Schenna e.motion: E-Rallye durch Südtirols Süden

Schenna e.motion: E-Rallye durch Südtirols Süden
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Schenna e.motion / Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 11 min

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Wer glaubt, ein E-Auto überzeuge am besten auf der Teststrecke oder durch ein möglichst umfangreiches Datenblatt, hat die Schenna e.motion noch nicht erlebt. Das kleine Dorf Schenna, oberhalb von Meran gelegen, lädt seit drei Jahren zu einem Format ein, das Elektromobilität dorthin bringt, wo sie im Alltag tatsächlich stattfindet: auf Landstraßen, Alpenpässen und durch Weinberge, mit regionaler Küche, handwerklichen Betrieben und echtem Austausch. Eine klassische Rallye ist das bewusst nicht: Es gibt keinen Zeitdruck, keine Bestenliste nach Tempo, kein Duell zwischen Fahrzeugen. Wer hier antritt, fährt nicht gegen andere, sondern mit ihnen.

Der Tourismusverein Schenna, vertreten durch Stefan Kaserbacher, hat gemeinsam mit Manfred Preiss und Tanja Egger erneut ein Programm zusammengestellt, das Weinberge, Alpenpässe, biologische Landwirtschaft und kulinarische Stationen zu einer Route verbindet, die sich über drei Tage entfaltet. Vom 1. bis 3. Juni 2026 sind rund zwanzig E-Autos aus dem deutschsprachigen Raum unterwegs, am zweiten Tag verstärkt durch rund zehn weitere Fahrzeuge lokaler E-Mobilisten aus der Region.

Schenna e.motion | zentraler Startpunkt in Schenna

Punkte oder besser gesagt Strafpunkte gibt es dennoch, soll am Ende der Schenna e.motion doch ein Sieger auf dem Treppchen stehen. Die sogenannten Fun-Prüfungen, die sich über alle drei Tage verteilen, messen nicht Beschleunigung oder Reichweite, sondern Gleichmaß, Präzision und Aufmerksamkeit. Vergangenes Jahr hatte Stefan es so formuliert, und daran hat sich nichts geändert: Es soll erlebbar werden, dass Elektroauto fahren funktioniert, gerade in den Bergen, gerade auf Pässen, gerade dort, wo viele noch zweifeln.

Das Teilnehmerfeld spiegelt diese Offenheit wider. Neben erfahrenen E-Mobilisten finden sich Neugierige, Urlaubsgäste aus der Region und Leser von Elektroauto-News. Die Gespräche, die daraus entstehen, sind selten technisch und fast nie kontrovers. Vor allem aber: neugierig. Wir von EAN waren mit dem Xpeng G9 Long Range RWD vor Ort, der gesonderte Fahrbericht zum Stromer folgt.

Schenna e.motion | Draufblick auf ein Teil des Teilnehmerfelds

Geschick, Gefühl und zwei Schläge ins Grüne

Gegen 11.30 Uhr findet sich das Feld am ersten Tag nach und nach auf dem Raiffeisenplatz im Zentrum von Schenna ein. Startnummern werden vergeben, Infopakete ausgehändigt, die E-Autos mit den markanten Schenna-e.motion-Aufklebern versehen. Wer beim vergangenen Jahr dabei war, trifft alte Bekannte. Wer zum ersten Mal kommt, wird schnell eingebunden. Es sind die ersten Gespräche des Tages: welches Modell, woher seid ihr gekommen, wie lange schon elektrisch unterwegs? Schon dieser erste Moment auf dem Platz zeigt, was die Schenna e.motion ausmacht: kein Messestand, kein Showroom, sondern einfach Menschen, die mit ihren E-Autos irgendwo in Südtirol stehen und sich freuen, unter Gleichgesinnten zu sein.

Manfred nimmt sich Zeit für die Einweisung, in seiner ganz eigenen Art. Der freundschaftliche Schlagabtausch mit Stefan lockert die Stimmung weiter auf. Locker, direkt, mit dem einen oder anderen Schmunzeln zwischen den Zeilen. Wer die Strecke kennenlernen will, findet alles im ausgehändigten Booklet. Wer sich überraschen lassen möchte, lässt das Booklet einfach in der Tasche und rollt dem Feld nach dem Start um 13 Uhr hinterher.

