Für Eigentümer:innen von Handels-, Büro- und Gewerbeimmobilien rückt ein konkretes Datum näher. Ab dem 1. Januar 2027 müssen bestehende Nichtwohngebäude mit mehr als 20 Stellplätzen einen Ladepunkt je zehn Stellplätze vorweisen. Bislang reichte ein einziger Ladepunkt aus. Die entsprechende Novelle des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes haben Bundestag und Bundesrat im Juli beschlossen.
Alternativ kann mindestens die Hälfte der Stellplätze mit Leitungsinfrastruktur ausgestattet werden. Für öffentlich zugängliche Stellplätze, wie sie im Handel die Regel sind, eröffnet das Gesetz zudem einen dritten Weg: Die Pflicht gilt auch dann als erfüllt, wenn die gesamte Ladeleistung mindestens 1,1 Kilowatt je Stellplatz erreicht. Eingeordnet hat diese Entwicklung das Münchner Technologieunternehmen Wemolo, das nach der Expo Real sieben Trends rund um Parkraum in der Immobilienwirtschaft benannt hat. Der Anbieter für schrankenloses Parkraummanagement bewirtschaftet europaweit mehr als 4500 Parkflächen mit rund 370.000 Stellplätzen.
Der Markt ist dem Gesetz dabei bereits ein Stück voraus. Anfang August zählte die Bundesnetzagentur rund 212.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Deutschland. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wuchs der Bestand reiner Elektroautos binnen eines Jahres um 23 Prozent auf über zwei Millionen. Insgesamt sind hierzulande 49,5 Millionen Pkw zugelassen, seit 2008 ein Plus von gut 20 Prozent.
Parallel dazu fällt in mehreren Bundesländern die Pflicht, überhaupt Stellplätze zu bauen. Hamburg hat sie durch einen Mobilitätsnachweis ersetzt, in Bayern entscheiden die Gemeinden per Satzung, Berlin und Brandenburg kennen eine allgemeine Stellplatzpflicht seit Jahren nicht mehr. „Die Fläche bekommt nicht mehr Quadratmeter, nur mehr Aufgaben“, sagt Jakob Bodenmüller, CEO und Mitgründer von Wemolo.
Nicht die Ladesäule, sondern das Netz bremst
Die eigentliche Hürde liegt laut Wemolo selten bei der Ladehardware. Entscheidend ist der Netzanschluss: Wer zehn Ladepunkte plant, benötigt eine Leistung, die viele lokale Verteilnetze nicht ohne Weiteres bereitstellen können. Wie viel davon ein Standort gleichzeitig abruft, lässt sich wiederum nur aus der tatsächlichen Nutzung der Fläche ableiten.
Hier kommt Kameratechnik ins Spiel, die ursprünglich installiert wurde, um Fremdparker:innen fernzuhalten. Über die Kopplung von Kennzeichenerkennung und Abrechnung entsteht eine Kennzahl, die Eigentümer:innen und Betreiber:innen bislang nur schätzen konnten: wie viele der Autos auf einem Parkplatz tatsächlich elektrisch fahren. Hinzu kommen Daten zur Auslastung nach Stunde und Wochentag sowie zu Verweildauern.
Verbreitet ist diese Form der Erfassung bereits im Lebensmittelhandel. Edeka erfasst mit Wemolo mehr als 250 Standorte mit 27.000 Stellplätzen kamerabasiert. Einer Befragung von Riverty aus dem Jahr 2024 zufolge trifft in Deutschland ein Drittel der Autofahrer:innen auf schrankenlose Flächen, in Norwegen sind es drei von vier.
„Ob ein Fachmarktzentrum zehn oder dreißig Ladepunkte braucht, lässt sich mit dieser Zahl erstmals begründen“, erklärt Dominic Winkler, Head of Sales und Business Development Real Estate bei Wemolo. Die Entscheidung nehme sie Eigentümer:innen zwar nicht ab, so Winkler. Geplant werde der Ausbau damit aber nicht mehr ins Blaue.
Strom, Schatten und Grün auf einem Quadratmeter
Neben dem Laden soll dieselbe Fläche künftig auch Strom erzeugen. Mehrere Bundesländer schreiben für neu gebaute Parkplätze ab einer festgelegten Größe Photovoltaik vor. Nach Berechnungen des Fraunhofer ISE ließen sich auf deutschen Parkplätzen rund 59 Gigawatt Solarleistung installieren.
Zugleich wächst der Anspruch an Grün und Versickerung. Laut einer Befragung des IFH Köln nehmen 48 Prozent die Konkurrenz zwischen Parkraum und Grünflächen bereits wahr, 84 Prozent wünschen sich mehr Grün in den Innenstädten. Ein Solarcarport spendet zwar Schatten, ersetzt aber weder einen Baum noch eine Fläche, auf der Regenwasser versickern kann.
Welche Kombination aus Parken, Laden und Stromerzeugung vor Ort trägt, hängt nach Einschätzung von Wemolo davon ab, wann die Fläche wofür gebraucht wird. Mehrfachnutzung ist dabei längst kein Gedankenspiel mehr: Bei Aldi Süd sind an über 20 Standorten Stellplätze über Wemolo buchbar, für fünf Euro pro Nacht oder 50 Euro im Monat. Netto Marken-Discount vermietet an rund 150 Filialen freie Plätze außerhalb der Öffnungszeiten.
Bodenmüller verweist darauf, dass der Bedarf je nach Standort unterschiedlich ausfällt. „Parkraum ist kein Selbstzweck. An dem einen Standort braucht es mehr davon, an dem anderen weniger“, sagt er. „Wer weiß, wie seine Fläche genutzt wird, muss diese Entscheidung 2027 nicht raten.“
Quelle: Wemolo – Pressemitteilung








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