Die Abhängigkeit Deutschlands von seltenen Erden aus China ist schon seit Jahren ein bekanntes Risiko für Industrie und Wirtschaft. Der Ausbau der Elektromobilität ist davon in besonderem Maße betroffen, da Neodym und andere seltene Erden in vielen Permanentmagneten für E-Autos stecken. In einem Interview des Handelsblatts mit Noble-Elements-CEO Andreas Kroll zeigt dieser nun auf wie schwer sich Deutschland damit tut unabhängiger zu werden und warum private Investoren zur Lösung des Problems beitragen könnten.
Kroll handelt bereits seit zwölf Jahren mit seltenen Erden und sein Unternehmen steuert 2026 auf 100 Millionen Euro Umsatz zu. Er bringt also viel Markterfahrung mit, wenn er sagt, man müsse „schnell mobilisieren“, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Verantwortlich für die nach wie vor langsame Umsetzung der Ziele macht er dabei vor allem die Trägheit des unter Robert Habeck eingeführten staatlichen Rohstofffonds.
Der staatliche Rohstofffonds kommt kaum voran
Der Fonds war mit dem Ziel initiiert worden, Minenprojekte außerhalb von China zu fördern, um es Deutschland zu ermöglichen, dort in Zukunft unabhängig von China einzukaufen. Habeck war hier laut Kroll „zukunftsorientiert und visionär“ und wollte den Fonds direkt mit zwei Milliarden Euro Finanzierung ausstatten. Doch durch Uneinigkeiten mit dem damaligen Finanzministerium unter Christian Lindner kam das nicht zustande. Nun haben sich das neue Finanzministerium unter Lars Klingbeil und das Wirtschaftsministerium unter Katherina Reiche zwar vor wenigen Tagen immerhin auf eine Aufstockung des Fonds auf 1,5 Milliarden Euro geeinigt, doch die Kritik von Kroll bleibt bestehen.
Schließlich unterstützt der Rohstofffonds bis heute trotzdem nur drei Projekte und steigt überhaupt erst bei Projekten ab 50 Millionen Euro ein. Dies ist laut Kroll problematisch, da kleinere und oft schneller realisierbare Projekte so meist direkt herausfallen. Dabei zeigen Länder wie die USA, dass es auch anders gehen kann: Dort investiert man schließlich bereits umfangreich in Rohstoffsicherheit.
Private Investoren könnten den Weg aus der Abhängigkeit beschleunigen
Da die Förderung von Minenprojekten durch den Rohstofffonds so langsam voranschreitet, sieht Kroll in der Beteiligung privater Investoren und der Finanzindustrie eine große Chance. Von diesen Seiten besteht schon seit Jahren ein immenses Interesse am Investieren in seltene Erden und laut Kroll sind bereits „unheimlich viele Privatanleger in diesem Markt aktiv“. Dabei wächst auch das Interesse von Family Offices und institutionellen Investoren immer weiter. Kroll weist im Interview jedoch auch darauf hin, dass der Markt hochvolatil und das Investieren mit entsprechenden Risiken verbunden ist.
Laut Kroll könnten Unternehmen wie Noble Elements mit dem neuen Kapital im Markt den Ausbau von neuen Projekten zur Erschließung seltener Erden außerhalb Chinas antreiben und vorfinanzieren. Der Hauptgrund warum dieses private Interesse gefördert werden sollte, liegt dabei in der Investitionsgeschwindigkeit: während staatliche Investitionen erst langwierig auf Förderfähigkeit geprüft und Verträge verhandelt werden müssen, fließt privates oder institutionelles Kapital deutlich schneller in den Markt.
Wie schnell ein hohes Investitionsvolumen zusammenkommen kann, zeigt sich auch in den Lagerbeständen von Noble Elements. Krolls Angaben zufolge liegen dort allein durch die Investitionen von privaten Anlegern und Family Offices aktuell Bestände im Wert von 80 Millionen Euro. Diese Bestände werden inzwischen auch genutzt, um Industriekunden zu beliefern. Das Marktpotenzial, welches sich aus dem Investitionsinteresse des privaten Sektors ergibt, wird laut Kroll jedoch durch eine neue deutsche Steuerentscheidung ausgebremst.
Neue Umsatzsteuer-Regel bremst private Investoren
Private Anleger, die seltene Erden als Geldanlage kaufen, wollen diese im Anschluss meist in sogenannten Zollfreilagern einlagern lassen. Doch am 9. April 2026 wurde die bisherige Umsatzsteuerfreiheit dieser Geschäftsform durch die Landesfinanzminister aufgehoben. Andreas Kroll zufolge war dies ein schwerer Fehler, der nun wie ein weiterer Bremsklotz wirkt.
Infolgedessen verlagern Anleger ihre Geschäfte nämlich einfach aus Deutschland in die Schweiz, wo die Umsatzsteuerfreiheit nach wie vor besteht und das Lagern dementsprechend attraktiver ist. So verliert Deutschland einerseits das wichtige Investitionskapital und lässt sich andererseits auch die Chance entgehen, sich als Handelsplatz für seltene Erden zu etablieren. Gleichzeitig ziehen andere Staaten wie die USA und Japan laut Kroll voran und “kaufen gerade den Markt leer”.
Nichtsdestotrotz sieht der CEO von Noble Elements auch konkrete Lösungsansätze, die Deutschlands Abhängigkeit von China in den kommenden Jahren deutlich reduzieren könnten. So könnte beispielsweise eine Handelszone mit der EU, den USA und Japan feste Mindestpreise festlegen und dadurch schnell privates Kapital aktivieren. Zudem finanzieren Unternehmen wie Noble Elements kleinere Projekte unter der 50-Millionen-Euro-Grenze bereits selbst und bringen sie mithilfe von privatem Kapital auf den Weg.
Für die kommenden Jahre sieht Kroll keineswegs schwarz: Trotz langsamem Rohstofffonds und Zollfreilager-Umsatzsteuer hält er es nach wie vor für realistisch, dass sich der Verteidigungssektor und die Rüstungsindustrie in den nächsten drei bis fünf Jahren komplett von China lösen. In Anbetracht der größeren Mengen an seltenen Erden, die im Wachstumsmarkt der Permanentmagnete, also beispielsweise auch in der E-Auto-Industrie, benötigt werden, sind ihm zufolge zwölf bis vierzehn Jahre realistisch. Lösungsansätze sind also durchaus vorhanden, ob sie greifen, hängt jedoch vor allem auch davon ab, dass Deutschland sich nicht weiter im Weg steht.
Quelle: Handelsblatt – Die Amerikaner und Japaner kaufen gerade den Markt leer







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