Im aktuellen Podcast betrete ich Neuland. Zum ersten Mal geht es nicht um ein Auto, eine Ladesäule oder ein Geschäftsmodell, sondern um ein Spiel. Mein Gast ist Sebastian Giove, der als Indie-Entwickler in seiner Freizeit VoltFracht gebaut hat, ein Dispositionsspiel rund um E-Logistik. Beruflich ist er in der Medien-IT tätig, das Interesse an Technik begleitet ihn schon lange. Richtig Fahrt aufgenommen hat seine Leidenschaft für Elektromobilität vor zwei Jahren, als er selbst ein Elektroauto angeschafft hat.
Bei VoltFracht schlüpfst du in die Rolle eines Disponenten. Du kaufst dir einen E-Lkw und schickst ihn quer durch Europa, gespielt wird im Browser oder per App auf Apple- und Android-Geräten. Die Grundidee war, eine echte Karte zu nutzen und die realen Ladestationen eins zu eins abzubilden, inklusive Kapazität und Ladeleistung. So möchte Sebastian dem Vorurteil begegnen, elektrischer Güterverkehr sei ohnehin viel zu schwierig. Wer mag, schließt sich mit bis zu zehn Mitspieler:innen zusammen und arbeitet sich gemeinsam in der Rangliste nach oben.
Auffällig ist, wie weit der Realismus reicht. Der Verbrauch hängt von Höhenprofil, Zuladung und Tempolimits ab, Serpentinen schlagen spürbar auf den Ladestand durch. „Da ist ein bisschen der Perfektionismus teilweise durchgegangen“, gibt Sebastian offen zu. Selbst die Belegung der Ladesäulen merkt sich das Spiel in der Datenbank. Solange er vor allem allein und mit seinem Sohn spielte, fiel das kaum ins Gewicht. Mit den ersten 100 Spieler:innen kamen dann Meldungen über Lkw, die festhingen und sich nicht umdisponieren ließen, also musste er nachbessern.
Wo das Ladenetz im Spiel an Grenzen stößt
Online ist VoltFracht seit rund einem Monat, entwickelt hat Sebastian es seit Mai. Nach einem Bericht bei Electrive wuchs die Zahl der Anmeldungen deutlich. Geblieben ist ungefähr ein Drittel, das täglich vorbeischaut. Für Simulationen und Strategiespiele sei das viel, denn „branchenüblich sind so 20 Prozent“, erklärt er.
Spannend finde ich, was das Spiel über das reale Ladenetz verrät. Schon als Einzelspieler stieß Sebastian in Osteuropa an Grenzen und musste die Ladeleistung dort auf 50 Kilowatt herabsetzen, um flüssig spielen zu können. Mit inzwischen 1000 Spieler:innen werden Engpässe auf der Karte sichtbar. Lkw warten länger oder fahren gegen eine kleine Strafgebühr leer zum nächsten Routenpunkt, und in der Community mehren sich mahnende Worte, dass die Abdeckung noch nicht ausreicht.

Der Austausch läuft über einen Discord-Server, den ein früher Spieler angeregt und Sebastians Sohn eingerichtet hat. Dort lassen sich Fehler melden und Vorschläge einbringen. Jede Woche erscheint ein Update, das die Fehler der Vorwoche behebt, eine eigene Idee umsetzt und einen Wunsch aus der Community aufgreift. Wasserstoff stand bislang nicht auf der Liste, gefragt ist eher mehr Tiefe bei der Ladeplanung, bis hin zum Umdisponieren während der Fahrt.
Interessant ist auch der Blick aufs Depot. Zwar lässt sich der Lkw von dort zu umliegenden Ladesäulen schicken, doch „du willst den Lkw ja in Bewegung halten“. Fährt der Truck von Hannover nach Spanien, soll der nächste Auftrag möglichst direkt von dort starten. Wichtig ist das Startdepot vor allem, weil es die Nachbarländer freischaltet, weshalb der Schwerpunkt aktuell in Deutschland liegt.
Wetterdaten, Strompreise und der Blick nach vorn
Mit dem nächsten Update werden Wetterdaten sichtbar, die bereits jetzt den Verbrauch beeinflussen. Im Winter dürften südliche Länder deshalb reizvoller werden als Touren im Norden, wo sich der Akku schneller leert. Die Ladestandorte sind fest hinterlegt, die Ladepreise ruft das Spiel täglich ab und legt sie pro Land fest. Für später hat Sebastian das Megawattladen (MCS) samt passender Lkw im Blick.

Ebenso kann er sich Kooperationen mit Herstellern vorstellen, Sonder-Trucks etwa zu Halloween gibt es bereits. Neueinsteiger:innen führt ein Onboarding durch die ersten Schritte. Sebastians Tipp: nicht auf die Rückkehr des ersten Lkw warten, sondern direkt den zweiten oder dritten kaufen, das Startkapital reicht dafür. Ein Account funktioniert plattformübergreifend, die aktuellste Version läuft im Browser, zu finden unter voltfracht.sgio.app.
Nun aber genug der Vorrede, lass uns direkt ins Gespräch mit Sebastian einsteigen.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








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