Das Ergebnispapier des heutigen Koalitionsausschusses enthält unter seinen 34 Maßnahmen konkrete Beschlüsse für die Digitalisierung der deutschen Stromnetze. Die Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD schärft den Smart-Meter-Rollout an mehreren Stellen nach und greift dabei zentrale Forderungen auf, die die Smart-Meter-Initiative (SMI) seit Jahren erhebt. Die Initiative wurde vor drei Jahren von Octopus Energy, Tibber, Ostrom und Rabot Energy gegründet und hatte wiederholt auf strukturelle Hemmnisse beim Rollout sowie auf ökonomische Nachteile durch die Fragmentierung der Messstellenbetreiber hingewiesen.
Kern des Maßnahmenpakets ist die Einführung eines sogenannten Smart Meter Lights für alle Haushalte, die nicht unter den verpflichtenden Rollout fallen. Dieser vereinfachte, kostengünstige und cybersichere Zähler soll Millionen von Verbraucher:innen erstmals Zugang zu dynamischen Stromtarifen eröffnen. Solche Tarife setzen einen finanziellen Anreiz, Strom genau dann zu verbrauchen, wenn er im Netz günstig und grün ist, etwa bei hoher Einspeisung aus Solar- oder Windkraft. Die Zulassung eines solchen vereinfachten Messgeräts gehörte zu den zentralen Forderungen der SMI.
Ein weiterer Baustein ist die geplante zentrale Datenplattform für Netzausbau, Netzauslastung und Anschlusskapazitäten. Hintergrund ist die stark fragmentierte Landschaft der Messstellenbetreiber: Deutschland zählt aktuell knapp 900 Netzbetreiber. Anstatt dass jeder von ihnen eigene, isolierte IT-Systeme entwickelt, sollen Softwarelösungen künftig kooperativ erarbeitet und deutschlandweit einheitlich eingesetzt werden. Die SMI hatte wiederholt auf die ökonomischen Hürden dieser Marktfragmentierung hingewiesen und eine gemeinsame Infrastruktur gefordert.
Erleichterungen sind außerdem beim Einbau in Mehrfamilienhäusern und Wohnquartieren geplant. Bislang musste für jede Wohneinheit eine aufwendige Einzelprüfung koordiniert werden, was den Einbau in Gebäuden mit vielen Parteien erheblich verzögerte. Künftig sollen Messstellenbetreiber Sammel- und Quartiersbestellungen in einem Schritt abwickeln können, während Dokumentations- und Meldepflichten auf ein Minimum reduziert werden. Das übergeordnete Ziel: Bis Ende 2030 soll der Rollout für alle relevanten Messstellen zu über 90 Prozent abgeschlossen sein.
Branche begrüßt Kurs, mahnt aber zur Sorgfalt
Aus der Energiewirtschaft kommen positive, teils aber differenzierte Reaktionen. Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), lobte das Paket als wirksame Grundlage, um Unternehmen zu entlasten und die Energieversorgung resilienter aufzustellen. Beim Smart Meter Light plädiert der Verband jedoch für Zurückhaltung: Der Einbau solle „wie bisher auf Kundenwunsch möglich sein“, ohne den laufenden Rollout der Intelligenten Messsysteme zu bremsen. Zur geplanten Datenplattform mahnte Andreae, Transparenz müsse mit dem Sicherheitsbedarf kritischer Infrastruktur in Einklang gebracht werden.
Die Unternehmen der SMI reagierten deutlich enthusiastischer. Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Germany, sprach von einer „großartigen Nachricht für die Energiewende“, die Millionen Stromkund:innen zugutekommen werde, und betonte, es komme nun auf eine zügige Umsetzung der Beschlüsse an. Dr. Ralf Walther, Energy Market Lead bei Tibber Deutschland, sieht in dem Smart Meter Light einen potenziellen Gamechanger, der Millionen Haushalte aus der bürokratischen Warteschleife befreien und das Tor zu dynamischen Tarifen öffnen könnte.
Quelle: Bundesregierung – Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung / Smart-Meter-Initiative – Pressemitteilung per Mail / BDEW – Pressestatement zum Programm des Koalitionsausschusses per Mail









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