Smart #5: Viel Auto für Familien – erste Fahrt im Erlkönig

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Vanessa Lisa Oelmann
Vanessa Lisa Oelmann
  —  Lesedauer 9 min

Hui, die werden ja immer größer: Die Marke Smart, einst für winzige Stadtautos bekannt, bringt im zweiten Quartal des kommenden Jahres mit dem #5 ein mittelgroßes Premium-SUV auf den Markt und sorgte bereits im Voraus mit Versprechungen einer wahnsinnigen Ladeleistung für großes Aufsehen in der Branche. Ein tatsächlicher Gamechanger oder nur viel heiße Luft?

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Ich durfte in einem Prototypen des #5 mitfahren und freue mich darüber, meine ersten Eindrücke mit euch teilen zu dürfen.

Smart #5: Viel Auto mit viel Platz

Dass der Smart #5 seine Markengeschwister deutlich in puncto Außenabmessungen übertrifft, sollte bereits beim Anblick des Konzeptfahrzeugs bewusst geworden sein. Nun haben wir erstmals handfeste Daten zum Serienfahrzeug: Beachtliche 4,70 Meter ist die Nummer Fünf lang, 1,70 Meter misst das kantig gestaltete Auto in der Höhe. Die schwarzweiße Folierung umspielt die Silhouette des Fahrzeugs, doch mir wird versichert, dass das Konzeptfahrzeug mit Ausnahme der diversen Offroad-Details optisch sehr nah am Serienmodell sei.

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Der Radstand von 2,90 Metern verspricht luxuriöse Platzverhältnisse auf allen Sitzen, und tatsächlich werde ich beim Probesitzen auf der Rückbank nicht enttäuscht. Mit meinen 1,73 Metern Körpergröße bin ich sicherlich keine Referenz für hochgewachsene Männer, behaupte aber, dass auch die im #5 sehr komfortabel reisen können.

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Auch für Gepäck gibt es mehr als genug Platz: 630 Liter Stauraum bietet der Kofferraum, bei umgeklappter Rückbank werden daraus 1530 Liter. Besonders freue ich mich darüber, dass der 72 Liter große Frunk beleuchtet wird und man nachts beim #5 nicht mit der Handy-Taschenlampe in der einen Hand das Ladekabel unbeholfen mit der anderen Hand aufrollen und verstauen muss. Und wem der ganze Stauraum nicht genügt, der kann zusätzlich noch 1,6 Tonnen an die elektrisch ausfahrbare Anhängerkupplung hängen.

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Riesige Displaylandschaft mit „reiferem“ Infotainment

Ab auf den Beifahrersitz. Das Cockpit ist natürlich noch vollständig abgedeckt, lediglich die riesige Displaylandschaft wurde von dem schwarzen Stoff ausgespart. Die beiden links und rechts in eine halbrunde Form eingelassenen 13 Zoll großen OLED-Screens – je einer für den Fahrer und einer für den Beifahrer – wirken dadurch gleich doppelt so imposant. Das Infotainmentsystem beinhaltet all die typischen Elemente, die wir bereits vom #1 und #3 kennen (und lieben!), beispielsweise die im Comic-Stil gezeichnete Weltkugel, die je nach gewähltem Fahrmodus ihre Optik ändert, oder der tierische Avatar im rechten unteren Eck des Hauptdisplays.

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Beim #1 ist dieser kleine animierte Begleiter ein Fuchs, beim #3 ein Leopard und hier ein majestätisch dreinblickender weiß-blauer Löwe, der deutlich weniger aktiv ist als die anderen Avatare und sich geziemt in seiner Ecke des Bildschirms drapiert. Im Laufe der Mitfahrt wird mir unterschwellig bewusst, dass der #5 reifer und weniger verspielt wirken will als seine jüngeren Geschwister, ohne jedoch seine Smart-Identität aufzugeben – jup, ich würde sagen, das ist den Entwicklern gut gelungen. Das Sennheiser-Soundsystem mit 20 Lautsprechern inklusive eines ausfahrbaren Speakers konnte ich aus zeitlichen Gründen leider nicht testen.

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Sehr praktisch für lange Fahrten oder Ladepausen sind die Streamingoptionen, die im #5 zur Verfügung stehen. YouTube, Prime Video, Joyn, Disney+ und sogar TikTok sind vor mir ausgebreitet. Netflix war im Prototypen nicht installiert, soll es aber in der Serie ebenfalls geben. Gestreamt werden kann auf dem Hauptdisplay, wenn Fahrer und Beifahrer gemeinsam einen Film anschauen wollen, oder auf dem Beifahrerdisplay während der Fahrt.

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Der Fahrer selbst sieht nicht, was auf dem Beifahrerdisplay abgebildet wird, um nicht vom Verkehrsgeschehen abgelenkt zu werden. Nebst dem 10,25 Zoll großen Tachodisplay – ja, das Cockpit besteht gefühlt nur aus Displays – gibt es übrigens auch noch ein Head-Up-Display, dieses kann ich vom Beifahrersitz aus aber nicht einsehen. Sehr gut gefällt mir auch das dunkelbraune, perforierte Leder, mit dem der Erlkönig ausgestattet ist. Die petrolblauen Gurte seien nicht final, wird mir gesagt, mir persönlich gefällt der gedeckte Blaugrüngrau-Ton aber sehr gut und ich würde mich freuen, diese Gurte auch beim Serienfahrzeug zu sehen.

