Für die 16 Mitgliedskommunen des Wasserverbands Strausberg-Erkner (WSE) enthält der geplante Ausbau der Gigafactory Berlin-Brandenburg eine zentrale Zusage. Tesla will in Grünheide (Landkreis Oder-Spree) deutlich wachsen, ohne beim Verband mehr Frisch- und Abwasser abzurufen als vertraglich vereinbart. Ermöglichen soll das nach rbb-Informationen ein zusätzlicher Wasserkreislauf. Dazu gehört eine neue Abwasseraufbereitung, die auch Sanitärabwasser behandelt. Seine Unterlagen für eine weitere Produktionshalle will der Automobilhersteller im Dezember bei den Genehmigungsbehörden einreichen.
Mit dem Neubau und zusätzlichen Beschäftigten würde der Gesamtverbrauch zwar steigen. Durch die eigene Aufbereitung soll jedoch kein zusätzliches Sanitärabwasser anfallen. Die Anlage wäre eine Eigenleistung des Unternehmens auf dem Werksgelände. Über die Pläne informierte Tesla vergangene Woche Bürgermeister:innen aus dem WSE-Gebiet sowie Vertreter:innen des Verbands direkt im Werk. Einen Tag später folgten Umweltverbände, wie Steffen Schorcht von der Grünen Liga dem rbb bestätigte. Öffentliche Bewertungen von Verband, Gemeinde oder Umweltschützer:innen liegen bislang nicht vor.
Ein Blick auf die Vorgeschichte zeigt, warum das Thema sensibel bleibt. Beim Bau der Fabrik hatte sich Tesla laut der Fachzeitung ZfK eine Nutzungsmenge von 1,8 Millionen Kubikmetern sichern lassen. Mit einem im Juni 2025 unterzeichneten Änderungsvertrag gab das Unternehmen knapp 400.000 Kubikmeter zurück. Möglich wurde das nach eigenen Angaben durch das Recycling des gesamten Produktionsabwassers. Erst danach konnte der WSE wieder Versorgungszusagen für Wohn- und Gewerbeprojekte erteilen, die teils seit 2022 warteten. Bedenken von Anwohnenden und Umweltschützer:innen bestehen dennoch fort, da das Werk teilweise im Wasserschutzgebiet liegt.
Im Zentrum des Antrags steht ein Gebäude nördlich des Bestands mit rund 536.000 Quadratmetern Fläche. Die bisherige Halle misst etwa 219.000 Quadratmeter. Laut Antragsunterlagen von 2023 soll die Produktionsfläche dennoch vergleichbar ausfallen, der übrige Raum dient zunächst als Lager- und Logistikfläche. Perspektivisch sollen in Grünheide bis zu eine Million Autos jährlich entstehen. Genehmigt sind derzeit 500.000 Einheiten pro Jahr, die installierte Kapazität bezifferte Tesla laut Tagesspiegel zuletzt auf mehr als 375.000.
Mehr Tempo im Werk, neue Jobs für die Region
Hinzu kommt der laufende Hochlauf im bestehenden Werk, das ausschließlich das Model Y fertigt. Ab Oktober 2026 sollen dort 7500 E-Autos pro Woche vom Band laufen, was laut dpa rund 375.000 im Jahr entspricht. Im vergangenen Jahr waren es laut Geschäftsbericht der Tesla Manufacturing Brandenburg SE rund 202.000 Elektroautos. Das sind etwa 9000 weniger als im Vorjahr. Der Jahresüberschuss stieg im selben Zeitraum von 56,8 auf 77,1 Millionen Euro.
Für den regionalen Arbeitsmarkt nennt Tesla aktuell 12.600 Beschäftigte, zwischenzeitlich waren es weniger als 11.000. Die Ausweitung auf 7500 Einheiten wöchentlich erfordert 2000 Neueinstellungen, mehr als 1500 weitere Stellen entfallen auf die geplante Batteriezellfertigung. Zum Personalbedarf des Neubaus äußerte sich das Unternehmen nicht, frühere Planungen nannten bis zu 42.000 Beschäftigte auf dem Gelände. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte bereits im Juni zur Produktionssteigerung erklärt: “Tesla in Brandenburg ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte.”
Der Genehmigungsweg ist in drei Teilgenehmigungen gegliedert. Den zugrunde liegenden Änderungsantrag reichte Tesla am 15. März 2023 beim Landesamt für Umwelt (LfU) ein, der erste Bescheid folgte am 15. Oktober 2024. Er umfasst laut Umweltministerium unter anderem erweiterte Produktionsgebäude ohne neue Fertigungsanlagen. Hinzu kommen ein Lagergebäude, ein Labor für Batteriezelltests sowie temporäre Logistik- und Parkflächen. Rodungen waren dafür nicht nötig. In einer Stellungnahme verweist Tesla darauf, dass mit diesem Bescheid “die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit dafür festgestellt worden” sei. Der Antrag für das nördliche Produktionsgebäude knüpfe daran an.
Vor diesem Hintergrund umfasst die zweite Stufe neben der Halle auch ein eigenes Umspannwerk und die erweiterte Wasseraufbereitung. Die dritte betrifft die Einbringung von Maschinen sowie einen Güterbahnhof auf dem Gelände. Obwohl alle drei Phasen bereits 2023 beantragt wurden, sind für die beiden letzten weitere Unterlagen nötig.
Ob 2027 die Bagger rollen, bleibt offen
Planungsrechtlich hatte die Gemeindevertretung Grünheide den Bahnhof im Mai 2024 mit elf zu sechs Stimmen über einen verkleinerten Bebauungsplan ermöglicht. Zuvor hatten sich bei einer rechtlich nicht bindenden Bürgerbefragung im Februar 2024 laut taz 65 Prozent der Teilnehmenden gegen die Erweiterung ausgesprochen. Pamela Eichmann (SPD) war damals Vorsitzende der Gemeindevertretung. Nach ihren Angaben soll der Bahnhof die Straßen täglich um rund 1900 Lkw-Fahrten entlasten.
Verbindlich bestätigt ist bislang wenig. Eine Tesla-Sprecherin bestätigte der dpa lediglich, dass der Antrag für die zweite Teilgenehmigung bis Jahresende eingereicht werden soll. Zur Hallengröße machte sie keine Angaben. Den Baustart 2027 nennt der rbb, zum Datum der Beantragung und zum weiteren Zeitplan äußerte sich das Unternehmen auf Anfrage nicht. Zwischen Antrag und Bescheid der ersten Stufe lagen rund 19 Monate, der gesamte Ausbau ist nach rbb-Angaben auf etwa zehn Jahre angelegt.
Quelle: rbb24 – Tesla will im Dezember Unterlagen für weitere Produktionshalle einreichen / Handelsblatt (dpa) – Elektroautos: Tesla schiebt Werksausbau an – Eine Million Autos als Ziel / Tagesspiegel – 1000 weitere neue Jobs: Tesla will Produktion in Grünheide um 20 Prozent hochfahren / ZfK – Nach Tesla-Deal: WSE hebt Stopp bei Lieferungen auf / finanzen.net (dpa-AFX) – Tesla unterschreibt Wasservertrag zu Recycling / MLEUV Brandenburg – Pressemitteilung / taz – Bürgerbefragung zur Werkserweiterung: Grünheide sagt Nein zu mehr Tesla







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