 2025 nur knapp das Niveau von 2023 erreichen. Dämpfend wirken auch die anhaltend hohen Ladestrompreise sowie ein Mangel an Ladepunkten in Wohnquartieren.

Ohne einen schnelleren Hochlauf der E-Mobilität drohe in wenigen Jahren ein CO2-Preis von bis zu 300 Euro pro Tonne, der sich deutlich auf die Preise für Benzin und Diesel auswirken werde: Verbrenner-Fahrer sollten demnach mit 70 bis 80 Cent mehr pro Liter Kraftstoff rechnen. Mobilität würde zur sozialen Frage, weil Menschen ohne Zugang zu Neuwagen von bezahlbarer Automobilität ausgeschlossen würden. Umso wichtiger sei die neue Förderstrategie der Bundesregierung, die zentrale, sozial ausgewogene ZDK-Vorschläge aufgreife und die E-Mobilität endlich in der Mitte der Gesellschaft voranbringe. „Wir brauchen schnell mehr bezahlbare Elektroautos und alternative Kraftstoffe. Deshalb ist die jetzt angekündigte Förderung unverzichtbar“, betont Peckruhn.

Nach dem Förderstopp durch die Ampel-Koalition im Dezember 2023 sei die private Nachfrage nahezu eingebrochen. „Es waren zwei verlorene Jahre für die Elektromobilität“, bilanziert Peckruhn. Die von der schwarz-roten Regierungskoalition Ende November verkündeten Fördermaßnahmen könnten nun jedoch die entscheidende Wende einleiten. Peckruhn zeigt sich zuversichtlich, dass der Pkw-Markt ab 2026 „endlich wieder Fahrt aufnimmt“.

Der Gebrauchtwagenmarkt bleibt 2025 stabil auf hohem Niveau. Trotz weiterhin hoher Neuwagenpreise fiel der Anstieg der Besitzumschreibungen aufgrund gesunkener Zinsen bislang moderat aus (+0,2 Prozent). Bis Jahresende erwartet der ZDK rund 6,5 Millionen Halterwechsel. Auch 2026 dürfte dieses Niveau anhalten: Staatliche Förderimpulse und günstigere Finanzierungen lenken zwar mehr Kunden Richtung Neuwagen, gleichzeitig sorgen hohe Fahrzeugpreise, die anhaltend schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung und ein deutlich gestiegenes Durchschnittsalter der Fahrzeuge für anhaltende Bewegung im Gebrauchtwagensegment.

VDA: Elektromobilität bleibt Wachstumstreiber

Der Automobilverband VDA erwartet für das Jahr 2026 ein im vergleich zum ZDK etwas moderateres Plus von zwei Prozent auf 2,9 Millionen Neuzulassungen – weiterhin rund ein Fünftel weniger als im Vorkrisenjahr 2019. Grund ist unter anderem die gesamtwirtschaftliche Schwäche.

Für Elektroautos und Plug-in-Hybride rechnet der VDA im kommenden Jahr mit knapp einer Million (979.000) Neuzulassungen in Deutschland, davon 693.000 Elektroautos (plus 30 Prozent) und 286.000 Plug-in-Hybride (minus 5 Prozent). Die Prognose unterstellt, dass die geplante neue Förderung der Bundesregierung zügig umgesetzt wird. Für die Verbraucherinnen und Verbraucher, für die Unternehmen und den Handel brauche es Klarheit über die Kriterien und die Abwicklung der Förderung, wie der Verband betont. Es müsse für die Beteiligten administrativ händelbar sein, andernfalls warten viele Käufer ab und die aktuell grundsätzlich positive Dynamik auf dem Markt für Elektroautos drohe zum Erliegen zu kommen. In diesem Fall wäre von einem deutlich geringeren Absatzvolumen für Elektrofahrzeuge auszugehen, so der VDA.

Zunehmender weltweiter Protektionismus bleibt nicht ohne Folgen

Die internationalen Pkw-Märkte dürften im kommenden Jahr ebenfalls nur verhaltene Dynamik zeigen: Europa (EU, EFTA, UK) dürfte um zwei Prozent auf 13,4 Millionen Fahrzeuge wachsen, China um ein Prozent auf 24,5 Millionen Einheiten. „Während Europa im Vorkrisenvergleich weiter auf historisch niedrigem Niveau festhängt, fährt China trotz schwierigen Marktumfelds ein neues Rekordhoch ein“, betont VDA-Präsidentin Hildegard Müller. In den USA wird mit einem deutlichen Rückgang gerechnet (minus vier Prozent; 16 Millionen Fahrzeuge). „Mehr Protektionismus und damit einhergehende Kostensteigerungen – das bleibt 2026 nicht ohne Folgen. Die Unternehmen werden das klar merken“, so Müller.

Beim Pkw-Export deutscher Hersteller aus deutschen Werken wird für 2026 insgesamt ein leichter Rückgang um ein Prozent auf 3,2 Millionen Fahrzeuge prognostiziert. Die Exportquote würde damit bei 77,5 Prozent liegen. Für die Pkw-Inlandsproduktion erwartet der VDA im Jahr 2026 einen leichten Rückgang um ein Prozent auf 4,11 Millionen Einheiten. Die Auslandsproduktion deutscher Konzernmarken dürfte hingegen um ein Prozent auf 9,2 Millionen Fahrzeuge steigen.

Deutschland weltweit zweitgrößter Produktionsstandort für E-Autos

Weiter positiv entwickelt sich die inländische Fertigung von Elektrofahrzeugen: Sie dürfte im Jahr 2026 erneut zulegen. Erwartet wird ein Plus von insgesamt fünf Prozent – getragen von einem kräftigen Anstieg bei Elektroautos (plus elf Prozent), während die Produktion von Plug-in-Hybriden rückläufig erwartet wird (minus zehn Prozent). Müller: „In Deutschland rollen 2026 voraussichtlich 1,76 Millionen Elektro-Pkw vom Band – ein starkes Signal. Deutschland festigt damit seinen Platz als weltweit zweitgrößter Produktionsstandort für E-Autos. Die Zahlen zeigen klar: Die deutsche Autoindustrie gibt beim Thema E Mobilität weiter Vollgas.“ Wichtig sei nun, dass auch Brüssel nach der Entscheidung der Bundesregierung für mehr Technologieoffenheit zeitnah zu entsprechenden klaren Beschlüssen komme.

Quelle: ZDK – Pressemitteilung vom 08.12.2025 / VDA – Pressemitteilung vom 08.12.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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