Dynamischer Stromtarif: Wer davon profitiert, wer nicht

Dynamischer Stromtarif: Wer davon profitiert, wer nicht
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

In der aktuellen Folge des EAN-Podcasts spreche ich mit Paul Schieber. Er ist Product Manager im Flex-Team von Octopus Energy und verantwortet dort die Stromtarife, die über das klassische Modell hinausgehen, also alles rund um Gerätesteuerung und intelligente Preisstrukturen. Octopus Energy wurde vor gut zehn Jahren in Großbritannien gegründet, ist dort inzwischen der größte Energieanbieter und mittlerweile auch in Deutschland und weiteren europäischen Ländern aktiv.

Gleich vorweg auch noch folgender Transparenzhinweis: Ich bin selbst seit vergangenem Jahr Kunde und habe mir im November 2025 ein Smart Meter installieren lassen, weshalb mich das Thema auch persönlich beschäftigt.

Der Smart Meter als Nadelöhr der Energiewende

Bevor überhaupt ein dynamischer Stromtarif genutzt werden kann, braucht es die technische Basis, und genau da hakt es in Deutschland. Der Rollout von Smart Metern liegt aktuell bei rund 5,5 Prozent, bei Pflichteinbaufällen wie großen Verbrauchern oder PV-Anlagen sind es etwa 23 Prozent. Länder wie Italien, Frankreich oder die Niederlande bewegen sich dagegen längst nahe der 100 Prozent.

Schieber macht dafür vor allem die föderale Struktur verantwortlich: Über 700 Netzbetreiber sind in Deutschland an Anmeldung und Freischaltung beteiligt, und während die großen digital gut aufgestellt sind, fehlt es bei vielen kleinen an Tempo. „Wir sind wirklich ganz am Anfang, wir sind immer noch in den Kinderschuhen“, fasst er die Lage zusammen.

Ist das Smart Meter erstmal aktiv, bringt es laut Schieber zwei zentrale Vorteile mit sich: Die Angst vor einer Nachzahlung entfällt, weil der tatsächliche Verbrauch transparenter nachvollziehbar wird, und es öffnet die Tür zu Tarifen jenseits des Einheitspreises. Weil der klassische Rollout vielen zu langsam geht, setzt Octopus zusätzlich auf ein vereinfachtes Modell namens Smart Meter Light, das auf digitalen Zählern aufbaut und ganze Straßenzüge statt einzelner Haushalte versorgen soll.

Wie das E-Auto automatisch günstig lädt

Wer ein E-Auto besitzt, kann laut Schieber besonders von dynamischen Tarifen profitieren, weil sich Ladevorgänge gut in günstige Zeitfenster verschieben lassen. Über die Octopus-App lässt sich das Fahrzeug verbinden, Abfahrtszeit und gewünschter Ladestand angeben, meist 80 Prozent, und das System sucht die günstigsten Viertelstunden im verfügbaren Zeitfenster heraus. Damit werden auch Lastspitzen am frühen Abend entzerrt, wenn viele Menschen gleichzeitig nach Hause kommen und ihr Auto anstecken oder den Herd einschalten. Wer dagegen wenig Flexibilität im Alltag hat, etwa ein Studierendenhaushalt ohne steuerbare Großverbraucher, profitiert entsprechend weniger, macht Schieber im Gespräch klar.

Ein weiterer Baustein sind kompakte Batteriespeicher, die sich über eine normale Schuko-Steckdose anschließen lassen, keinen Elektriker benötigen und sich für Mietwohnungen ohne PV-Anlage eignen. Mit rund zwei Kilowattstunden Kapazität lassen sich abendliche Verbrauchsspitzen abfedern, die Investition liegt im niedrigen dreistelligen Bereich und amortisiert sich nach Angaben von Schieber innerhalb weniger Jahre.

Ab kommendem Jahr entfällt zudem die sogenannte Doppelbelastung für Batteriespeicher, wodurch neben dem Eigenverbrauch auch Arbitragegeschäfte möglich werden, also der Einkauf zu günstigen und der Verkauf zu teureren Zeiten. Schieber sieht darin einen Baustein für mehr soziale Gerechtigkeit bei der Energiewende, da bislang vor allem Haushalte mit Eigenheim und ausreichend Kapital für PV-Anlage, Wärmepumpe oder E-Auto von Förderungen profitiert hätten.

Direktanbindung statt Abhängigkeit von Dritten

Ein Thema, das in der Branche für Unruhe sorgte, war die Abschottung der Schnittstellen zur Ladesteuerung durch Automobilhersteller wie Volkswagen und BMW gegenüber Drittanbietern. Octopus hatte sich frühzeitig auf direkte Anbindungen an beide Hersteller vorbereitet, sodass Kund:innen laut Schieber keinerlei Unterbrechung bei der smarten Ladesteuerung bemerkten. Zum Thema bidirektionales Laden verweist er zudem auf Erkenntnisse aus mehreren Tests und Studien, wonach Fahrzeugbatterien eher an ihrer kalendarischen Alterung (mit dann mehr als 20 Jahren, wie etwa die TU München errechnet hat) als an der Zahl der Ladezyklen an ihre Grenzen stoßen, was die Sorge vor zusätzlichem Verschleiß durch Vehicle-to-Grid relativiert.

Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre verweist Schieber gerne auf Skandinavien, wo dynamische Tarife längst Standard sind. In Deutschland befindet sich nach seiner Einschätzung noch etwa ein Drittel aller Haushalte in der Grundversorgung und zahlt damit spürbar mehr als nötig. Das als Hinweis, solltest du dich in diesem Tarifbereich bewegen. Nun aber genug der Vorworte, lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen.

Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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