Im aktuellen Podcast spreche ich mit Achim Hirsch, General Manager von Octopus Electric Vehicles in Deutschland. Den Namen Octopus kennst du vermutlich aus dem Energiemarkt, der Ableger für Elektroautos ist hierzulande dagegen noch frisch. Seit dem 1. Januar baut Achim das Geschäft auf, im Juli ging das Angebot live, bis Jahresende soll das Team auf fast 20 Leute wachsen. Seine Wurzeln liegen in der Mobilitätsbranche, unter anderem bei Enterprise, Hertz und Car2Go, wo er in Stuttgart, Amsterdam und Paris erstmals mit rein elektrischen Flotten zu tun hatte.
Octopus Electric Vehicles gehört zur britischen Octopus Energy Group, einem Energie- und Technologiekonzern. Das Modell dahinter: Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitenden ein Elektroauto über die Gehaltsumwandlung an. Achim erklärt es neuen Kund:innen meist mit einem Vergleich, den fast jede:r kennt. Es funktioniere “genau wie das Jobrad, nur eine Nummer größer gedacht”. Mit über 2,5 Millionen Rädern in diesem Modell auf deutschen Straßen ist das Prinzip auf beiden Seiten längst verstanden, was viel Erklärarbeit spart.
Zielgruppe sind vor allem Beschäftigte ohne Dienstwagen, und zwar quer durch alle Gehaltsklassen. Achten müsse man lediglich auf die Mindestlohngrenze. Spannend fand ich, dass auch Dienstwagenfahrer:innen zugreifen, um sich einen kleinen Stromer als Zweitwagen für die Familie dazuzuholen. Für Arbeitgeber wiederum ist das Angebot ein Benefit, mit dem sich Mitarbeitende langfristig binden lassen.
Die Rechnung dahinter ist schnell erklärt. Wer auf einen Teil seines Bruttogehalts verzichtet, zahlt die Rate vor Steuern und senkt damit Lohnsteuer und Sozialabgaben. Hinzu kommt die Versteuerung des geldwerten Vorteils, die beim Elektroauto bei 0,25 Prozent liegt. Am Beispiel eines Kompakt-SUV rechnet Achim vor: Privat geleast landet man je nach Steuerklasse und Einkommen bei rund 550 bis 600 Euro im Monat, über Octopus bei etwa 350 bis 360 Euro netto. Das entspricht einer Ersparnis von ungefähr 40 Prozent.
Alles in einer Rate, ohne böse Überraschung
In der Rate steckt dabei weit mehr als das Auto selbst. Zulassung, Zustellung bis vor die Haustür, Bereitstellungskosten, Vollkaskoversicherung, Reifen für die gesamte Laufzeit sowie Wartung und Inspektion sind inbegriffen. Obendrauf gibt es jährlich 250 Euro Ladeguthaben für das hauseigene Ladenetzwerk Electroverse. Achim spricht von einem Programm “ohne Start und ohne Endkosten”.
Bei der Auswahl gilt das User-Chooser-Prinzip. Über 20 Marken stehen bereit, bis Jahresende sollen es rund 25 sein, von deutschen Premiumherstellern über amerikanische, koreanische und japanische bis zu chinesischen Anbietern. Möglich sind Laufzeiten von zwei bis vier Jahren und 5000 bis 30.000 Kilometer im Jahr. Als Besonderheit nennt Achim die Konfigurationstiefe: Schnell verfügbare Autos kommen vom Compound, ausgefallene Wünsche lassen sich ab Werk bestellen, dann mit einigen Monaten Wartezeit.
Der Weg zum Auto beginnt mit einem Rahmenvertrag zwischen Arbeitgeber und Octopus. Freigeschaltete Mitarbeitende loggen sich anschließend auf einer eigenen Landingpage ein, geben Gehalt, Steuerklasse und Pendelstrecke an und stellen sich ihr Wunschauto zusammen. Das Gehalt sieht Achims Team dabei nicht. Bevor unterschrieben wird, prüft die Lohnabrechnung weitere Umwandlungen wie betriebliche Altersvorsorge, ein Jobrad oder eine Lohnpfändung. Wer unsicher ist, kann vorab ein halbstündiges Beratungsgespräch buchen.
Auch bei der Rückgabe setzt Octopus auf Transparenz. Ein Rückgabekatalog legt fest, was als Kratzer, Beule oder Schaden gilt, zusätzlich gibt es einen Freibetrag von 500 Euro für kleine Gebrauchsspuren. Schon bei der Übergabe an der Haustür wird der Zustand per Foto dokumentiert. Man wolle die Kund:innen nicht nur im Auto halten, sondern “vor allem in der Octopuswelt”.
Volle Auftragsbücher und ein klares Ziel
Dahinter steckt der Gedanke eines Ökosystems. Octopus bietet neben Autos auch Stromtarife, Wärmepumpen und Wallboxen an, mittelfristig sollen intelligenter Tarif und Fahrzeug zusammenwachsen. Die ersten Autos rollen bereits, die Auslieferungen reichen wegen langer Lieferzeiten bis in den März. Bis September oder Oktober kommenden Jahres peilt das Team einen vierstelligen Fahrzeugbestand an, die Nachfrage beschreibt Achim als “immens”.
Neben dem direkten Vertrieb über Werbung, Social Media und Messen wie die Zukunft Personal in Köln setzt Octopus darauf, dass Mitarbeitende das Thema selbst in ihr Unternehmen tragen. Genau darüber kamen bereits zahlreiche Anfragen. Wie das Angebot im Markt ankommt, besprechen wir in gut einem Jahr in einem Update. Jetzt aber genug der Vorrede, lass uns direkt ins Gespräch mit Achim einsteigen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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