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Fährt gut, lädt noch besser

Endlich geht es auf die Straße! Das Fahrwerk macht auf mich einen sehr guten ersten Eindruck und kommt der Performance eines Luftfahrwerks erstaunlich nahe. Wir rollen auf 20 Zöllern, insofern Smart für den #5 noch kleinere Reifen anbietet, wäre das Fahrgefühl nochmals weicher. Auch die Geräuschkulisse fällt sehr angenehm aus, die Abrollgeräusche sind sehr leise und auch die recht geringen Windgeräusche überraschen mich positiv – ich hatte in Anbetracht der doch sehr klobigen Außenspiegel mit lauterem Säuseln gerechnet.

Besonders freue ich mich darüber, dass auch der #5 dank s-Pedal zwischen Gleiten und One-Pedal-Driving variieren kann. Leider erlauben nicht alle Fahrzeuge das Fahren mit einem Pedal und rollen trotz starker Rekuperation ab 8 km/h unbeirrt weiter, sodass man an jeder Ampel und jedem Stoppschild die mechanische Bremse nutzen muss.

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Der Erlkönig, in dem wir unterwegs sind, ist der heckgetriebene #5 mit dem großen Akku, also quasi die Vertreter-Edition. Der 267 kW starke Elektromotor mit 373 Nm Drehmoment ermöglicht in Kombination mit dem 100 kWh großen Lithium-Ionen-Akku realistische Reichweiten von mehr als 500 Kilometern.

Das wirklich Beachtliche ist allerdings nicht die Reichweite, sondern die Ladegeschwindigkeit, die der Smart theoretisch am Schnelllader abrufen könnte – nur leider gibt es derzeit kaum eine Schnellladesäule, an der das volle Potenzial ausgeschöpft werden könnte. Selbst der Alpitronic HYC400 wäre, so verrückt es klingt, für den Wagen zu schwach. Denn der Smart kann mit bis zu 420 kW geladen werden.

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Natürlich bin ich total aufgeregt, als wir auf das Gelände des EnBW-Schnellladeparks in Rutesheim rollen. Hier gibt es leider keine 400-kW-Charger, aber bei kaltem Akku und wenigen Kilometern Fahrt kann die volle Ladeleistung trotz zehnminütiger Vorkonditionierung ohnehin nicht abgerufen werden. Bei 27 Prozent SoC stecken wir an und kommen immerhin auf 240 kW. Bei einem Kollegen seien es gestern knapp unter 300 kW gewesen, wird mir erzählt, aber da sei der Akku etwas wärmer und der Ladepark komplett leer gewesen.

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Bei unserem Besuch ist die Hälfte der Stationen belegt, ein paar Meter entfernt weiter lädt ein Erlkönig des 2025 erscheinenden vollelektrischen Porsche Cayenne. Dieser wird ebenfalls über ein 800-Volt-System verfügen, allerdings wohl keine 420 kW in der Spitze abrufen können, und dennoch das Portemonnaie deutlich mehr entschlacken als der #5.

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Mit Blick auf den Cayenne wird mir erst so richtig bewusst, welche Ladeleistungen Smart mit diesem Auto in die gehobene Mittelklasse bringt. An dieser Stelle muss aber erwähnt werden, dass die Basis-Version des #5 mit dem kleineren Akku lediglich über ein 400-Volt-System verfügt. Wer die ultraschnelle Ladefähigkeit möchte, muss also unbedingt zum 100-kWh-Akku greifen.

Alle Varianten des #5 sollen wiederum über einen 22-kW-Bordlader sowie über V2L-Funktionalität verfügen – das ist vorbildlich und leider weder in der Premium- noch in der Luxusklasse der Elektromobilität selbstverständlich. Die umfangreiche Basisausstattung des Smart wird die Wettbewerber hoffentlich unter Druck setzen, diese Features ebenfalls serienmäßig anzubieten.

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Elektromobilität ohne Kompromisse für Familien

Der Smart #5 zeigt, dass die Marke ihre Wurzeln nicht nur in der städtischen Mobilität hat, sondern auch im Segment der größeren Fahrzeuge bestehen kann. Mit einer guten Reichweite, ultraschnellen Ladezeiten, liebevoll gestaltetem Infotainment, großem Platzangebot und vielen praktischen Features positioniert sich der #5 als starker Herausforderer im Markt der elektrischen Premium-SUV.

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Für Familien, die Elektromobilität ohne Kompromisse bei Leistung und Komfort suchen, sowie für Außendienstler und Vielfahrer, für die jede Minute Zeitverlust an der Ladesäule zählt, könnte dieser Fünfer künftig das Auto der Wahl sein. Zeitgleich kann die bloße Existenz des #5 als Warnruf an die lokale Automobilindustrie gewertet werden. Diese verrückten Ladeleistungen, welche wir durch den #5 erstmals auf dem europäischen Kontinent sehen, gibt es in China bereits seit längerer Zeit, und die zugehörigen Wettbewerber aus dem Reich der Mitte lauern angriffslustig im Halbschatten.

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Wer nicht schleunigst aufholt und sämtliche Ressourcen in die Entwicklung konkurrenzfähiger Elektroautos bündelt, wird in den kommenden Jahren gnadenlos abgehängt.

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Vanessa Lisa Oelmann

Vanessa Lisa Oelmann

Vanessa Lisa Oelmann ist 27 Jahre alt und seit 2019 vollelektrisch mit ihrem BMW i3 unterwegs. Nach ihrem abgeschlossenen International Business Studium ist sie nun als freiberufliche Automobiljournalistin tätig und engagiert sich nebenher im sozialen Bereich. Zudem hat sie ein großes Faible für Luxusgüter und Fotografie. Wenn sie nicht gerade versucht, ihre Freunde und Familie zum Elektromobilistendasein zu konvertieren, ist sie meist in diversen Autohäusern oder auf Meet-Ups mit anderen (elektro)autobegeisterten Leuten anzutreffen.

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