Tesla Cybertruck: Vom Hype zum Ladenhüter

Tesla Cybertruck: Vom Hype zum Ladenhüter
Copyright:

press:inform | Bernhard Filser

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der einstige Hype um den Tesla Cybertruck ist abgeflaut. Noch vor wenigen Jahren prahlte Elon Musk mit über einer Million Reservierungen für den kantigen Elektro-Pick-up und kündigte an, jährlich rund 250.000 Exemplare produzieren und verkaufen zu wollen. Die Realität fällt deutlich nüchterner aus. Nach Angaben von Cox Automotive wurden in den ersten neun Monaten des Jahres lediglich 16.097 Cybertrucks ausgeliefert – ein Rückgang um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als 25.974 Stück verkauft wurden.

Im ersten Quartal erreichte Tesla 6406 Auslieferungen, im zweiten sank die Zahl auf 4306. Der leichte Anstieg auf 5385 Einheiten im dritten Quartal dürfte mit dem Auslaufen der bundesweiten Elektroauto-Steuergutschrift der USA zusammenhängen. Trotz dieses kurzen Impulses blieb das Ergebnis weit hinter den Erwartungen zurück. Verglichen mit dem dritten Quartal 2024, in dem 14.416 Cybertrucks ausgeliefert wurden, bedeutet das einen Rückgang um mehr als 60 Prozent.

Setzt sich dieser Trend fort, dürfte Tesla das Jahr mit nur etwa 20.000 verkauften Einheiten abschließen – deutlich weniger als die rund 50.000 Fahrzeuge im Jahr zuvor. Für viele Hersteller wäre ein solcher Einbruch problematisch, doch Tesla hat eine Besonderheit: Der Konzernchef führt neben dem Autobauer auch SpaceX und das KI-Unternehmen xAI. Beide Firmen haben inzwischen begonnen, Cybertrucks in größerer Zahl für ihre eigenen Flotten zu übernehmen.

Teslas bester Kunde ist Elon Musk selbst

Berichten zufolge wurden kürzlich Hunderte Exemplare zum SpaceX-Gelände in Texas transportiert, wo sie Verbrenner-Pick-ups im Arbeitsalltag ersetzen sollen. Weitere Lieferungen könnten folgen. Auch beim KI-Unternehmen xAI trafen über das Wochenende mehrere Lkw-Ladungen mit Cybertrucks ein. In sozialen Netzwerken wurden Bilder davon geteilt, unter anderem vom leitenden Tesla-Ingenieur Wes Morrill, der kommentierte: „Ich liebe es zu sehen, wie die alten Verbrennerflotten von Tesla und SpaceX durch Cybertrucks ersetzt werden. Als wir das Auto entwickelten, war das Teil unserer Vision.“

Während Tesla auf interne Abnehmer zurückgreift, um die Lagerbestände abzubauen, bleibt die Nachfrage am Markt verhalten. Preissenkungen könnten den Absatz beleben, wären aber angesichts der Produktionskosten wohl nur in fünfstelliger Höhe wirksam – ein Schritt, der die ohnehin schmalen Margen weiter belasten würde. Stattdessen scheint Tesla auf den Symbolwert des Modells zu setzen, das einst als technologische Ikone gedacht war, nun aber eher als Nischenprodukt gilt.

Das Design, das anfangs als revolutionär gefeiert wurde, spaltet die Kundschaft. Die kantige Edelstahlkarosserie ist weit entfernt vom gewohnten Erscheinungsbild klassischer Pick-ups und polarisiert stärker als erwartet. Viele potenzielle Käufer stören sich zudem an praktischen Details. So bietet der Cybertruck weniger Stauraum und Anhängelast als manche konventionellen Modelle und ist in engen Parklücken schwer zu manövrieren. Und dann gibt es auch noch Probleme mit sich lösenden Karosserieteilen.

Hinzu kommt, dass Elon Musk selbst zunehmend polarisiert. Seine öffentlichen Äußerungen und politischen Kommentare haben die Marke Tesla für einige Käufer unattraktiv gemacht. In den USA, wo Pick-ups als Symbol für Bodenständigkeit und Arbeitsalltag gelten, scheint der Cybertruck daher an kultureller Anschlussfähigkeit zu verlieren. Selbst treue Tesla-Fans zeigen sich laut Marktbeobachtern zurückhaltender als in früheren Jahren. Ob der Cybertruck in dieser Form eine Zukunft hat, bleibt offen. Sicher ist nur, dass Tesla sein einstiges Prestigeprojekt neu bewerten muss.

Quelle: Carscoops – Tesla’s Running Out Of Cybertruck Buyers, So Musk’s Other Companies Are Buying It

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla verdient 56 Prozent weniger, obwohl der Umsatz hält

Tesla verdient 56 Prozent weniger, obwohl der Umsatz hält

Sebastian Henßler  —  

Tesla hält den Umsatz im dritten Quartal stabil, doch das operative Ergebnis sinkt um 56 Prozent. Höhere KI-Ausgaben und weniger Emissionsgutschriften belasten.

Musk über Fusion von Tesla und SpaceX: “Ja”, gute Idee

Musk über Fusion von Tesla und SpaceX: “Ja”, gute Idee

Sebastian Henßler  —  

Tesla und SpaceX haben Sonderausschüsse gebildet, die eine Fusion prüfen. Elon Musk hält das für eine gute Idee, darf an den Gesprächen aber nicht teilnehmen.

Baustart 2027? Tesla bringt Werksausbau in Grünheide voran

Baustart 2027? Tesla bringt Werksausbau in Grünheide voran

Sebastian Henßler  —  

Aktuell arbeiten 12.600 Menschen in Teslas Werk in Grünheide. Mit der geplanten zweiten Halle setzt der Automobilhersteller die nächste Stufe seines Ausbaus um.

Tesla Roadster kommt 2028, elf Jahre nach der Enthüllung

Tesla Roadster kommt 2028, elf Jahre nach der Enthüllung

Sebastian Henßler  —  

Mit Kaltgastriebwerken von SpaceX soll der Tesla Roadster in unter einer Sekunde auf 100 Kilometer pro Stunde kommen. Der Produktionsstart ist für 2028 geplant.

Tesla Model Y ist wieder als Taxi erhältlich

Tesla Model Y ist wieder als Taxi erhältlich

Daniel Krenzer  —  

Das Tesla Model Y ist zurück im Taxigewerbe. Intax bietet für das Elektro-SUV wieder eine professionelle Taxiumrüstung an.

Tesla nennt FSD um, um EU-Zulassung zu erleichtern

Tesla nennt FSD um, um EU-Zulassung zu erleichtern

Maria Glaser  —  

Tesla hat vor wenigen Tagen sein automatisiertes Fahrassistenzsystem „Full Self-Driving“ in Europa zu „Assisted Driving“ umbenannt.

Tesla FSD: Deutschland könnte vor der EU vorpreschen

Tesla FSD: Deutschland könnte vor der EU vorpreschen

Sebastian Henßler  —  

Die EU hat ihre Entscheidung über Teslas FSD auf Dezember vertagt. Viele Staaten warten auf Deutschland, wo sich Minister Bilger nun klar positioniert.