Schenna e.motion | Unterwegs mit dem Xpeng G9

Der erste Tag führt rund 68 Kilometer durch den südlichen Teil Südtirols. Die Route verläuft von Schenna über Lana, Tisens und Nals entlang der Weinstraße, durch Unterrain nach St. Pauls, weiter über Terlan und Vilpian bis zur Orchideenwelt in Gargazon. Kurvenreiche Abschnitte wechseln sich mit ruhigen Weinbergstraßen ab, schmale Ortsdurchfahrten folgen auf offene Hanglagen mit Blick ins Etschtal. Das Tempo ist bewusst niedrig gehalten. Die Strecke lädt ein, den eigenen Stromer zu spüren statt es zu treiben: Rekuperation bergab, gleichmäßiges Gleiten durch die Ebene, präzises Einlenken auf engen Sträßchen. Für ein E-Auto ist das geradezu ein Heimspiel.

Zur Strecke gehören die Fun-Prüfungen. Die erste in Tisens verlangt Geschick unter Zeitdruck: 16 Klötzchen müssen in exakt einer Minute korrekt zusammengesetzt werden, pro fehlerhaft platziertem Teil fallen 20 Strafpunkte an. Klingt simpel, bis man feststellt, dass das Puzzle ausschließlich Himmel, Wald und ein paar Häuser zeigt und die Uhr bereits läuft.

Elektroauto-News | Es wird gepuzzelt

Weiter geht es nach Nals, entlang der Weinstraße zum Golfclub Eppan. Dort wartet die zweite Prüfung: zwei Schläge, ein Loch, jeder Zentimeter Abstand kostet 20 Strafpunkte. Der erste Schlag dient dem Gefühlsammeln, der zweite soll den Ball idealerweise noch ein Stück näher bringen. Golfkenntnisse sind keine Voraussetzung, aber sicher kein Nachteil, wie man selbst erleben durfte als derjenige, der bisher nur Minigolf-Erfahrungen vorweisen konnte. Wirken sich zwei Fehlschläge doch massiv auf das Endergebnis aus.

Elektroauto-News | Fun-Prüfung auf dem Golfplatz

Unter der Erde: Sekt, Geschichte und vier Meter Beton

Von Eppan führt die Route weiter nach St. Pauls, einem der bekanntesten Weinorte an der Südtiroler Weinstraße und Teil der Gemeinde Eppan, der größten Weinbauregion Südtirols mit vier Genossenschaften und 15 privaten Kellereien. Treffpunkt ist die Vinothek Vis-à-Vis am Paulser Platz, das Wein- und Genusshaus von Martin Schwarzer und Stefanie Ebner. Das Haus führt über 800 Weine mit besonderem Fokus auf kleine regionale Produzenten und ist seit Jahren erste Anlaufstelle für alle, die sich in der Weinwelt des Überetsch orientieren wollen. Martin, der die Gruppe durch den benachbarten Sektbunker Praeclarus führt, kennt den Ort und seine Geschichte aus dem Effeff: Vor seiner Zeit mit dem Vis-à-Vis war er selbst für Praeclarus tätig.

Elektroauto-News | Vis-à-Vis mit Wein und Spezialitäten aus der Region

Der Bunker selbst gehört zur Kellerei St. Pauls, einer Genossenschaftskellerei, die 1907 von 36 Winzern der Gemeinde Eppan gegründet wurde. Das unterirdische Bauwerk entstand zwischen 1937 und 1938 als Teil einer Verteidigungslinie, die ihre ursprüngliche militärische Aufgabe nie erfüllen musste. Jahrzehntelang schlummerte er ungenutzt unter seiner Bauernhaus-Tarnkappe, bevor die Kellerei ihn ab 1979 für die Lagerung des Praeclarus-Sekts zu nutzen begann. Die bis zu vier Meter dicken Betonwände, einst für ganz andere Zwecke gegossen, sorgen seither für konstante Temperatur und Luftfeuchtigkeit, ideale Bedingungen für eine lange Reifung.

