In der Innenstadt und in engen Wohnvierteln sind Ladeplätze für E-Autos oft Mangelware. Doch wo der Platz für klassische Ladesäulen fehlt, könnten Ladebordsteine bald Abhilfe schaffen. Kassel und Bad Homburg testen nun die neue, direkt im Bordstein verankerte Technologie.
In der Goethestraße im vorderen Westen von Kassel haben die Städtischen Werke Anfang Oktober zwei derartige Ladepunkte in Betrieb genommen. Diese sind ganz bewusst in einem Wohngebiet platziert, da die meisten Bewohner dort weder über Stellplätze noch über eine eigene Wallbox verfügen. Dementsprechend groß ist der Bedarf an platzsparenden Lademöglichkeiten.
Die Ladebordsteine liefern dabei jeweils 22 Kilowatt Wechselstrom und es kann per Ladekarte oder auch direkt per QR-Code gezahlt werden. Der anstehende Winter stellt für die verbaute Technik kein Problem dar: Schließlich sind die von Rheinmetall hergestellten Bordsteine beheizt und wasserfest.
Der größte Vorteil dieser Ladetechnik liegt den städtischen Werken zufolge darin, dass die Technik in ein ohnehin im Parkstand verbautes Teil integriert ist. Dadurch sei „weniger Bodenversiegelung beispielsweise von Grünflächen notwendig.” Zudem könnten Parkplätze und die bestehende Gehwegbreite beibehalten werden und der Kabelweg zum Auto lasse sich dank der Bordsteine verkürzen.
Die Kosten für das Pilotprojekt beliefen sich auf 3000 bis 4000 Euro pro Ladebordstein. Damit liegt der Stückpreis zwar etwas über dem einer normalen Ladesäule, doch dafür kann bei der Errichtung gespart werden, da kein Fundament nötig ist. Sollten die Ladebordsteine gut angenommen werden und problemlos funktionieren, könnten in Kassel bald noch weitere installiert werden. Dafür prüfen die Werke bereits weitere mögliche Standorte.
Zur Einordnung sei angefügt, dass Kassel bereits 310 öffentliche Ladepunkte betreibt, wobei 2026 noch einmal insgesamt 18 hinzukommen. Für 2027 sollen 40 weitere eingerichtet werden. Dem VDA-Ladenetz-Ranking zufolge belegt die Stadt damit im Verhältnis zu den zugelassenen E-Autos Platz 1 in ganz Hessen.
Ein Jahr Erfahrung auf einem Betriebsgelände in Bad Homburg
Auf dem Betriebsgelände der Stadtwerke von Bad Homburg laufen schon seit Oktober 2025 drei Ladebordsteine. Im vergangenen Jahr hat es dabei der Stadt zufolge keinerlei Ausfälle gegeben und die Bedienung hat sich als sehr intuitiv herausgestellt. Demnach sei die Erfahrung mit Ladebordsteinen bisher durchweg positiv und der Test soll nun auf den öffentlichen Raum ausgeweitet werden.
Die einzigen echten Nachteile sieht man in Bad Homburg in dem einzelnen Ladepunkt pro Bordstein sowie im Umstand, dass man sich zur Authentifizierung bücken muss. Bisher können die Gesamtkosten für das Testprojekt noch nicht beziffert werden, doch absehbar werden sie wohl über denen von Ladesäulen liegen.
Es sind eben auch diese in einer Testphase höheren Kosten, welche manche andere Städte zögern lassen. So plant Darmstadt aus wirtschaftlichen Gründen keine Implementierung der Technologie und der ADAC Hessen-Thüringen erwartet aufgrund der höheren Kosten keine flächendeckende Umsetzung. Wohl räumt er aber ein, dass Ladebordsteine vor allem in innerstädtischen und historischen Bereichen eine platzsparende Lösung sein können. Köln testet Ladebordsteine zudem bereits seit 2024 in größerem Umfang.
Quellen: ZEIT – Ladebordsteine für E-Autos: Welche Städte die Technik testen / Städtische Werke Kassel – Pressemitteilung / VDA – VDA-E-Ladenetz-Ranking







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