Warum Chinas Batteriemacht mit Natrium noch weiter wächst

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Natrium-Ionen-Batterien gewinnen in der Batteriewirtschaft zunehmend an Bedeutung. Nicht weil sie Lithium-Ionen-Zellen technisch überlegen wären, sondern weil sie die Engpässe der bisherigen Lieferkette grundlegend verschieben. Für eine Industrie, die jahrelang auf gesicherte Lithiumversorgung als strategische Kernfrage ausgerichtet war, ist das eine strukturell relevante Entwicklung.

Lithium ist in der Erdkruste zwar nicht selten, wirtschaftlich abbaubare Vorkommen jedoch schon. Kommerzielle Lagerstätten entstehen entweder durch die fraktionale Kristallisation granitischer Schmelzen (LCT-Pegmatite) oder durch langfristige chemische Anreicherung geschlossener Becken. Das Ergebnis ist eine geografisch konzentrierte Lieferkette: Australien hält mit Standorten wie Greenbushes und Pilgangoora rund 37 Prozent der weltweiten Minenproduktion, Chile kommt auf etwa 20 Prozent, Argentinien auf rund acht Prozent.

Lithium-Verarbeitung als eigentlicher Engpass

Der entscheidende Machtfaktor liegt jedoch nicht im Abbau, sondern in der Weiterverarbeitung. China fördert zwar nur rund 17 Prozent des weltweiten Lithiums, kontrolliert aber den Großteil der chemischen Aufbereitung und Konvertierung. Wer Lithium abbaut, muss es in der Regel durch chinesische Raffinerien schleusen. Diese Position verschafft Peking eine industrielle Hebelwirkung, die durch Rohstoffmengen allein nicht erklärt wird.

Natrium-Ionen-Batterien verändern diese Gleichung an einem zentralen Punkt: der Rohstoffverfügbarkeit. Natrium macht rund 2,3 Prozent der Erdkruste aus, kommt in Weltmeeren und riesigen Binnenvorkommen vor und erfordert keine geologischen Sonderbedingungen. Für Länder ohne Lithium-Potenzial entfällt damit eine strukturelle Abhängigkeit auf der Abbaustufe. CATL hat Natrium-Ionen-Fahrzeuge bereits in den Markt gebracht, stationäre Speichersysteme überschreiten inzwischen die 1-GWh-Schwelle.

Für westliche Industriepolitik ergibt sich daraus ein Problem. Weil der Rohstoff überall verbreitet ist, entfällt der geografische Hebel, über den westliche Länder theoretisch Einfluss gewinnen könnten: das Erschließen und Genehmigen bedeutender Lagerstätten. Der Wettbewerbsvorteil verlagert sich vollständig auf Produktionskapazität, günstige Energie und industrielle Koordination. China kontrolliert nach aktuellen Schätzungen über 90 Prozent der weltweiten Produktionskapazität für Natrium-Ionen-Zellen.

Westliche Strategie muss Fabrik statt Mine denken

Zu einem vollständigen Verdrängungswettbewerb zwischen den Chemien kommt es dabei nicht. CATL und BYD haben Milliarden in Lithium-Technologie investiert. Stattdessen zeichnet sich eine Aufteilung nach Anwendungssegmenten ab: Premiumfahrzeuge setzen wegen der höheren Energiedichte weiter auf Lithium, während Massenanwendungen, darunter urbane Elektroautos, Netzspeicher und industrielle Systeme, zunehmend auf Natrium setzen. Kostenstabilität, Sicherheit und Tieftemperaturverhalten sprechen dort für die neuere Chemie.

Für Strategiepapiere, die kritische Rohstoffe primär als Minenproblem behandeln, ist das eine schwierige Erkenntnis. Solange der nächste Engpass nicht im Bergbau, sondern in Fabrikhallen und Stromnetzen liegt, greifen bisherige Ansätze zu kurz. Das Ende der Lithium-Abhängigkeit könnte damit den Beginn einer anderen Abhängigkeit markieren, die sich nicht durch Bergbaugenehmigungen beheben lässt.

Quelle: mining.com – Op-Ed: Sodium-ion batteries are not the end of lithium, but they may be the end of something else

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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