Tesla stoppt Auslieferungen des Cybertruck – weil er auseinanderfällt

Tesla stoppt Auslieferungen des Cybertruck – weil er auseinanderfällt
Copyright:

Jonathan Weiss / Shutterstock.com

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Tesla hat die Auslieferungen des Cybertruck vorerst gestoppt. Der Grund dafür ist, dass Teile der Karosserie abfallen, wie Electrek unter Berufung auf Aussagen von Tesla-Händlern berichtet. Foren und Soziale Medien in den USA füllen sich mehr und mehr mit Fotos und Videos, aus denen ersichtlich wird, wie gravierend die Schäden sein können.

Tesla hat demnach eine sogenannte „containment hold“ veranlasst. Ein gängiges Vorgehen, wenn ein Autohersteller sich wiederholende Fehler an neu produzierten Fahrzeugen feststellt und Auslieferungen zurückhalten möchte, um das Problem zu beheben. In diesem Fall handelt es sich in den meisten Fällen um ein Blechprofil, das oberhalb der Türen von der A- bis zur C-Säule reicht und an der B-Säule einen markanten Knick aufweist. Das Blech ist auf eine Kunststoffleiste geklebt, letztere wiederum ist mit dem Chassis verschraubt.

Bei mehreren Fahrzeugen löste sich nun der Kleber und das Blech begann, langsam abzufallen – bei manchen Nutzern während der Fahrt. Besonders oft sei dies bei Cybertrucks der Fall, die im Norden der USA zugelassen wurden. Es spricht also vieles dafür, dass Kälte die Haltbarkeit des Klebers beeinflusst. In einem Video ist davon die Rede, dass Temperaturen unterhalb von 0 Grad bereits ausreichten, um das Problem zu verursachen.

Besonders brisant ist die Sache, da Tesla den Cybertruck als mit ultrahartem Stahl ausgestattet und als „kugelsicher“ bewirbt und einst angegeben hat, dass der Elektro-Pick-up ein Exoskelett habe, sprich, dass tragende und sichtbare Struktur eins sind und das Fahrzeug wie aus einem Guss gefertigt ist. Tatsächlich ist die Konstruktion des E-Autos viel näher an einem traditionellen Unibody als an einem Exoskelett. Die meisten der sichtbaren Karosserieteile, die in einer Exoskelett-Konstruktion Teil des Chassis wären, sind herkömmliche Verkleidungen.

Dementsprechend lösen sich bei einigen Cybertruck-Fahrern auch noch weitere Karosserieteile. Bei manchen ist es die Verkleidung an der Front, bei anderen jene der Heckklappe. Auch das obere Blech an den Seiten der Ladefläche haben manche Cybertrucks bereits verloren.

Ähnliche Probleme gab es bereits im vergangenen Juni

Schon im Juni des vergangenen Jahres hatte Tesla mehr als 11.000 Cybertrucks zurückgerufen, weil sich Zierleisten während der Fahrt lösten. Auch damals wurde das Problem auf mangelhafte Klebeverbindungen zurückgeführt.

So wird der Cybertruck mehr und mehr zum Desaster für Tesla. Probleme und offensichtliche Fehlkonstruktionen gab es vom ersten Tag an. Man erinnere sich nur an die Präsentation des Cybertruck, als Tesla-Chef Elon Musk das angeblich bruchsichere Glas der Seitenfenster mit einem Hammer – womit er eigentlich das Gegenteil beweisen wollte – zerstörte.

Für die Gunst der Käufer verheißen auch die aktuellen Nachrichten nichts Gutes. 500.000 Cybertruck wollte Elon Musk pro Jahr verkaufen. 2024 waren es nur knapp 40.000 Stück. Es wäre nicht verwunderlich, solltern es 2025 nochmal deutlich weniger werden.

Quelle: Electrek – Tesla Cybertruck deliveries are on hold as trims are flying off the ‘bulletproof’ truck / Reid Tomasko (YouTube) – Cybertruck Stainless Panels are falling off in Freezing Temperatures / Cybertruck Owners Club – delayed delivery due to inspection?

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla eröffnet ersten öffentlichen Megacharger in den USA

Tesla eröffnet ersten öffentlichen Megacharger in den USA

Tobias Stahl  —  

Tesla hat in Kalifornien seine erste öffentliche Megacharger-Ladesäule für E-Lkw eröffnet. Der Ladepunkt erreicht allerdings noch nicht die anvisierte Leistung.

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

IG Metall verliert bei Tesla-Wahl in Giga Berlin an Einfluss

Sebastian Henßler  —  

Bei der Betriebsratswahl im Tesla-Werk Grünheide setzt sich Giga United durch. Die IG Metall verliert deutlich an Einfluss – und spricht von unfairen Methoden.

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Offener Schlagabtausch: Tesla gegen Handelsblatt

Sebastian Henßler  —  

149.000 oder über 200.000 E-Autos? In Grünheide entbrennt ein Streit um Produktionszahlen, Auslastung und die wirtschaftliche Lage des Tesla-Werks.

Tesla-Werk Grünheide wegen Absatzrückgang unter Druck

Tesla-Werk Grünheide wegen Absatzrückgang unter Druck

Sebastian Henßler  —  

In Grünheide sinkt die Produktion deutlich. 149.000 Autos im Jahr 2025 bedeuten fast 30 Prozent weniger als zuvor. Die Auslastung fällt unter 40 Prozent.

Tesla Model Y jetzt auch als Siebensitzer in Deutschland

Tesla Model Y jetzt auch als Siebensitzer in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Tesla bringt das Model Y als Siebensitzer nach Deutschland. Die neue Variante bietet bis zu 600 Kilometer Reichweite und bis zu 2094 Liter Ladevolumen.

NHTSA: Teslas Robotaxi fährt deutlich unsicherer als der Mensch

NHTSA: Teslas Robotaxi fährt deutlich unsicherer als der Mensch

Sebastian Henßler  —  

Viermal schlechter als ein menschlicher Fahrer: Teslas Robotaxi-Dienst in Texas rückt durch neue Crashmeldungen erneut in den Fokus der US-Aufsicht.

Nachfragetief: Teslas Cybertruck wird günstiger denn je

Nachfragetief: Teslas Cybertruck wird günstiger denn je

Maria Glaser  —  

Der US-amerikanische Hersteller hat in den USA den Preis seines elektrischen Pickups Cybertruck sowie des Topmodells Cyberbeast deutlich reduziert.