Der Markt für Lithium-Ionen-Batterien in Elektroautos soll sich in den kommenden zehn Jahren nahezu verdoppeln. Laut einer aktuellen Marktanalyse wächst das Segment von 146 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 275 Milliarden Euro im Jahr 2036, was einer jährlichen Wachstumsrate von 6,5 Prozent entspricht. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch batterieelektrische Autos, insbesondere in China. Auch Europa verzeichnet eine zunehmende Nachfrage, während der US-Markt aufgrund veränderter politischer Rahmenbedingungen derzeit eine Verlangsamung erlebt. Für das kommende Jahrzehnt wird jedoch auch dort wieder eine Belebung der Elektrifizierung erwartet.
Neben Autos rücken zunehmend Nutzfahrzeuge in den Fokus. Sie sollen sogar stärker wachsen als der Pkw-Bereich, da niedrigere Gesamtbetriebskosten den Umstieg auf Elektroantriebe attraktiver machen. Insgesamt soll die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos bis 2036 auf mehr als 4500 Gigawattstunden steigen. Diese Zahlen stammen aus dem neuen Bericht „Li-ion Batteries and Battery Management Systems for Electric Vehicles 2026-2036“ von IDTechEx.
Batteriechemie verschiebt sich spürbar
Bei den eingesetzten Zellchemien zeichne sich ein klarer Trend ab. Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) haben sich bei Elektroautos zunehmend durchgesetzt, da sie geringere Kosten und eine höhere Lebensdauer ermöglichen. Ihr Marktanteil ist von rund 20 Prozent im Jahr 2015 auf etwa 44 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Im Vergleich zu ternären Oxidzellen wie NMC und NCA bieten sie allerdings eine geringere Energiedichte, besonders bei der volumetrischen Betrachtung. Für Premiumfahrzeuge bleiben NMC und NCA daher weiterhin die bevorzugte Wahl.
Sowohl bei LFP als auch bei NMC und NCA zeichnet sich eine Entwicklung hin zu höherer Energiedichte ab. Ab 2026 soll Mangan verstärkt in LFP-Zellen integriert werden (LMFP), 2027 und 2028 folgt der Einsatz in weiteren Kathodenmaterialien, unter anderem bei General Motors. Zudem setzt sich bei NMC und NCA ein höherer Nickelanteil durch. Jenseits des Pkw-Segments ist die Auswahl an Chemien und Zellformaten deutlich vielfältiger. Für schwere Nutzfahrzeuge zählt vor allem eine hohe Zyklenfestigkeit von 3000 bis 5000 Zyklen, während bei Autos rund 1000 Zyklen als ausreichend gelten. Das erklärt, weshalb Nickel-Zellen mit mittlerem Nickelanteil im Nutzfahrzeugbereich eine Nische behalten, während sie im Pkw-Markt zunehmend verschwinden.
Politik bremst und beschleunigt zugleich
Regulatorische Rahmenbedingungen bleiben ein zentraler Faktor für die Marktentwicklung. Steuervergünstigungen und staatliche Investitionen hatten in China maßgeblich zum schnellen Wachstum des Elektroautomarkts beigetragen. In Europa setzen strengere Emissionsvorgaben mittelfristig ähnliche Impulse. In den USA hingegen führte das Auslaufen von Steuergutschriften und Abgasvorgaben zuletzt zu einem Rückgang der Verkaufszahlen. Mittel- und langfristig rechnet IDTechEx dennoch mit einer erneuten Zunahme der Nachfrage.
Gleichzeitig verändern Zölle auf chinesische Batteriezellen sowie die fortgesetzte Förderung amerikanischer Zellproduktion durch den 45X-Steuerkredit die Lieferketten. Die Folge ist eine zunehmende Lokalisierung der Zellfertigung in den USA.
Pack-Hersteller entdecken neue Märkte
Da Automobilhersteller die Montage von Batteriepacks verstärkt selbst übernehmen, richten klassische Pack-Entwickler ihren Fokus verstärkt auf Nicht-Pkw-Segmente. Unternehmen wie Microvast, Forsee Power, die BMZ Group, Webasto, Proventia und BorgWarner zählen zu den aktiven Anbietern in diesem wachsenden Bereich. Zugleich lässt sich eine stärkere vertikale Integration beobachten, etwa durch eigene Zellfertigung oder selbst entwickelte Thermomanagementsysteme. Der Markt bleibt dabei von Übernahmen, Liquidationen und Insolvenzen geprägt, die seit 2020 wiederholt zu beobachten waren.
Auch beim Batteriemanagementsystem (BMS), das Diagnose, Zellbalancierung und Ladevorgänge steuert, zeigt sich technologischer Fortschritt. Eine Patentanalyse von IDTechEx belegt ein deutlich gestiegenes Interesse an diesem Bereich über das vergangene Jahrzehnt. Verbesserungen an Hardware und Software von BMS-Systemen gelten als Schlüssel für höhere Sicherheit, schnellere Ladezeiten und längere Lebensdauer der Batteriepacks.
Quelle: IDTechEx – EV Li-ion Batteries Market Set to Reach US$320 Billion by 2036








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