Lithium: KI-Rechenzentren werden neuer Wachstumstreiber

Lithium: KI-Rechenzentren werden neuer Wachstumstreiber
Copyright:

Lithium-Muster aus dem Shaakichiuwaanaan-Projekt in Quebec, Kanada / Patriot Battery Metals

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Jahrelang galt das Elektroauto als wichtigster Motor der weltweiten Lithium-Nachfrage. Nun zeichnet sich nach Einschätzung führender Produzenten und Marktanalysten ein grundlegender Wandel ab. Auf der Global Lithium, Battery and Critical Materials Conference in Las Vegas sprachen Branchenvertreter gegenüber Reuters übereinstimmend von einem zweiten großen Nachfragetreiber: stationäre Batteriespeicher für Stromnetze und Rechenzentren, die für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz betrieben werden.

„Energiespeicher sind zu einem zentralen Wachstumstreiber dieses Marktes geworden“, so Raju Daswani, Geschäftsführer des Analysehauses Fastmarkets. Nach seinen Schätzungen wächst die Lithium-Nachfrage für stationäre Batteriespeicher derzeit um rund 40 Prozent pro Jahr. Damit entwickelt sich nach Angaben der Branche neben dem Elektroautomarkt ein zweites Standbein, das zunehmend an Gewicht gewinnt.

Daswani beschrieb die Entwicklung als strukturelle Verschiebung. Die Nachfrage nach Batteriespeichern sei deutlich robuster als der Elektroautomarkt, da sie weniger von individuellen Verbraucherentscheidungen abhänge. Der weltweite Ausbau von KI-Infrastruktur und der gleichzeitige Bedarf an stabileren Stromnetzen trieben die Nachfrage nach stationären Speicherlösungen an, die ebenfalls große Mengen Lithium benötigen.

Auch der Bergbaukonzern Rio Tinto rechnet mit einer spürbaren Verschiebung. Jérôme Pécresse, Leiter des Aluminium- und Lithiumgeschäfts, erklärte Reuters zufolge, dass sich der Lithiummarkt bereits in den kommenden zwei Jahren deutlich gleichmäßiger auf Elektroautos und Energiespeicher verteilen dürfte. Der weltweit größte Lithiumproduzent Albemarle beobachtet nach eigenen Angaben ebenfalls eine stetig wachsende Nachfrage. Vertriebschef Eric Norris hob gegenüber Reuters hervor, dass sich dieses Segment weltweit deutlich gleichmäßiger entwickle als der Elektroautomarkt.

Stimmungswechsel nach Jahren des Preisdrucks

Die neu gewonnene Zuversicht der Produzenten markiert einen deutlichen Stimmungswechsel. Nach einem Überangebot und einer schwächeren Elektroauto-Nachfrage waren die Lithiumpreise in den vergangenen Jahren zeitweise stark eingebrochen. Nach Angaben der Konferenzveranstalter haben sie sich gegenüber dem Vorjahr inzwischen mehr als verdreifacht. Die gestiegene Teilnehmerzahl der Konferenz, die in diesem Jahr um rund zehn Prozent auf etwa 1100 Besucher:innen zulegte, spiegelt das wiedergewonnene Interesse der Branche wider.

Trotz der verbesserten Aussichten forderten zahlreiche Unternehmen weitere Unterstützung durch westliche Regierungen. Die Verarbeitung von Lithium wird weiterhin von chinesischen Unternehmen dominiert, die nach Angaben der Branche deutlich günstiger produzieren. Branchenvertreter:innen appellierten auf der Konferenz für konkrete finanzielle Anreize, um die Abhängigkeit von China weiter zu reduzieren.

Die G7-Staaten hatten in der vergangenen Woche vereinbart, ihre Zusammenarbeit beim Aufbau unabhängiger Lieferketten für Lithium und andere kritische Rohstoffe auszubauen. Ob aus dieser Absichtserklärung rasch wirksame Maßnahmen folgen, ließ die Konferenz offen.

Quelle: Berliner Zeitung – Lithium: KI löst Elektroautos als Wachstumstreiber ab / Reuters – Lithium producers bet on battery storage as demand shifts beyond EVs

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Rohstoffe

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

JLR-Konzeptauto zeigt Zukunft der Materialkreisläufe

Sebastian Henßler  —  

Im Projekt Cornerstone hat Jaguar Land Rover die CO2-Bilanz aller Bauteile eines Autos halbiert, die Daten wurden von den jeweiligen Lieferanten validiert.

Seltene-Erden-Krise: Kroll setzt auf private Investoren

Seltene-Erden-Krise: Kroll setzt auf private Investoren

Arun Niemann  —  

Seltene Erden sind für E-Autos und die Industrie extrem wichtig. Andreas Kroll erklärt, warum Deutschland aus seiner Sicht Kapital und Tempo verschenkt.

Batteriemarkt für E-Autos soll auf 275 Milliarden Euro wachsen

Batteriemarkt für E-Autos soll auf 275 Milliarden Euro wachsen

Sebastian Henßler  —  

Der Markt für Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos soll sich in den kommenden zehn Jahren nahezu verdoppeln, getrieben vor allem durch China.

Wohin mit alten E-Auto-Batterien? Zwei Wege, ein Ziel

Wohin mit alten E-Auto-Batterien? Zwei Wege, ein Ziel

Sebastian Henßler  —  

China recycelt Altbatterien direkt, die USA und Europa setzen zunächst auf Zweitnutzung als Netzspeicher. Dahinter steckt mehr als Umweltpolitik.

Lithium: EU weit von eigenen Versorgungszielen entfernt

Lithium: EU weit von eigenen Versorgungszielen entfernt

Sebastian Henßler  —  

Die EU wollte bis 2025 80 Prozent ihres Lithiumbedarfs selbst decken. Eingetroffen ist das Gegenteil: China liefert mehr E-Auto-Batterien als je zuvor

Rio Tinto setzt auf Lithium – ohne weitere Übernahmen

Rio Tinto setzt auf Lithium – ohne weitere Übernahmen

Maria Glaser  —  

Lithium könnte für den weltweit zweitgrößten Bergbaukonzern zum am schnellsten wachsenden Geschäftsbereich werden.