Elektroauto-News | Hier befindet sich der Bunker, in dem die Flaschen lagern darunter

Aktuell lagern rund 200.000 Flaschen in den Nischen der ehemaligen Befestigungsanlagen, gereift auf der Feinhefelage, zwischen einigen Monaten und bis zu fünf Jahren. Grundlage des Praeclarus ist die Chardonnay-Traube vom Paulsner Feld, dem sogenannten Ganggolfel, angebaut auf Lagen zwischen 300 und 500 Metern Meereshöhe, deren Kalkboden als besonders geeignet für Weißweine gilt.

Elektroauto-News | Martin führt uns in die Geheimnisse der Lagerung ein

 

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Produziert wird nach der klassischen Methode: Die zweite Gärung erfolgt in der Flasche, danach reift der Sekt auf der Hefe. Nach der Reifephase wird jede Flasche drei Wochen lang täglich um ein Viertel gedreht, damit sich die Hefe zum Flaschenhals hin absetzt. Der Hals wird auf minus 20 Grad abgekühlt, die gefrorene Hefefront als Klumpen ausgestoßen, die Flasche mit Sekt aufgefüllt. Im Lagerzustand liegt der Innendruck bei sechs Bar, bei der Auslieferung bei vier Bar. Etwas, das man nicht unterschätzen sollte, wenn man gerade am Flaschen drehen ist, was wir aus offensichtlichen Gründen tunlichst unterlassen haben.

Elektroauto-News | Flaschen fischen bei der Schenna e.motion

Passend dazu folgt die dritte Fun-Prüfung des Tages im Innenhof der Vinothek: Mit einer Angel müssen bis zu drei Flaschen am Flaschenhals gefischt werden, jede nicht gefangene kostet 20 Strafpunkte. Dass die Prüfungen stets einen inhaltlichen Bezug zu ihrem jeweiligen Ort haben, ist kein Zufall, macht sie aber nicht unbedingt einfacher. Vor allem dann nicht, wenn man gegen Südtiroler antritt, die dieses Spiel bereits seit ihrer Kindheit kennen.

Lotus, Tesla und die Frage nach dem Vertrauen in die E-Mobilität

Den Abschluss des ersten Tages bildet die Orchideenwelt in Gargazon, ein weitläufiges Gewächshaus mit exotischer Bepflanzung, frei fliegenden Schmetterlingen und Papageien. Letztere spielen bei der vierten Fun-Prüfung eine Hauptrolle: Wie viele Papageien befinden sich gerade in diesem Bereich? Eine vermeintlich einfache Frage, die beim Zählen überraschend knifflig wird. Denn auch Papageien verstecken sich gerne.

Elektroauto-News | Hintergrund des Panels zur E-Mobilität

Noch vor dem Rundgang durch das Gewächshaus findet eine Podiumsdiskussion statt, moderiert von Marie-Kristin Wricke, auf Social Media bekannt als Madame Electric und Moderatorin der ADAC-YouTube-Serie „Unter Strom“. Auf dem Podium: Markus Moroder, Head of Sales Operations bei Alpitronic, Felix Strohbach, Chefredakteur des Magazins Arrive, Conrad Buck, Geschäftsführer von Mars Orbiter, sowie Elisa Artioli, deren Familiengeschichte eng mit den Anfängen der modernen Elektromobilität verknüpft ist. Drei Fahrzeuge stehen im Raum: eine Lotus Elise, ein Tesla Roadster und ein Lotus Emeya. Sie verbinden unterschiedliche Jahrzehnte, aber ein gemeinsames Thema.

Romano Artioli, Elisas Großvater, war Inhaber und Vorstandsvorsitzender von Lotus, als die Elise 1996 vorgestellt wurde. Dass das Fahrzeug nach seiner Enkelin benannt ist, war kein Zufall: Der Name Elisa passte zur Lotus-Tradition, alle Modelle mit E zu beginnen, und Elisa war die erste Enkelin. Die Zweijährige saß bei der Weltpremiere im Auto, während draußen die Fotografen rätselten, wer da im Cockpit sitzt. Kein Supermodel, sondern ein Kleinkind. Das Bild ging um die Welt. Ohne die Elise-Plattform, so die These des Abends, hätte der Tesla Roadster in seiner ursprünglichen Form nicht existiert.

