Smart-Meter-Rollout bremst dynamische Stromtarife aus

Smart-Meter-Rollout bremst dynamische Stromtarife aus
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Wer seinen Stromverbrauch gezielt in günstige Börsenstunden verlagern möchte, braucht zwei Dinge: einen dynamischen Tarif und einen intelligenten Stromzähler. Beim Tarif scheint das Interesse zu steigen, beim Zähler hapert es weiterhin. Laut den aktuellsten Zahlen der Bundesnetzagentur war Mitte 2026 in knapp sechs Prozent der deutschen Haushalte ein Smart Meter eingebaut. Deutschland gehört beim Einbau damit weiter zu den Schlusslichtern in Europa.

Eine neue YouGov-Umfrage beleuchtet die andere Seite der Gleichung. Drei Prozent der Befragten geben an, bereits einen dynamischen Stromtarif zu nutzen, weitere 15 Prozent möchten das künftig tun. Zusammengenommen ist das knapp ein Fünftel der Bevölkerung ab 18 Jahren. Ein solcher Tarif orientiert sich am Börsenstrompreis, der viertelstündlich mit Angebot und Nachfrage schwankt und bei viel Wind- oder Sonnenstrom in der Regel besonders niedrig ausfällt.

Für die Einordnung der Ergebnisse lohnt ein Blick auf den Auftraggeber. Die Umfrage stammt von der Smart-Meter-Initiative (SMI), die im Januar 2024 von den digitalen Ökostromanbietern Octopus Energy, Ostrom, Tibber und Rabot Energy gegründet wurde. Alle vier vertreiben selbst dynamische Tarife, die Initiative wirbt erklärtermaßen für einen schnelleren Rollout. Methodisch basiert die Erhebung auf Online-Interviews mit 2043 Mitgliedern des YouGov-Panels, befragt zwischen dem 9. und 12. Oktober 2026, quotiert nach Alter, Geschlecht und Region und anschließend gewichtet.

Hinzu kommt eine inhaltliche Unterscheidung, die in der Kommunikation der SMI wenig Raum erhält. Die 15 Prozent beschreiben eine Absicht, keinen Vertragsabschluss. Auch der Anteil von drei Prozent beruht auf Selbstauskünften der Teilnehmenden. Bekannt sind dynamische Tarife inzwischen mehr als der Hälfte der Erwachsenen, 2024 lag dieser Wert noch bei 38 Prozent. Allerdings weiß nur die Hälfte derer, die den Begriff kennen, was sich tatsächlich dahinter verbirgt.

Dynamischer Stromtarif: Bekannter Begriff, unklarer Inhalt dahinter

Rechnerisch verfügt damit nur rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung über ein konkretes Verständnis des Modells. Matthias Martensen, CEO von Ostrom und Mitgründer der Initiative, liest aus den Zahlen vor allem ein Missverhältnis heraus: „Die Diskrepanz zwischen dem bisher erreichten Smart-Meter-Rollout in Deutschland und der Nachfrage nach optimiertem Stromverbrauch wird in unserer Umfrage deutlich.“

Seine Schlussfolgerung fällt eindeutig aus. „Das Problem ist nicht die mangelnde Nachfrage, sondern weiterhin der schleppende Smart-Meter-Rollout“, so Martensen. Angaben dazu, wie viele Haushalte einen intelligenten Zähler bereits beantragt haben und noch auf den Einbau warten, enthält die Mitteilung nicht. Gemessen wurden Bekanntheit, Wissen und Absichten.

Auch beim Wissen über die Zähler selbst zeigt die Trendstudie, die nun zum dritten Mal erhoben wurde, nur langsame Fortschritte. 39 Prozent geben an, über Smart Meter Bescheid zu wissen, das sind neun Prozentpunkte mehr als 2024. Innerhalb dieser Gruppe nennen 35 Prozent den Messstellenbetreiber als richtige Anlaufstelle für eine Bestellung. Eine Mehrheit hält dagegen fälschlicherweise den Stromanbieter (40 Prozent) oder Vermieter beziehungsweise Hausverwaltung (13 Prozent) für zuständig.

Wer den Zähler bestellt, wissen die wenigsten

An genau dieser Stelle setzt eine Forderung der SMI an: Sie verlangt vereinfachte Anmeldeprozesse für intelligente Zähler. Parallel verweist die Initiative darauf, dass Haushalte zunehmend selbst Teil der Energiewende werden: Fast 30 Prozent besitzen nach eigener Aussage eine entsprechende Technologie.

Die Abgrenzung ist dabei weit gefasst. Neben steuerbaren Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpe oder Wallbox fallen auch PV-Anlagen und Balkonkraftwerke darunter. Für Haushalte ohne solche Großverbraucher setzt die SMI auf eine Ankündigung der Bundesregierung aus dem Juli, ein im Funktionsumfang reduziertes Smart Meter Light einzuführen.

„Mit vereinfachten und günstigeren Zählern könnten Haushalte ohne Großverbraucher, wie Wallbox oder Wärmepumpe, trotzdem von günstigem Strom durch dynamische Stromtarife profitieren und gleichzeitig mehr Kontrolle über ihren Stromverbrauch gewinnen“, erklärt Martensen. Die Verantwortung für den Fortschritt verteilt er auf mehrere Schultern. Stromanbieter, Messstellenbetreiber und Bundesregierung könnten „nur gemeinsam dafür sorgen, endlich mehr Tempo in den Rollout zu bekommen“.

Quelle: Smart-Meter-Initiative (SMI) – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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