Blick in die Orchideenwelt in Gargazon
Elektroauto-News | Blick in die Orchideenwelt in Gargazon

Die Diskussion entwickelt sich von dieser historischen Linie in die Gegenwart. Felix erzählt, wie sich seine Fahrtstrategie über die Jahre verändert hat. Früher sei er langsam hinter Lastwagen hergefahren und habe versucht, mit einem einzigen Ladestopp von Hamburg nach München zu kommen. Der Zeitgewinn habe sich nicht ausgezahlt: zu unkomfortabel, zu verkniffen. Heute fahre er schneller, mache mehr Pausen, gönne sich beim Laden einen Kaffee.

Der Lotus Emeya, mit dem er für die Veranstaltung angereist ist, lädt laut Herstellerangabe theoretisch in 14 Minuten von zehn auf achtzig Prozent. „Da kann man gerade so das Auto abschließen und kurz auf Toilette gehen“, so der E-Mobilitätsjournalist. Die Ladeinfrastruktur halte da noch nicht immer mit, aber die Richtung sei klar.

Markus bringt die Infrastrukturperspektive ein. Für ihn entscheidet weder das Fahrzeug noch die Ladesäule allein, sondern das Zusammenspiel beider Seiten. Vertrauen entstehe nicht durch einzelne gute Produkte, sondern durch ein Ökosystem, das reibungslos funktioniert und keine offenen Fragen lässt. Der nächste Schritt sei nicht mehr die technische Leistung, sondern das Vertrauen jener zu gewinnen, die noch nicht elektrisch fahren.

„Es muss alles gut miteinander zusammenspielen. Vor allem wenn wir Menschen ansprechen wollen, die heute noch nicht elektrisch fahren, muss das Ganze perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit ein gewisses Vertrauen entsteht“, so Moroder. Dass da noch Luft nach oben bleibt, darüber ist man sich an diesem Abend in der Orchideenwelt einig. Nach dem gemeinsamen Abendessen geht es zurück nach Schenna. Tag zwei wartet mit der Königsetappe: hinauf auf das Stilfserjoch.

Wo wir übernachtet haben: Pension Fernblick Höfler, Schenna

An drei Tagen durch Südtirol braucht man eine Unterkunft, die mehr ist als ein Ort zum Schlafen. Die Pension Fernblick Höfler in Schenna hat das für uns eingelöst. Was das Haus ausmacht, lässt sich nicht auf Zimmerausstattung oder Frühstücksbuffet reduzieren, so gut beides auch ist. Es ist die Familie dahinter, und die zeigt sich von der ersten Minute an.

Elektroauto-News | Pension Fernblick Höfler, Schenna

Rita hat uns beim Ankommen herzlich empfangen, direkt ins Haus eingewiesen und dafür gesorgt, dass man sich sofort aufgehoben fühlt. Stephan versorgt die Gäste morgens mit Wandertipps und steht abends an der Bar mit einem lockeren Spruch bereit. Und Senior-Chef Helmuth ist eine Persönlichkeit für sich: Mit seiner witzigen, unkomplizierten Art sorgt er dafür, dass spätestens beim zweiten Abend niemand mehr das Gefühl hat, zum ersten Mal hier zu sein. Man wird nicht abgefertigt, sondern wahrgenommen. Und das über Generationen hinweg.

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Die Zimmer sind frisch renoviert, hell und mit Bergblick, das Frühstücksbuffet regional und abwechslungsreich. Das Abendessen kommt aus einer überschaubaren Karte, die täglich durch ein Tagesgericht ergänzt wird und so gut ist, dass wir am liebsten alles durchprobiert hätten. Dazu ein beheizter Pool, eine Panoramasauna mit unverbautem Blick ins Tal und eine Lage, von der aus das Zentrum von Schenna in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist.

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Die Pension Fernblick Höfler ist die erste von drei Unterkunftsempfehlungen, die wir im Rahmen unserer Schenna-e.motion-Berichterstattung aussprechen. Es folgen weitere Optionen für alle, die die Genuss-Rallye als Anlass nehmen wollen, die Region mit dem E-Auto zu entdecken. Geladen wird hier übrigens für 0,50 Euro/ kWh, an einer von zwei Wallboxen.

Quelle: Elektroauto-News – Recherche vor Ort im Mai 2026

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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